Sonntag, 19. Mai 2024

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Zum Tod von Guido Westerwelle
"Polarisierend, nachdenklich, empathisch"

Sie war jahrelang eine Weggefährtin von Guido Westerwelle: die frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Im DLF bescheinigt die FDP-Politikerin ihrem Parteifreund, dass man ihm in seinen Verdiensten nicht immer gerecht geworden sei - auch wenn man sich mitunter berechtigterweise über ihn geärgert habe.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Gespräch mit Daniel Heinrich | 18.03.2016
    Sabine Leutheusser-Schnarrenberger beim Parteitag der Bayern-FDP am 22.11.2013.
    Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sieht in Guido Westerwelle einen humorvollen und polarisierenden Menschen. (dpa/Daniel Karmann)
    "Guido Westerwelle war ein Meister darin, kurz und prägnant zu argumentieren", sagte Leutheusser-Schnarrenberger. Er habe immer klar Stellung bezogen und damit zwar polarisiert, aber auch zu einer Streitkultur in der Demokratie beigetragen. Immer sei ihm auch das Miteinander wichtig gewesen, auch mit Kollegen aus anderen Fraktionen.
    Zu seinen Aktionen wie der Schuhsohle mit dem 18-Prozent-Aufkleber, dem Guidomobil und dem Auftritt bei Big Brother sagte die FDP-Politikerin, es handle sich um eine zeitlich sehr überschaubare und kurze Phase, in der er Reaktionen habe herausfordern wollen - auch um aus dem gängigen Politbetrieb auszubrechen. Der ernsthafte Politiker Westerwelle sei anders gewesen: nachdenklich und empathisch.
    Die FDP habe ihm insgesamt sehr viel zu verdanken - und sie habe ihn letztlich auch in den Positionen unterstützt, die der Partei auf lange Sicht dann vielleicht geschadet hätten. Hier müsse die Partei sich sagen: Wenn wir wirklich gemeint hätten, dass es schade, dann hätten wir Einhalt gebieten müssen.
    Außenpolitisch bleibe von Westerwelle sicher in Erinnerung, dass er sich etwa im Arabischen Frühling besonders für all jene eingesetzt habe, die wirklich eine Demokratie wollten. Und dass er einen Kurs der militärischen Zurückhaltung vertreten habe, der eine Kontinuität von FDP-Politik wiedergebe.
    Sie können das Interview mindestens sechs Monate in unserem Audio-Archiv nachhören.