Samstag, 21. Mai 2022

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Zehn Büchertipps zum Fest

Die Tipps für die Weihnachtswunschliste 2012: eine Auswahl an Büchern und Aufnahmen, die von der Büchermarkt-Redaktion empfohlen werden.

Von Angela Gutzeit | 11.12.2012

Hanjo Kesting: "Grundschriften der europäischen Kultur. Erfahren, woher wir kommen"
Wallstein Verlag, 3 Bände im Schuber, 1194 Seiten, 34,90 Euro.

Hanjo Kesting widmet sich in drei Bänden den seiner Meinung nach wirkungsmächtigsten literarischen Texten der europäischen Kulturgeschichte. Jeweils neun Schriften hat er aus Antike, Mittelalter/Renaissance und Neuzeit ausgesucht, um dem Geheimnis ihrer ungebrochenen Faszination auf die Spur zu kommen.

Kenntnisreich und spürbar erfüllt von der eigenen Leselust, führt er uns in seinen Essays durch Ovids Metamorphosen, Dantes "Göttliche Komödie, Montaignes "Essais", Grimms Hausmärchen oder Marx'/Engels' "Kommunistisches Manifest".

Adelbert von Chamisso: "Reise um die Welt"
In Leinen gebundener Sonderband mit 140 Farblithografien nach Zeichnungen des Malers Ludwig Choris, Die Andere Bibliothek, 526 Seiten, 79,00 Euro

Chamisso, der Autor von "Peter Schlemihls wundersame Geschichte", war nicht nur Dichter, sondern auch Naturwissenschaftler und - weniger bekannt - Weltreisender. 1836 veröffentlichte das reisefreudige Multitalent zwischen Aufklärung und Romantik seine Aufzeichnungen, die er während einer waghalsigen Weltumseglung auf einem russischen Expeditionsschiff niederschrieb. Begleitet wurde er von dem Maler Ludwig Choris. "Reise um die Welt" war Chamissos letztes Werk - nun erstmalig publiziert mit allen 150 Lithografien des Naturzeichners Choris. Ein prächtiges Buch über die Faszination der außereuropäischen Welt.

Tanya Lieske empfiehlt:
Maryrose Wood: "Das Geheimnis von Ashton Place"
Band 1: "Aller Anfang ist wild", Band 2: "Die Jagd ist eröffnet", aus dem Amerikanischen übersetzt von Eva Plorin, Thienemann Verlag, 336 Seiten gebunden, 12,95 Euro

Die verrückteste Nanny seit Mary Poppins. Penelope Lumley ist erst 15, als sie ihre Stelle als Hauslehrerin in dem mysteriösen Haus "Ashton Place" antritt, wo sie sich vor (fast) unmöglichen Aufgaben findet. Es gilt, aus drei Wolfskindern artige Sprösslinge der High Society zu machen. Im zweiten Band verschwindet der Hausherr Lord Ashton wieder bei Vollmond, Penelope muss stumpfe Kräuterpaste auf ihr Haar auftragen und sie macht die Bekanntschaft eines jungen Dramatikers mit genialischen Zügen.

Mit viel Witz und Tempo belebt Maryrose Wood das Genre des Gouvernantenromans. Für Leser ab zehn, alle Erziehungsberechtigten werden mitlachen.

Benjamin Lacombe, Sebastien Pérez: "Das Elfen-Bestimmungsbuch"
Aus dem Französischen übersetzt von Edmund Jacoby, Jacoby & Stuart, 64 Seiten gebunden, 35,00 Euro

Die schönsten Elfen, endlich klassifiziert. Im Jahr 1914 forscht ein junger, russischer Gelehrter in einem Wald in der Bretagne, sein Auftrag: ein Unsterblichkeitselixier für Rasputin. Alexander Bogdanowitsch entdeckt winzige Wesen, die noch nicht von Carl Linné erfasst sind. Eine wundersame Welt tut sich ihm auf, die Welt der keltischen Elfen. Wird Alexander Bogdanowitsch die Rückkehr in seine Heimat gelingen oder wird er sich in den betörend leuchtenden Illustrationen des jungen französischen Künstlers Benjamin Lacombe verlieren?

Eine märchenhafte Antwort auf den Forscherroman des 19. Jahrhunderts. Für Leser ab acht Jahren.

Denis Scheck empfiehlt:

James Tiptree Jr.: "Zu einem Preis"
Deutsch von Christiane Schott-Hagedorn, Frank Böhmert, Michael Preissl und Sebastian Wohlfeil, Septime Verlag, 544 Seiten, 23,30 Euro

James Tiptree Jr. ist die weibliche Antwort der amerikanischen Literatur auf Ernest Hemingway. In diesem Erzählungsband erzählt Tiptree etwa von einer Welt, in der die Männer in einem Anfall epidemieartiger, globaler Raserei die Frauen einfach umbringen und der Vatikan auf diesen "Femizid" mit wohlwollendem Verständnis reagiert – schließlich sei die Frau nur als "zeitweilige Gefährtin des Mannes" konzipiert. Oder sie erzählt von einem jungen Paar von Ballonfahrern, das sich plötzlich vor die Alternative gestellt sieht, ein Leben als Laborratten für Außerirdische zu führen oder den Tod zu wählen.

Frank Jacobs: "Seltsame Karten"
Deutsch von Matthias Müller, Liebeskind Verlag, 127 Seiten, 29,80 Euro

Dieses Buch ist eine vergnügliche Anleitung zum Kartenlesen. Frank Jacobs ist durch seinen von der "New York Times" populär gemachten Blog bekannt geworden, in dem der gebürtige Belgier sein Hobby als Sammler von Landkarten unterhaltsam aufbereitet. Dass schiere Wissensvermittlung Glück bedeuten kann, erfährt man beim Blättern durch diesen Bildband: Wie stellten sich deutsche Chauvinisten Europa nach einem Sieg im Ersten Weltkrieg vor? Worin liegt die Schönheit der Minard-Karte, die Napoleons Russlandfeldzug darstellt? Wo liegt Kapitän Nemos Nautillus begraben? Jacobs Buch ist ein Schatz, seine Lektüre bereichert.

Hajo Steinert empfiehlt:

Christiane Colloria u. a. (Hrsg.): "Erzählerstimmen. Die Bibliothek der Autoren"
183 Autorinnen & Autoren, 100 Jahre Erzählung im Originalton, 44 Audio-CDs, Laufzeit 3.380 Minuten, Hörverlag, 149,99 Euro

Mit den frühesten Aufnahmen von Sigmund Freud, Arthur Schmitzler, Erst Toller und Gerhard Hauptmann beginnt die epochale Jahrhundert-Stimmen-Sammlung. Es folgen Originaltöne von jedem, der Rang und Namen hat in der deutschen Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Von Hermann Hesse, Thomas Mann, Heimito von Doderer, Thomas Bernhard, Peter Handke, Martin Walser, Ilse Aichinger, Marie Luise Kaschnitz und fast 200 weiteren Autorinnen und Autoren. Endlich weiß man nicht nur, wie sie geschrieben haben, sondern auch wie sie klangen. Aufregender als fünf Hörspiele zusammen!

Barbara Schäfer (Hrsg.): "Mission Moderne"
Wienand Verlag, 648 Seiten, 49,90 Euro

Im Jahre 1912 fand in Köln die legendär geworden Sonderbundaustellung statt. Das Neueste vom Neuen von 170 Künstlern mit über 600 Exponaten wurde gezeigt. Darunter Cézanne, Gauguin, Munch, die Vertreter der "Brücke" und des "Blauen Reiters". Die "Jahrhundertschau" erntete damals ebensoviel Bewunderung wie Ablehnung. Dass konservative Geister des lokalen Feuilletons das große Vorbild Van Gogh als einen "Künstler kleineren Stils" abtaten, verwundert heute ebenso, wie die Reserven gegenüber Kandinskys "ergebnislose Farbimprovisationen".

Der Katalog dokumentiert anlässlich einer aktuellen Ausstellung in Köln das spannende Ereignis in Wort und Bild anschaulich und ausführlich.

Hubert Winkels empfiehlt:

Ulf Erdmann Ziegler: "Nichts Weisses"
Roman, Suhrkamp Vl., 259 Seiten, 19,99 Euro

Der als Kunstkritiker bekannt gewordene Ulf Erdmann Ziegler versucht sich in seinem zweiten Roman an einer Geschichte der Werbung, gespiegelt in der Entwicklung der Schrift und der Typografie, im Deutschland der Nachkriegszeit. Er bettet die Motive ein in eine Familiengeschichte, die von einer modernistischen Neusser Architektur über eine erfolgreiche Düsseldorfer Werbeagentur und eine Nördlinger Druckerei über die Universität in Kassel, eine Agentur in Paris bis hin zu IBM in den USA verfolgt wird.

Ein riesiges Reich der Kommunikation, der Medien und der Gestaltung wird durchmessen. So ambitioniert wie klug und fesselnd.

Art Spiegelman: "MetaMaus"
S. Fischer Vl., 302 Seiten + DVD, 34 Euro

In diesem Band, der auch als Begleiter einer großen "Art Spiegelman Retrospektive" im Museum Ludwig in Köln (bis 6.1.13) taugt, rekonstruiert der Autor und Zeichner Art Spiegelman die 13 Jahre, der er braucht, um seine weltberühmten Graphic Novels "Maus 1" und "Maus 2" zu erarbeiten und auch durchzusetzen.

Es ist die gezeichnete Geschichte der Schrecknisse der eigenen Familie im Holocaust. In der Verbindung von Sujet und Medium ein Novum. Der vorliegende Band zeigt einen philosophisch reflektierten Intellektuellen bei der Arbeit und offenbart, dass allein der Umgang mit einem Medium, mit einer Gattung, einem Stil und so weiter über die Qualität entscheidet, niemals das Mittel als solches.