Corso 05.11.2019

@WorstofchefkochDie Kochshow des GrauensJonathan Löffelbein im Corsogespräch mit Achim Hahn

Beitrag hören  Während Lukas Diestel (l) aus dem Buch "Worst of Chefkoch" vorliest, zeigt Jonathan Löffelbein Fleischwürste (dpa (Christina Storz))Jonathan Löffelbein (mit Würsten) und Lukas Diestel vom Anti-Foodbog "Worst of Chefkoch" (dpa (Christina Storz))

Seit 2017 sammeln Lukas Diestel und Jonathan Löffelbein auf ihrem Blog "Worst of chefkoch" die schrecklichsten Kochideen aller Zeiten. Natürlich nicht ohne spitzzüngige Kommentare, die auch live in ihrer Anti-Kochshow zu erleben sind. "Die Leute dürfen das probieren", so Jonathan Löffelbein im Dlf.

Selbst die Londoner Times hat die kulinarischen Gräuelrezepte bereits wahrgenommen, die seit 2017 in dem Blog Worst of Chefkoch gesammelt werden. Die Favoriten der Briten: das mit einer deutschen Bierdose gefüllte Brathähnchen oder die patriotische Pizza aus Hackbraten mit schwarzer, roter und goldener Gemüsekruste. Rezepte, die auf dem Webportal chefkoch.de gepostet wurden, das hierzulande millionenfach genutzt wird. Und eben auch von den ehemaligen Studenten, Slampoeten und Comedians Lukas Diestel und Jonathan Löffelbein, dessen Grauensfavorit die Champignon-Bananen-Lasagne mit Hühnerherzen sei, wie er im Corsogespräch verriet: "Eine völlig abstruse Kombination und je nach Größe der Hühnerherzen sind das auch 45 bis 90 Stück, die da reinkommen".

Angeekelte Begeisterung

Ihre Leidenschaft für die schlimmen Rezepte sei in einem Biergarten entstanden, da sie sich selber schon die skurrilisten Rezepte zugeschickt hätten. "Das fanden wir so witzig, dass wir gedacht haben, irgendwo im Internet muss es doch eine Sammlung davon geben, und haben dann gemerkt: nein, gibt es nicht. Und da machen wir sie eben selbst." Eigentlich sei das auch Kunst - wegen der ganz seltsamen Zusammenstellung der Rezepte und der archaischen und anarchistischen Freude daran, Sachen zu mischen, erzählte Löffelbein. "Zum Glück haben wir nicht wirklich alles davon probiert. Wir haben ein Recht auf körperliche Unversehrtheit."

Rezepte würden in ihrem Antifood-Blog sehr subjektiv aufgenommen, meinte der Anti-Koch. "Es gibt den Faktor: Da passt halt nichts zusammen, was zusammen gemischt wird. Dann gibt es Sachen, die keine Rezepte sind, die aber auch hochgeladen werden. Bestes Beispiel sind 'Friedhelms alte Brotscheiben'. Und das sind explizit zwei Tage altes Brot und Salami und Käse". Es sei ein absolutes Mysterium, wer diese Rezepte erfinde und sie auch noch ins Netz stelle. "Dafür verneigen wir uns auch davor! Ist eigentlich ein großer Schrein an die Leute, die das machen", so Löffelbein.

Vom Anti-Foodblog zur Anti-Kochshow

Wenn man das auf eine tiefere Ebene ziehen würde, dann wollten sie den Influencern und Foodbloggern den Spiegel vorhalten: "Es ist auf jeden Fall ein Alles-muss-perfekt-sein, weil wenn man sich Zuhause Nudeln mit Pesto macht, dann sieht das auch nicht so krass anders aus." Der Trend zum Foodporn sei Teil einer Überästhetisierung und Selbstoptimierung, die auch vor dem Essen nicht Halt mache; Foodblogs seien eher eine Bühne der Selbstdarstellung.

Apropos Bühne: Live-Shows zum Thema veranstalten Lukas Diestel und Jonathan Löffelbein auch. Sie seien eine sehr seltsame Mischung, erzählte der Blogger: "Es ist auf der einen Seite fast eine Anti-Koch-Show - also wir kochen diese Rezepte nach und die Leute dürfen das probieren, wenn sie das wollen. Nebenher gibt es Stand Up, es gibt kleine Ratespiele mit dem Publikum aufs Essen bezogen. Aber wir machen auch Sachen, die jetzt nichts per se mit Essen und Kochen zu tun haben, weil wir einfach aus einer anderen Richtung kommen. Wir kommen vom Schreiben und von der Bühne", so Jonathan Löffelbein im Corsogespräch.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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