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StartseiteDeutschland heuteKein Kneipensterben durch Rauchverbot02.07.2018

Zehn Jahre NichtraucherschutzgesetzKein Kneipensterben durch Rauchverbot

Vor zehn Jahren trat in Nordrhein-Westfalen das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft. Gastwirte fürchteten um ihre Existenz, einer zog bis vor das Bundesverfassungsgericht - das ließ seine Klage aber nicht mal zu. Die zurückgehende Zahl der Raucher fand sich schnell damit ab, vor die Tür gehen zu müssen.

Von Andrea Groß

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(picture-alliance / afp / Henrik Josef Boerge)
Lieber abends auf der Straße, denn da ist Rauchen noch erlaubt (picture-alliance / afp / Henrik Josef Boerge)
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Das Drübbelken ist in Recklinghausen eine Institution. In der Nachbarschaft kamen und gingen Edel-Pommesbuden und Shisha-Bars, das Restaurant gegenüber wechselte sein Angebot von Gutbürgerlich auf Italienisch und später auf Japanisch. Im Drübbelken sieht es noch so aus, wie vor 30 Jahren: Holzvertäfelung, ein wuchtiger Büffetschrank hinter dem Tresen, Butzenfenster und Bistrobestuhlung. Als das Rauchverbot kam, erzählt Besitzer Daniel Hageleit, sei die Theke erst einmal wie leer gefegt gewesen.

"Absolut. Und wir hatten wirklich monatelang damit zu kämpfen, hier den Betrieb aufrecht zu erhalten. Haben dann aber gemerkt: Mensch, wir können doch mehrgleisig fahren. Und haben den Restaurantbetrieb gestärkt."

Zum Rauchen vor die Tür

Mittlerweile ist die Theke abends wieder voll mit Leuten, die vorbeikommen, um ein Feierabendbier zu trinken. Zum Rauchen muss man vor die Tür. Dort hat Daniel Hageleit ein kleines Klapptischchen anbringen lassen - für die Aschenbecher. Es gibt dort keinen Unterstand und im Winter kann das sehr ungemütlich sein. Das macht der Gelegenheitsraucherin Linda aber überhaupt nichts aus.

"Ich freue mich, wenn ich die Geselligkeit mitnehmen kann und man gemeinsam eine rauchen geht. Das ist immer so der besondere Moment, draußen zu stehen. Also ich finde das eigentlich eine positive Lösung."

Qualm in Haaren und Kleidung

Linda hat selbst im Drübbelken gekellnert, als dort noch dicke Luft herrschte. Eine Rückkehr in diese Zeiten, in denen der Qualm in die Haare und die Kleidung zog, wünscht sie weder den Gästen, noch ihren Kollegen. Sie rauche weniger, wenn sie vor die Tür müsse, sagt die Freundin Petra. Das sei definitiv besser für die Gesundheit. Und außerdem…

"Jetzt können ja auch meine Kinder mal mitkommen am Nachmittag, wenn es eben nicht verraucht ist. Da finde ich das schon viel angenehmer. Und meine Kinder hätte ich nicht in den verrauchten Raum mitgenommen."

Keine Zahlen über Rauchverbot-Folgen für Kneipen

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, dehoga, hatte ein großes Kneipensterben befürchtet, als das Nichtraucherschutzgesetz eingeführt wurde. Tatsächlich hatten bei einer Umfrage ein Jahr später mehr als 80 Prozent der Schank- und Tanzbetriebe und mehr als 40 Prozent der Restaurants angegeben, deswegen unter Umsatzeinbußen zu leiden. 13 Prozent hatten aber auch von steigenden Umsätzen berichtet. Wie viele Kneipen aber tatsächlich wegen des Rauchverbots dicht gemacht haben, darüber legt der dehoga keine Zahlen vor. Das Geschäftsmodell der Eckkneipe - sagt Sprecher Thorsten Hellwig - stand nämlich schon vor zehn Jahren auf sehr wackeligen Füßen.

"Das hat verschiedene Gründe. Unter anderem, dass sich die Gästeerwartungen im Lauf der letzten Jahrzehnte deutlich geändert haben. Das normale Kneipenangebot hat einfach nicht mehr ausgereicht. Allerdings muss man sagen, dass die Einführung des absoluten Rauchverbots dazu geführt hat, dass dieser Prozess gesetzlich bedingt deutlich beschleunigt worden ist."

Mehr Lärmbelästigung für Anwohner

Die zurückgehende Zahl der Raucher hat sich damit abgefunden, vor die Tür gehen zu müssen. Das hat allerdings zu mehr Lärmbelästigung für Anwohner geführt, die deswegen auch vor Gericht ziehen. Das Drübbelken in Recklinghausen ist davon bisher verschont geblieben. Wir haben aber auch sehr pflegeleichte Nachbarn, sagt Inhaber Daniel Hageleit.

"Derjenige, der hier hinzieht, weiß eigentlich, dass er - zumindest im Sommer - ein bisschen was mit Lärm zu tun hat. In anderen Bereichen der Stadt gab es sicherlich auch schon Probleme."

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