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Zu viel Zucker, zu wenig Vitamine

Kinder und Jugendliche sind von Fettleibigkeit besonders häufig betroffen. Das kommt nicht von ungefähr, wie eine Ernährungsstudie ergab.

Von William Vorsatz |
    "Also ich trinke am liebsten Cola, aber wir dürfen nicht immer, nur zu Festen."

    Karim Avoasma ist acht Jahre alt. Seine Eltern passen auf. Denn sie wissen, der Junge kann dem süßen Getränk kaum widerstehen:

    "Weil es einfach schmeckt, weil sie so bröselt, also weil es so blubbert."

    So wie Karim geht es vielen Kindern und Jugendlichen. Sie gieren nach süßen Getränken und bekommen diese allzu oft. So das aktuelle Ergebnis einer Ernährungsstudie von Wissenschaftlern des Robert Koch-Instituts in Berlin zusammen mit der Universität Paderborn. Die Forscher haben drei Jahre lang das Essverhalten von 2500 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 17 Jahren erfasst. Sie analysierten, welche Nährstoffe die Teilnehmer genau aufgenommen haben. Ernährungswissenschaftler Gert Mensink vom Robert Koch-Institut:

    "Sie trinken besonders viel Limonaden, generell, also das sind diese gesüßten Getränke, und Säfte auch. Säfte sind im Prinzip Limonaden vorzuziehen, da sie ja irgendwie Obst auch darstellen. Aber wir empfehlen, wenn man Säfte trinkt, sie verdünnt zu trinken, da man auch, wenn man Säfte trinkt, doch relativ viel auch Zucker aufnimmt."

    So belegen Limonaden und Säfte immerhin den dritten Rang bei der Menge der aufgenommenen Kohlenhydrate. Davor, auf Rang zwei, sind die Süßigkeiten, gleich nach den Getreideprodukten auf Platz eins. Limonaden, Süßigkeiten und süße Getreideprodukte wie Müsliriegel bestehen aber vor allem aus einfachen Zuckern wie Fruchtzucker. Diese werden schnell verdaut und lassen den Blutzuckerspiegel kurzfristig nach oben schnellen. Langfristig kann das eine Diabetes begünstigen. Schnell kommt der nächste Hunger, das führt oft zu Übergewicht, auch weil sich die Kinder und Jugendlichen immer weniger bewegen.

    "Und gleichzeitig ein sehr hoher Konsum von tierischen Lebensmitteln und deshalb auch eine deutliche Überschreitung der Eiweißmengen. Also im Durchschnitt ist die Proteinzufuhr deutlich höher als empfohlen. Das ist jetzt nicht direkt ein großes Risiko, aber das ist wiederum auch oft verbunden mit einer hohen Aufnahme an gesättigten Fettsäuren."

    Die Gefäße können verkalken und das oft bei zu hohem Blutdruck. Langfristig drohen so Herz- und Kreislauferkrankungen bis hin zum Infarkt oder Schlaganfall in späterem Alter. Aber nicht nur das ständige Überangebot an gesättigten Fetten und Zucker ist riskant. Es geht einher mit einem Mangel an Obst und Gemüse. Kinder und Jugendliche essen nur die Hälfte der Mengen, die von Ernährungswissenschaftlern empfohlen werden. Deshalb fehlen ihnen oft bestimmte Mikronährstoffe und Mineralien. Robert-Koch-Ernährungswissenschaftlerin Almut Richter:

    "Das ist zum einen Folat und Vitamin D bei Kindern und Jugendlichen, wo also die mittleren Aufnahmen unterhalb der Empfehlungen liegen, außerdem bei den Sechs- bis Elfjährigen ist die Kalzium- sowie die Vitamin-A- und Vitamin-E-Aufnahme im Mittel zu gering, und bei Mädchen außerdem die Eisenzufuhr."

    Zu wenig Folsäure macht zunächst oft müde, antriebslos und gereizt. Das Wachstum kann gehemmt werden, und die Pubertät verspätet sich. Und der Mangel an nur einem Vitamin kann schon den gesamten Stoffwechsel beinträchtigen.

    "Wir haben auch noch den Fastfood-Konsum mal näher betrachtet und haben da gesehen, dass vor allem die 16- bis 17-jährigen Jungen relativ viel davon verzehren. In den anderen Altersgruppen und bei den Mädchen ist das nicht so bedeutend, aber die Jungen nehmen doch relativ viel Kalorien über Fastfood auf."

    Am liebsten essen sie Pizza. Kindern und Jugendlichen fällt es generell schwer, dem ständigen Überangebot an schmackhaften Nahrungsmitteln zu widerstehen. Um gesund zu bleiben, müssen sie sich energieärmer ernähren und mehr bewegen, empfiehlt die Ernährungsstudie.