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Zelt mit Solaranlage

Freizeit. - Wahrhaft ungebundenes Camping machen Zelte möglich, die mit Solarzellen ausgestattet sind. Mit nur zweien läßt sich eine Lampe betreiben und bei guter Sonneneinstrahlung kann man sogar den Handy-Akku wieder aufladen. Auf der Freizeitmesse "Outdoor 2005" wurden solche Entwicklungen präsentiert.

    Auf den ersten Blick fällt an dem igluförmigen Zelt nichts ungewöhnliches auf. Allerdings hat es zwei dunkle Flecken auf der Zeltwand. "Das sind DIN-A-4- große Solarzellen, die in Reihe geschalten werden und den Strom für eine Lampe, die im Zelt angebracht ist, produzieren", erklärt Bernhard Schnaus, Outdoor-Tüftler aus München. Schnaus hat handelsübliche Siliziumzellen verwendet und sie mit Klettstreifen am Zeltdach befestigt. Ein Kabelsystem, das fest an der Zeltbahn befestigt ist, verbindet die Silizium-Zellen mit einem Akku im Zeltinneren. Er wiegt etwa drei Kilo und hat eine Leistung von 60 Watt. Die ins Zelt integrierte LED-Lampe läßt sich mit dem voll aufgeladenen Akku sechs Tage lang betreiben. Bei permanenter Sonneneinstrahlung kann die Solaranlage zum Aufladen eines Handy-Akkus verwendet werden. Schnaus: "Eine komplette Akku-Nachladung dauert zwei Stunden bei Sonne. Ich kann aber gleichzeitig die Batterien für die Digitalkamera aufladen." Das dauert pro Stück etwa eine Stunde.

    Zielgruppe sind weniger Puristen unter den Bergsteigern und Trekking-Touristen. Schnaus zielt eher auf Wissenschaftler, die mit den Solarzellen einige Geräte betreiben können. Sogar ein Laptop könnte mit der entsprechenden Zahl von Solarzellen laufen. Damit das Solarzelt aber tatsächlich verstärkt bei wissenschaftlichen Expeditionen zur Anwendung kommt, bedarf es noch einer Fülle von Verbesserungen. Das weiß auch Bernhard Schnaus. Er betrachtet sein Solarzelt deshalb als Projektstudie. Bei der Integration der Silizium-Zellen in das Zeltgewerbe und beim Akku sieht er für die nächsten Monate noch ernormen Entwicklungsbedarf. Schnaus: "Es wird noch zwei, drei Jahre dauern, bis ich die Solareinheit direkt in den Zeltstoff einbringen kann, so daß die Solarzelle beim Zusammenpacken des Zeltes auch auf dem Gewebe bleiben kann." Auch gibt es inzwischen leichtere Polymer-Akkus als den derzeit verwendeten Blei-Gel-Akku. , der drei Kilo wiegt. "Die haben aber derzeit noch nicht die Leistungskapazitäten, die wir brauchen", so Schnaus. In ein bis zwei Jahren hofft er, daß das Akku-Gewicht auf die Hälfte gesunken ist, in weiteren drei Jahren soll es auf ein Sechstel gesunken sein.

    [Quelle: Thomas Wagner]