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StartseiteSport am WochenendeWohin fährt die Formel E?10.04.2021

Zukunft der Elektro-RennserieWohin fährt die Formel E?

Mit dem Beginn der Formel-E-Saison ist die Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Serie wieder entbrannt. Audi und BMW haben ihren Ausstieg zum Ende der Saison angekündigt. Die Reputation ist damit gefährdet. Die Formel 1 stellt zudem mit neuen Ankündigungen das grüne Alleinstellungsmerkmal der E-Serie infrage.

Von Darian Leicher

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Vor dem Formel-E-Rennen auf dem Circuito di Roma, Cockpit von Nyck de Vries, Team Mercedes-EQ. (www.imago-images.de)
Verglichen zu anderen Rennserien ist das Entwicklungspotential in der Formel E beschränkt. (www.imago-images.de)
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Noch surrt die Formel E. Aber wie lange noch? Seit 2014 ist die Serie beständig gewachsen. Der plötzliche Ausstieg von Audi und BMW ist der erste größere Rückschlag – und unerwartet, meint Motorsport-Experte Andreas Richter: "Überraschung ja, schade definitiv auch. Und natürlich auch ein Verlust. Das bedaure ich sehr. Aber auf der anderen Seite: kein Drama."

Trotzdem verliert die Formel E mit Audi und BMW Hersteller, die die Serie seit ihrer Gründung 2014 geprägt haben. Audi will stattdessen einen innovativen Prototyp für die Rallye Dakar entwickeln, so der verantwortliche Pressesprecher Daniel Schuster: "Es geht darum, zu schauen, wie kann der Motorsport bei uns möglichst langfristig und strategisch eine Rolle für die Entwicklung von Technologie aber auch für die Positionierung von Marke und Unternehmen leisten. An dem Punkt, wo wir gerade sind, an dem wir uns im Motorsport neu aufstellen, ist Elektromobilität für Audi nicht mehr Zukunft, sondern Gegenwart."

Formel E diente auch der Entwicklung von Alltagsfahrzeugen 

BMW begründet den Ausstieg ähnlich: Die Möglichkeiten seien ausgeschöpft, Technologie aus der Formel E in Autos für Normalsterbliche zu übertragen. Zum Beispiel nutzt der Konzern in seinen E-Autos für die Straße die gleiche Software wie in der Rennserie. Stellt sich die Frage, wofür es die Formel E überhaupt noch braucht. Richter zieht einen historischen Vergleich: "Die Formel E hat seit Gründung 2014 bis heute und in absehbarer Zukunft eine vergleichbare Funktion, was den Transfer von neuentwickelter Technologie vom Rennsport auf die Straße angeht, wie die Formel 1 seit ihrer Gründung 1950. Sagen wir mal in den 50er-, 60er-, 70er- und auch noch weitgehend in den 80er-Jahren."

Dennoch: Verglichen zu anderen Rennserien ist das Entwicklungspotential in der Formel E beschränkt. So ist die Batterie der Autos Einheitsware. Von einem Zerfall der Rennserie kann aber nicht die Rede sein. Denn neben McLaren haben nach den Scheidungs-Verkündungen weitere Hersteller ihr Interesse an einem Einstieg bekundet, so Richter: "Wenige Wochen darauf hat sich der neu gegründete Stellantis-Konzern öffentlich geäußert, mit einer der etablierten Motorsportmarken Alfa Romeo oder Maserati in die Formel E einsteigen zu wollen."

Formel 1 könnte zu unerwarteter Konkurrenz werden

Seit 2019 und auch noch kommende Saison dabei: Porsche. Carlo Wiggers, Leiter Team Management und Business Relation von Porsche-Motorsport, rechtfertigt die Entscheidung: "Die Formel E bietet ein Umfeld, das nach wie vor für uns und für unsere Geschichte der Elektrifizierung hochattraktiv ist. Wir werden den Weg weitergehen."

Nico Rosberg beim Finale der DTM in Hockenheim 2019 (imago /  Kräling)Nico Rosberg ist dem Motorsport auch nach dem Karriereende verbunden (imago / Kräling)Formel 1 und der Klimaschutz - Nico Rosberg fordert nachhaltigen Motorsport
Die Formel 1 blickt vor dem Neustart in eine ungewisse Zukunft. Es sei wichtig, dass der Motorsport die ganze Mobilitätsbranche in eine grünere Zukunft vorantreibe, sagte der Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg im Dlf. Die Formel 1 habe eine riesige Reichweite und die gelte es zu nutzen.

Konkurrenz kommt jedoch aus unerwarteter Richtung. Die Formel 1 stellt das Alleinstellungsmerkmal der elektrischen Rennserie infrage: Ab 2025 will die Königsklasse des Motorsports mit Verbrennungsmotoren starten, die im Idealfall zu 100 Prozent mit nachhaltigem Kraftstoff betrieben werden. Verliert die Formel E dann ihre Besonderheit? Andreas Richter sagt: "Dann bekommt die Formel E auf jeden Fall harte Konkurrenz. Einfach aufgrund der schieren Größe, Marktmacht und Popularität der Formel 1."

Exklusivitätsanspruch auf vollelektrischen Antrieb

Nichtsdestotrotz sichert eine Lizenz des Internationalen Automobilverbands FIA der E-Serie bis 2039 weltweit exklusiv einen vollelektrischen Antrieb zu. Aber ist die Technologie bis dahin nicht schon längst überholt? "Ob der Antrieb in fünf oder sechs Jahren noch ein vollelektrischer sein wird, wage ich zu bezweifeln. Die Aussagen von Automobilherstellern hören sich relativ eindeutig an, dass der vollelektrische Antrieb auf der Straße im Automobilsport eine Übergangstechnologie darstellt."

Eine Problematik, die das Kernkonzept der Formel E hinterfragt. Eine sinnvolle Lösung könnte eine Symbiose von Formel E und Formel 1 darstellen. Das ist aber noch Zukunftsmusik. Kurzfristig müssen die Verantwortlichen erst einmal ein anderes Problem lösen: das Zuschauer-Desinteresse. Formel E-Rennen sollen eigentlich einen Festivalcharakter in einer Stadt haben – das fällt durch die Corona-Pandemie im Moment weg. Und auf Eurosport haben die Rennen vergangene Saison gerade einmal durchschnittlich 100.000 Menschen verfolgt. Dass hier noch Luft nach oben ist, betont auch Wiggers: "Es ist absolut richtig zu sagen, dass im klassischen TV-Bereich, in den Kernmärkten noch ein Entwicklungspotential da ist, noch mehr Leute zu erreichen. Aber das ist ein Weg, den wir gemeinschaftlich mit der Serie gerade gehen."

Jetzt mit mehr Zuschauern im Fernsehen

So gilt ab dieser Saison ein neuer Fernsehvertrag mit ProSiebenSat 1. Laut dem Motorsport-Magazin hat sich die Zuschauerzahl durch die Übertragung auf Sat.1 bereits am ersten Rennwochenende verfünffacht. Eine strategisch sehr gute und weitreichende Entscheidung, findet Richter: "Eurosport ist ein klasse Sender, aber für die Ziele der Formel E, relativ schnell eine breite Zuschauerbasis zu finden, vermutlich etwas zu klein im Vergleich zu ProSiebenSat.1. Was in den vergangenen Wochen ansonsten für Fernsehverträge zum Beispiel mit der BBC in Großbritannien oder in anderen Märkten wie Asien, Südamerika oder Nordamerika abgeschlossen wurde, geht alles komplett in die richtige Richtung.

Die Formel E scheint also kein zerfallendes Experiment zu sein, sondern weiterhin ein Projekt mit Zukunft. Nur wie genau diese Zukunft aussieht, ist unklar.

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