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Zeit der Abrechnung

Jedes Jahr am Ende des Semesters ist es soweit: Da sagen die Studierenden ihren Professoren die Meinung. Zwar nicht direkt ins Gesicht, sondern auf so genannten Evaluationsbögen, die in den letzten Stunden vor Ferienbeginn an die Studenten verteilt werden. Doch bringt diese Umfrage überhaupt etwas?

Von Britta Mersch |
    " Wir haben die in Afrikanistik bekommen, da hieß es dann, Afrikanistik und Skandinavistik werden jetzt evaluiert und im Institut fanden das alle gar nicht so cool und keiner war davon begeistert. "

    Die 23-jährige Andrea kennt das Prozedere schon: Zum Semesterende bekommt sie in vielen Veranstaltungen einen so genannten Evaluationsbogen in die Hand gedrückt. Mit diesem soll sie beurteilen, ob der Inhalt der Veranstaltung verständlich war und ob Folien oder Beamer sinnvoll zum Einsatz gekommen sind. Die Afrikanistik-Studentin Andrea ist skeptisch:

    " Ich finde die Bögen auch ehrlich gesagt nicht so gut, weil ich nicht glaube, dass die wirklich dazu helfen können, die Lehre zu verbessern, so wie die konzipiert sind und da sind zum Teil Fragen drin, da muss man bewerten, wie Mitstudenten Referate halten, ob das gut oder schlecht ist und das finde ich nicht so toll, ehrlich gesagt. "

    Trotzdem gehören die Bögen an vielen Instituten zum Pflichtprogramm. Die Evaluation in jedem Semester soll den Fachbereichen dabei helfen, Standards in der Lehre zu sichern. Und sie leisten dabei eine Menge: Allein die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Köln evaluierte im letzten Sommersemester 48 Lehrveranstaltungen mit fast 2000 Studierenden. Der Mathematikprofessor Stefan Kebekus ist für die Qualitätssicherung der Lehre verantwortlich.

    " Das sind für unsere große Fakultät sehr viele Vorlesungen, ist doch ein erheblicher Arbeitsaufwand und die Ergebnisse werden dann in einem Bericht zusammengefasst. Es wird aber auch jeder Dozent einzeln über die Ergebnisse seiner Vorlesung informiert. Quasi über seine persönliche Leistung oder über die Zufriedenheit der Studenten in seiner Vorlesung. "

    Und oft sind es schon Kleinigkeiten, die die Lehre massiv verbessern können. Etwa der Tipp, dass Professoren bei Vorlesungen vor 200 Personen vielleicht wirklich ein Mikrofon benutzen sollten. Dabei ist die Qualitätssicherung erst in den letzten Jahren in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz.

    " Es ist sicherlich so, dass in den Hochschulen die Qualität der Lehre und die Steigerung der Qualität der Lehre ein großes Thema ist und in den meisten Hochschulen ist es auch an der Tagesordnung, dass Evaluationen der Lehre vorgenommen werden, sowohl externe als auch interne Evaluationen, also extern, dass man Fachleute hinzuzieht, die sich den Lehrbetrieb in einem bestimmten Studiengang oder in einem bestimmten Fach genauer anschauen. "

    Diese externen Gutachter prüfen, ob die Studiengänge gut strukturiert sind. Schließlich müssen die Studenten mit der Einführung der neuen Bachelor- und Master-Abschlüsse zunehmend darauf achten, ihr Studium straff zu organisieren. Obwohl die Hochschulen viel Zeit und Geld in die Verbesserung der Lehre investieren, haben viele Studenten das Gefühl, dass sich nicht wirklich etwas tut. Deswegen haben sie ein eigenes Forum ins Leben gerufen. Auf der Internetseite "MeinProf.de" können Studenten ihren Professoren in den Kategorien "Fairness", "Verständlichkeit" oder "Spaß" Noten geben - und jedermann kann hier nachlesen, wie hoch die Profs denn nun in der Gunst der Studenten stehen. So lange es fair verlaufe, sei gegen die Seite nichts einzuwenden, sagt der Kölner Mathematik-Professor Ulrich Halbritter.

    " Diese Seiten gibt es und die werden auch, soweit ich es weiß, von den Studenten fleißig genutzt. Professoren gucken, glaube ich, eher selten danach. Wäre aber vielleicht auch ganz aufschlussreich, wenn es große Vorlesungen sind. Wenn viele Kommentare da sind, würde ich als Student, der in Prüfungsvorbereitung ist, das durchaus nutzen. "

    Teilweise kann sich ein Blick ins Internet tatsächlich lohnen. Immerhin gibt es mittlerweile über 240.000 Bewertungen zu über 30.000 Kursen in ganz Deutschland. Offenbar freuen sich viele Studenten, ihren Professoren endlich einmal die Meinung sagen zu können. Und die muss gar nicht unbedingt negativ sein, sagt der Mathematik-Professor Stefan Kebekus, der in den Evaluationsbögen auch schon mal herzerfrischende Anmerkungen von seinen Studenten findet.

    " Auf jeden Fall! Wir bekommen auch Kommentare wie "Professor Kebekus ist so knuddelig." Habe ich bekommen. "