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StartseiteKultur heuteTheater muss weh tun28.07.2019

Zum Tod des Choreographen Johann KresnikTheater muss weh tun

Johann Kresnik war Tänzer, Choreograph, Regisseur und bekennender Kommunist. Seine drastischen Inszenierungen waren Pionierleistungen des Tanztheaters, die mit ihren grausamen Bildern die gängige Ballettästhetik konterkarierten, sagt Theaterexperte Michael Laages.

Michael Laages im Gespräch mit Doris Schäfer-Noske

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Choreograf und Regisseur Johann Kresnik ( imago/Kathrin Schubert)
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Der österreichische Choreograph, Tänzer und Regisseur Johann Kresnik ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 79 Jahren in Klagenfurt. Kresnik gilt als Pionier des modernen Tanztheaters. Seine Arbeiten, meint der Theaterexperte Michael Laages, brachen radikal mit der herkömmlichen Ballettästhetik und machten gesellschaftliche Themen zum Zentrum teils drastischer Inszenierungen.

Kresnik wurde 1939 in St. Margarethen in Kärnten als Sohn eines Bergbauern geboren. Er begann seine Laufbahn als Tänzer in Graz und Köln und wechselte dann 1968 in die Choreographie als Ballettmeister in Bremen.

"Wir haben Frauen über die Bühne getragen"

Johann Kresnik sagte über seine frühen Arbeiten: "Damals in der Studentenrevolte, waren wir auf der Bühne noch immer im weißen Trikot und haben Frauen über die Bühne getragen. Mir ging es um die Inhalte. Wenn man die Studentenbewegung sah, da habe ich gemerkt, wie die jungen Leute, die politisch denken und eine Veränderung haben wolle, ihre Körper in den Kampf hauen und schmeißen".

Exakte gesellschaftliche Analysen mit drastischen Mitteln

Es ging immer politisch zu bei Kresnik, erklärt Michael Laages, die bloße Provokation hat ihn nicht interessiert. Seine Arbeiten sind exakte gesellschaftliche Analysen, oft festgemacht an Biografien von Personen, deren Namen zu Titeln der Abende wurden: Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin, Rosa Luxemburg, Ernst Jünger und Hannelore Kohl.

Michael Laages sieht in Kresnik einen zentralen revolutionär des Theaters, indem er es nah an die Gesellschaft brachte und das Publikum mit seinen drastischen Mitteln herausforderte: "Es ist nicht mehr das Ballett, sondern die Entdeckung des Körpers als Material. Die Abende gingen einen wirklich an, dadurch, dass uns der Körper als Teil eines Prozesses von Welt gezeigt wurde."

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