
New York ist toll, doch man muss sich das Leben dort auch leisten können: Mit dieser Botschaft hat es Zohran Mamdani zum Bürgermeister von New York geschafft. Der 34 Jahre alte US-Demokrat traf offensichtlich einen Nerv, er gewann die Wahl Anfang November 2025 mit deutlichem Vorsprung. Seit dem ersten Januar 2026 ist er nun auch offiziell im Amt. Nach einer Umfrage sind 66 Prozent der New Yorker der Meinung, dass Mamdani ihrer Stadt guttun wird.
Mamdani gilt als Gegenentwurf zu Präsident Donald Trump, der ihn während des Bürgermeisterwahlkampfs unter anderem als „kommunistischen Verrückten“ bezeichnet hatte. Mamdani ist der erste Muslim und der erste „demokratische Sozialist“ im Rathaus der Millionenmetropole. In seiner eigenen Partei weckt er sowohl Hoffnungen als auch Zweifel. Wer ist der Mann, der mit einem linken Programm New York verändern will?
Zohran Mamdani will New York sozial umbauen
Mamdanis Agenda ist für amerikanische Verhältnisse sehr links: Er will 200.000 bezahlbare Wohnungen bauen lassen sowie eine Mietpreisbremse, Gratis-Busverkehr und kostenlose Kinderbetreuung einführen. Außerdem schlägt er städtisch betriebene Supermärkte vor, die günstige Lebensmittel für alle anbieten sollen. Bezahlt werden sollen die Pläne durch höhere Steuern für Unternehmen und vermögende Bürger.
Vom Nobody zum Hoffnungsträger wurde der in Uganda als Sohn indischstämmiger Eltern geborene Mamdani, als er im Juni 2025 überraschend die Vorwahlen der Demokraten für das Bürgermeisteramt gewann. Er setzte sich unter anderem gegen Ex-Gouverneur Andrew Cuomo durch.
Demokratischer Sozialist mit Millionenreichweite
Mamdanis Erfolgsgeheimnis liege darin, aus aktivem Zuhören und gezielten Umfragen konkrete politische Forderungen abzuleiten, meint der Journalist und Buchautor Lukas Hermsmeier („Uprising: Amerikas neue Linke“): „Er und sein Team haben verstanden, was die drängendsten Probleme der New Yorker sind.“ Der 34-Jährige sei zudem ein „ungewöhnlich guter Kommunikator“, sowohl im Gespräch mit der Wählerschaft als auch auf Social Media. Allein auf Instagram hat er elf Millionen Follower.
Im Wahlkampf konnte Mamdani auf rund 75.000 Freiwillige zählen. Für viele ist er der Anti-Trump: Der Muslim wohnt mit seiner syrisch-stämmigen Ehefrau im multi-ethnischen Viertel Astoria im Stadtbezirk Queens. Er hat versprochen, die massenweise Abschiebung von Migranten ohne gültige Papiere zu stoppen.
Mamdanis Verhältnis zu Donald Trump
Der aus New York stammende US-Präsident Donald Trump wollte einen Sieg Mamdanis unbedingt verhindern und hatte angekündigt, der Stadt alle Bundesmittel zu streichen, sollte der Muslim Bürgermeister werden. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump, er werde es nicht zulassen, dass „dieser kommunistische Verrückte New York zerstört“. Laut US-Medienberichten drohte Trump sogar damit, Mamdani verhaften zu lassen, sollte sich dieser seiner Abschiebepolitik widersetzen.
Doch dann lud Trump Mamdani ins Weiße Haus ein und war plötzlich voll des Lobes für den frischgebackenen Wahlsieger. Er sei sich mit dem 34-Jährigen in viel mehr Dingen einig, als er gedacht habe, so Trump. Er werde Mamdani unterstützen, ein großartiger Bürgermeister zu werden. Mamdani ergänzte, er wolle die hohen Lebenshaltungskosten für die New Yorker senken. Das sei auch ein Anliegen vieler Trump-Wähler, mit denen er gesprochen habe.
Zögerliche Rückendeckung der Demokraten
Was die überraschende Kehrtwende im Verhältnis der beiden Politiker für die Zukunft bedeutet, ist unklar. Auch wie groß der Rückhalt für Mamdani in der eigenen Partei ist, wird sich noch zeigen müssen. Wegen seiner relativ geringen politischen Erfahrung und seines linken Sozialprogramms wurde er von der Führungsriege der Demokraten zunächst eher zögerlich unterstützt.
Lange waren der unabhängige Senator Bernie Sanders und die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, beide vom linken Parteiflügel, die prominentesten Namen an seiner Seite. Erst wenige Tage vor der Wahl am 4. November gab ihm der Minderheitenführer der Demokraten im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, öffentlich Rückendeckung. „In letzter Minute“, titelte die „New York Times“.
Hoffnung und Skepsis nah beieinander
So steht momentan in den Sternen, ob Mamdani auch zu einem der Hoffnungsträger der Demokraten werden kann, ob sein Sieg in New York auch ein Hinweis auf die künftige Ausrichtung der Partei ist. Der US-Experte Josef Braml sieht in ihm sogar eine Gefahr für die Demokraten. „New York ist nicht der Rest der USA“, sagt Braml. Mamdani habe einen radikalen Wahlkampf geführt wie Trump – „nur ob diese Radikalität wirklich dem Land guttut, das wage ich zu bezweifeln“.
In New York mag Mamdani populär sein, doch es gibt es auch Skepsis und Widerstand gegen den politisch unerfahrenen Linken, der die Reichen besteuern will. Laut US-Journalist Ross Barkan ist es durchaus möglich, dass sich die Machteliten gegen ihn verbünden. Mamdani werde darauf „aber sicher eine angemessene Antwort finden und immer wieder seine Basis mobilisieren“, sagt Barkan: „Es wird spannend. Wir hatten so eine Dynamik noch nie in New York.“
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