Mittwoch, 08. Dezember 2021

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Zivil-Putsch an den HochschulenWie das Erdogan-Regime das türkische Wissenschaftssystem drangsaliert

Schon vor dem Putsch-Versuch am vergangenen Wochenende galten die türkischen Hochschulen als eine der letzten Bastionen der Kritik an Präsident Erdogan und seiner AKP. Jetzt bekommen sie die volle Härte des Systems zu spüren: Das Bildungsministerium hat 15.000 Beamte vom Dienst suspendiert, alle Dekane wurden gezwungen, zurückzutreten.

Moderation: Manfred Götzke | 23.07.2016

Ein junger Mann sitzt auf einer Statue für Sultan Mehmed II im Sarachane-Park von Istanbul während einer Demonstration für den türkischen Präsidenten Erdogan am 19.7.2016.
Nach dem Putschversuch zeigt sich die Türkei als ein gespaltenes Land. (AFP / Aris Messins)
Außerdem hat die Regierung eine Ausreisesperre für alle Akademiker verhängt, wer sich als Forscher im Ausland befindet, wird aufgefordert, unverzüglich in die Türkei zurückzukehren. Die Forschungsfreiheit wird in der Türkei schon seit den Gezi-Protesten mehr und mehr eingeschränkt. Jetzt geht es für die türkischen Wissenschaftler um die Existenz. Die Philipp-Schwartz-Initiative für verfolgte Forscher hatte bereits vor den aktuellen Ereignissen sieben türkische Forscher in Deutschland aufgenommen - es könnten bald weitaus mehr werden.
"Campus & Karriere" fragte: Wie erleben türkische Forscher die "Säuberungswelle" an den Hochschulen? Wie gehen türkische Akademiker mit dem Ausreiseverbot um? Wie viel Spielraum für Forschungsfreiheit ist überhaupt noch gegeben? Und: Was bedeutet die Situation für deutsche Forschungskooperationen mit der Türkei?
Gesprächsgäste:
  • Prof. Dilek Dizdar, Translationswissenschaftlerin an der Uni Mainz
  • Prof. Bülent Küçük, Soziologe an der Bogaziçi University Istanbul
  • Prof. Silvia von Steinsdorff, Demokratieforscherin an der HU-Berlin
  • Dorothea Rüland, Generalsekretärin des DAAD
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Eine Sendung mit Hörerbeteiligung über Telefon 00800 - 44 64 44 64 oder per Mail an campus@deutschlandfunk.de