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Zufriedene Sternenfreunde

2009 war das Internationale Jahr der Astronomie. Astronomen und andere Sternenbegeisterte haben in Oberhausen Bilanz des zu Ende gehenden Feierjahres gezogen.

Hermann-Michael Hahn im Gespräch mit Gerd Pasch | 09.12.2009

Gerd Pasch: Das Jahr 2009 hat die Kulturorganisation der Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr der Astronomie erklärt. Vor 400 Jahren richtete Galileo erstmals ein Fernrohr gen Himmel und vor 40 Jahren betrat erstmals ein Mensch den Mond. Astronomen aus Deutschland zogen heute im Kulturzentrum Gasometer in der Ruhrgebietsstadt Oberhausen Bilanz der Aktivitäten in unserem Land. Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Hermann-Michael Hahn war unter den Experten. Willkommen jetzt im Studio. Was ist denn bei Ihnen hängen geblieben an Großereignissen und markanten Astroprojekten im Jahr 2009?

Hermann-Michael Hahn: Wir saßen eigentlich im Ort des größten Geschehens, nämlich im Gasometer, wo seit dem April eine Ausstellung läuft: "Sternstunden - Wunder des Sonnensystems". Eine Ausstellung, die mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt vorbereitet worden ist. Da hat es seitdem schon über 400.000 Besucher gegeben. Das ist der absolute Renner auch für die Veranstalter selber gewesen. Damit hat niemand wirklich so gerechnet. Die Ausstellung ist deswegen auch jetzt verlängert worden bis in das Jahre 2010 Ende, um auch an der Aktion Kulturhauptstadt Europas noch teilnehmen zu können. Das war schon wirklich ein Publikumsmagnet. Es gibt sehr viele Veranstaltungen, wo man Astronomie begegnen konnte, wo sie nicht normalerweise hingehört oder anzutreffen ist. Es gab Volksfeste, es gab Feuerwerke zu Ehren der Astronomie, und es gab sogar im Kölner Rosenmontagszug einen Wagen, der sich mit einem astronomischen Thema beschäftigt hat, um die Menschen auf das Jahr der Astronomie aufmerksam zu machen.

Pasch: Wie steht denn Deutschland im Vergleich zu den anderen internationalen Aktionen da?

Hahn: Also wenn man davon ausgeht, dass es insgesamt in diesem Jahr bei uns etwa 40.000 Veranstaltungen mit astronomischem Inhalt gab - wobei man natürlich die Standardveranstaltungen der Planetarien und Sternwarten dazu zählen muss, die sind in diesen 40.000 subsumiert -, dann ist das schon ganz ordentlich. Aber wir haben es zum Beispiel nicht geschafft, die Bundeskanzlerin zu einer solchen Aktion mitzubewegen, anders als das im Amerika der Fall war, wo auch der US-Präsident an einer Aktion teilgenommen hat, wo man vom Rasen des Weißen Hauses aus eine Sternennacht gemacht hat. Das machen bei uns Hörfunkanstalten, aber eben nicht mit der Bundeskanzlerin oder mit Ministern, das muss dann eben auf kleinerer Flamme gebacken werden. Aber ich denke, im internationalen Vergleich waren wir trotzdem ganz gut. Es gab Länder, die haben sehr viel mehr gemacht, auch in den Medien, aber, na ja, man kann nicht alles haben.

Pasch: Welchen nachhaltigen Effekt wird denn das Internationale Jahr der Astronomie hierzulande haben?

Hahn: Die Diskussion Astronomie in der Schule als Schulfach zu haben ist wieder in Gang gekommen. Das war ja in der DDR ein traditionelles Fach, ist dann aber nicht mit übernommen worden, im Gegenteil in Sachsen sogar gestrichen worden vom Lehrplan. Es wird schwierig sein, es als eigenständiges Fach zu etablieren, aber man kann die Astronomie in vielen Bereichen, in vielen Fächern mit zur Belebung des Unterrichtes benutzen. Es ist klar: Astronomie ist sozusagen die Einstiegsdroge für die jungen Leute, um Naturwissenschaft als interessantes Fach zu erleben. Von daher gesehen werden die Anstrengungen da sicherlich weitergehen. Es ist vor allen Dingen aber auch so, dass die, die jetzt miteinander bei der Organisation und Vorbereitung zusammengearbeitet haben, das auch weiterhin tun wollen und die Astronomie zu einer Volksbewegung in unserem Lande werden lassen wollen. Es ist nur die Frage, wie die Medien weiterhin darüber berichten, denn es nützt nichts, wenn die Amateure - die haben einen ganz großen Beitrag dazu geleistet - irgendetwas Tolles anbieten, aber niemand weiß davon.