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StartseiteCampus & KarriereZum Studieren in die Türkei15.02.2008

Zum Studieren in die Türkei

Deutsch-türkische Hochschulkooperationen

Noch immer wird heftig über den Vorschlag des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan, in Deutschland türkische Schulen und Hochschulen einzurichten, diskutiert. Befürchtet wird häufig eine schleichende Islamisierung. Umgekehrt jedoch könnte es schon bald eine deutsche Universität in der Türkei geben.

Von Antje Allroggen

Istanbul mit Brücke über den Bosporus. Hier könnte es bald eine deutsche Universität geben. (AP)
Istanbul mit Brücke über den Bosporus. Hier könnte es bald eine deutsche Universität geben. (AP)

Seit den 1950er Jahren gibt es zwischen deutschen und türkischen Hochschulen Austauschprogramme. Damals unterzeichneten beide Länder ein Kulturabkommen. Die völkerrechtliche Grundlage für eine deutsch-türkische Kooperation im Schul- und Hochschulbereich war damit geschaffen. Seitdem hat der Deutsche Akademische Austauschdienst, DAAD, seine Aktivitäten in der Türkei kontinuierlich ausgebaut, weiß Beate Schindler-Kovats, Leiterin des Referats Türkei beim DAAD:

"Wir haben Austausch in Individualförderprogrammen schon sehr lange, intensiv dann seit den 1990er Jahren vor allen Dingen. Wir haben auch institutionelle Förderung, Förderung über bestimmte Programme, die vor allem die Hochschulen dann betreffen, und unser Lektorenprogramm, was sehr stark ist, das ist in den 1990er Jahren dann auch noch mal angewachsen."

Inzwischen verfügt der DAAD über zehn Lektorate und zwei Informationszentren in Ankara und Istanbul. Darüber hinaus ist der DAAD auch Partnerschaften mit einzelnen Hochschulen eingegangen. Die Kooperation mit der Marmara-Universität in Istanbul etwa besteht bereits seit 1991. Mit deutscher Unterstützung wurden hier die beiden deutschsprachigen Abteilungen für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik aufgebaut. Mehr als neun Millionen Euro ließ sich die deutsche Seite diese Partnerschaft bisher kosten.

Außerdem hat sich der DAAD mit einer Anschubfinanzierung von 500.000 Euro an einem deutsch-türkischen Studiengang im Bereich Sozialwissenschaften beteiligt, der von der Berliner Humboldt-Universität und der Middle-East Technical-University in Ankara entwickelt worden ist:

"Das hat jetzt begonnen mit circa zehn Studierenden auf Englisch in Ankara, soll dann im nächsten Jahr an der Humboldt Universität auf Deutsch weiterlaufen, deshalb ist da auch ’ne starke Sprachkomponente drin. Und der DAAD fördert das im Rahmen des Programms ‚Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland’."

Seit diesem Wintersemester können Studierende sich für den neuen Studiengang mit Doppeldiplom einschreiben. Ein anderes Projekt sieht sogar die Gründung einer deutschen Universität in Istanbul vor. Die Idee liegt allerdings schon 15 Jahre zurück, erinnert sich Christian Bode, DAAD-Generalsekretär:

"Jetzt ist eine ganz andere Dynamik dadurch reingekommen, dass beide Seiten von hoher politischer Warte aus das Projekt von Anfang an stark gefördert haben. Das ist durchaus ein politischer Impuls."

Die Türkei begrüßt das Engagement der Deutschen für dieses Projekt, hat Gülistan Gürbey beobachtet. Sie ist Privatdozentin am Berliner Otto- Suhr-Institut im Fachbereich Politikwissenschaften:

"Grundsätzlich wird das sehr positiv betrachtet. Es soll ja eine türkisch-staatliche Universität sein mit deutscher Beteiligung, es wird aber eine deutsche Universität sein mit deutschen Curricula, es sollen auch die Hochschulkräfte aus Deutschland rübergehen und lehren etc."

Was die Deutschen in Istanbul dürfen, das müsse auch grundsätzlich für die türkische Seite möglich sein. So die Position des DAAD. Christian Bode:

"Von einer türkischen Universität würde ich mir dann allerdings genau wünschen, was wir auch in der Türkei machen wollen: Wir wollen in der Türkei nicht eine deutsche Universität für die deutsche Diaspora machen, sondern für die Türken. Also wenn die Türken hierher kommen, und sie wollen eine türkische Universität für Deutsche und Türken machen, dann ist das in Ordnung. Wenn es eine Art Sonderuniversität, eine Art Ghetto-Universität, nur für die Türkei wäre, die sich dann endgültig aus dem deutschen Hochschulwesen verabschieden könnte, dann wäre das kein guter Beitrag."

Seit 2001 ist die Türkei Mitglied im Bologna-Prozess, außerdem ist eine deutsch-türkische Hochschulkonferenz mit Sitz in Bonn und Ankara geplant. Die Rahmenbedingungen für eine türkische Hochschule in Deutschland sind damit längst geschaffen. Tatsächlich könnte sich schon bald in Goslar ein Ableger einer türkischen wirtschaftswissenschaftlichen Privatuniversität befinden. Mehr als 2500 Studienplätze könnten dadurch geschaffen werden. Allein das Finanzierungsmodell ist noch strittig.

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