
Mit den Zahlen bezog sich das UNO-Büro auf das Telefonat der Generalsekretärin der Hilfsorganisation Roter Halbmond in Libyen mit der Nachrichtenagentur AP. Der Sprecher des Roten Halbmonds, Schukri, zeigte sich davon heute allerdings überrascht. Er kenne die Quelle dieser Angabe nicht, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Offizielle Zahlen würden nur von den Behörden veröffentlicht.
Unterdessen wächst die Sorge vor möglichen gesundheitlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung der Stadt. Bis zum Samstag wurden etwa 150 Durchfallerkrankungen gemeldet. Als Begründung nannte der Leiter des Zentrums für Krankheitsbekämpfung, Haidar al-Sajih, verschmutztes Trinkwasser. Für die Überschwemmungsgebiete habe das Zentrum einen Notfall für mindestens ein Jahr ausgerufen.
Mindestens 35.000 Menschen haben nach Angaben der WHO allein in Darna ihre Unterkünfte verloren. Mit den tausenden von Vertriebenen, die jetzt unterwegs seien, steige auch das Risiko, mit Landminen und explosiven Kampfmitteln in Berührung zu kommen, die von den jahrelangen Konflikten im Land übrig geblieben seien, so das UNO-Nothilfebüro OCHA. Die Fluten hätten unter anderem Landminen in andere Gebiete gespült, hieß es unter Berufung auf das Internationale Komitee vom Roten Kreuz.
Nur eine befahrbare Straße für Hilfsgüter nach Darna
Unterdessen trafen in Bengasi am Samstag 29 Tonnen medizinische Hilfsgüter ein. Damit können fast 250.000 Menschen medizinisch versorgt werden, wie die WHO mitteilte. Darunter seien lebenswichtige Medikamente für chronische und übertragbare Krankheiten sowie Material zur Wundversorgung und für Notoperationen ebenso wie Leichensäcke. Das Material geht an Kliniken und Praxen in der Region. Von Bengasi nach Darna sind es je nach Route zwischen 300 und 400 Kilometer. Die Fluten haben Zufahrtsstraßen zur besonders schwer betroffenen Hafenstadt Darna weggeschwemmt, wichtige Brücken sind unter Schlammmassen begraben. Es gibt nach Angaben der Rotkreuz- und Rothalbmondföderation (IFRC) nur noch eine befahrbare Zugangsstraße.
Durch das Sturmtief "Daniel" hatte es in der vergangenen Woche sintflutartige Niederschläge in dem nordafrikanischen Land gegeben. In Darna brachen zwei Flussdämme. Mehrere Viertel der 100.000-Einwohner-Stadt wurden ins Meer gespült.
Diese Nachricht wurde am 17.09.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
