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Zum Tod von Harry Glück
Wohnmaschinen mit zufriedenen Bewohnern

Die Wohnbauten des österreichischen Architekten Harry Glück im Wiener Süden sind als Betonburgen verschrien, aber auch Kult. Der Architekt ist nun gestorben - doch seine Gebäude bleiben: "Die Bewohner sind sehr zufrieden, die Wartelisten sind lang", sagte der Architekturkritiker Maik Novotny im DLF. "Das ist vorbildhaft."

Maik Novotny im Gespräch mit Ulrich Biermann | 15.12.2016
    Hochhäuser des Wohnparks Alt-Erlaa (links) und auf dem Wienerberg in Wien
    Hochhäuser des Wohnparks Alt-Erlaa (links) und auf dem Wienerberg in Wien (Imago/ Volker Preußer)
    Zwischen 1973 und 1985 baute Glück die "Burg aus Beton" im Wiener Süden - ein Bau für 9.000 Bewohner, was für eine Idee, was für ein Wagnis! Und das ist nur die Hälfte seiner Wohnungen. Seine Wohnungsbauten wie die Anlage Alt-Erlaa sind auf der einen Seite als Betonburgen verschrien, inzwischen aber auch Kult: riesige Terrassenhäuser, die von der Fortschritts- und Technikgläubigkeit der Nachkriegsjahre künden. Aber auch von der Sehnsucht nach Grün in der Stadt. Nun ist Harry Glück verstorben.
    Schwimmbäder auf dem Dach als Luxus für alle
    "Das Grundbedürfnis der Menschen nach Grün war ihm wichtig", sagt Architekturkritiker Maik Novotny über Harry Glück. Er habe versucht, das in die Stadt hineinzubringen, indem er große Terrassen und Balkone baute, auf denen die Menschen viel anpflanzen konnten. Sodass sie nicht jedes Wochenende mit dem Auto Abgase produzieren und ins Grüne fahren mussten. Auch die Schwimmbäder auf dem Dach seien bis heute sehr beliebt: Ein Luxuselement auf einem Gebäude für 9.000 Bewohner - nach Harry Glücks Ansicht sollte auch das gemeine Volk diesen Luxus haben, erklärte Novotny. Die riesigen Wohnanlagen in Wien seien nicht zu Ghettos geworden, weil dort unterschiedliche soziale Schichten zusammenlebten und sich wohlfühlten.
    Das vollständige Gespräch können Sie sechs Monate lang in unserem Audio-Player nachhören.