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Zoologie
Zwerghonigbienen schützen Nest durch Vorhang

Die in Asien beheimateten Zwerghonigbienen leben nicht in Baumhöhlen, sondern im Freien. Wie sie sich vor den Elementen und Fressfeinden schützen, hat ein deutscher Wissenschaftler im Centre for Biological Studies im indischen Bangalore jetzt genauer erforscht.

Von Joachim Budde | 18.08.2014

    In einem Baum auf dem Campus des Centre for Biological Studies im indischen Bangalore hängt eine Traube Zwerghonigbienen. Unter mehreren Schichten der Insekten verbirgt sich ihr Nest, sagt Axel Brockmann, der in Bangalore forscht:
    "Die nisten nicht in einem Baum oder in einer Höhle, sondern produzieren eine Wabe und nisten außerhalb. Und die Krone der Wabe ist quasi um einen Ast gewickelt, die Wabe hängt dann von diesem Ast herunter. Die Arbeiterinnen bilden dann einen Schutzvorhang, der die Wabe und auch die Brut schützt vor Regen, Kälte, Sonneneinfluss, aber auch vor Prädatoren."
    Vorhang aus zwei Schichten
    Der Vorhang bei den indischen Bienen hängt in einem kleinen Abstand zur Wabe und besteht aus zwei Schichten: Innen bilden die Arbeiterinnen lange senkrechte Ketten.
    "Und dann eine äußere Hülle, die vielleicht zwei, drei Bienen dick ist, die eher wie ein Netz ist. Und dieses Netz davor ist eben so gestaltet, dass die Bienen alle den Kopf nach oben, Abdomen nach unten ineinander nebeneinander und übereinander angeordnet sind und es so wie ein Dach funktioniert, das heißt, sie können sich ganz eng stellen, wenn es Regen gibt, sodass der Regen einfach abtropft."
    Axel Brockmann vermutete, dass bei den Zwerghonigbienen die Arbeiterinnen im Bienenvorhang eine eigene Kaste bilden am Übergang zwischen den beiden von heimischen Honigbienen bekannten. Bei denen gehören die Arbeiterinnen die ersten drei Wochen ihres Lebens den Ammenbienen an, die alle Aufgaben im Stock erledigen, danach fliegen sie aus und gehören zur Kaste der Sammlerinnen.
    Um herauszufinden, was für Bienen im Vorhang Dienst verrichten, haben die Forscher einzelne Insekten markiert. Zwei Phänomene konnten sie beobachten:
    "Einmal dass so eine Biene für zwei, drei Stunden an der äußersten Schicht ist, und dann verschwindet sie, und dann kann man vermuten, dass sie vermutlich Nahrung zu sich nimmt und, wenn es kühl ist in der Nacht, sich wieder aufwärmt."
    Viel wichtiger: Die Vorhangbienen rekrutieren sich aus Arbeiterinnen, die auch ganz andere Aufgaben verrichten.
    "Zum Beispiel Sammlerinnen, die den Tag über aktiv sind, sind während des Tages natürlich nicht im Vorhang, aber man sieht sie dann am Abend und in der Nacht im Vorhang."
    Als Kandidatinnen für eine eigene Kaste bleiben die Arbeiterinnen, die zuunterst die Ketten bilden, an denen das Netz aus Bienen hängt. Weil die schwierig zu beobachten sind, will Axel Brockmann jetzt untersuchen, ob bestimmte Gene in ihnen häufiger exprimiert sind als in den Ammen und den Sammlerinnen.
    Inzwischen hat der Forscher aber in einem Aufsatz von 1956 einen Anhaltspunkt dafür gefunden, dass auch die Honigbienen in Europa ab und zu solch einen Vorhang bilden. Wenn die Tiere eine neue Nisthöhle suchen, wartet der größte Teil des Volks in einer Traube an einem Ast, während einzelne Arbeiterinnen suchen.
    "In dem Moment wo sie Schwärmen und als Schwarmtraube am Baum hängen, fangen sie an, diesen Vorhang zu zeigen. Die Idee ist, die dass keine Evolution oder kein Verlust von dem Verhalten da ist, sondern das Verhalten wird einfach nicht gezeigt, weil die Situation, der Kontext nicht vorhanden ist."