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StartseiteCorsoSuperstar der unerreichbaren Hits02.10.2019

Zum Tod von Karel GottSuperstar der unerreichbaren Hits

Er galt als Frank Sinatra des Osten und stand fast 60 Jahre lang auf der Bühne, veröffentlichte mehr als 120 Alben und verkaufte rund 50 Millionen Tonträger: Karel Gott. Bekannt wurde er in der Tschechoslowakei durch Coverversionen westlicher Hits. Karel Gott ist im Alter von 80 Jahren gestorben.

Von Kilian Kirchgeßner

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Karel Gott während seines Konzerts im Juni 2018 in Prag (imago stock&people / CTK / Photo/ Michal Kamary)
Karel Gott ist gestorben (imago stock&people / CTK / Photo/ Michal Kamary)
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Eines Tages steht der einfach auf der Bühne, der junge Mann mit erstaunlichen Stimme und den dunklen Koteletten. Es ist das Jahr 1968. Die sozialistische Tschechoslowakei ist weitgehend abgeschnitten vom Westen der Welt. Nur er, der junge Mann aus dem böhmischen Ort Pilsen, tourt unermüdlich durch Prager Clubs und Cafés und bringt alles das auf die Bühne, wonach die Jugend auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs verrückt ist.

Karel Gott: "Ich durfte singen das, was ich wollte. Jede Nummer aus dem Westen, die mir gefallen hat. Und dadurch, dass ich diese ganze Titel gesungen habe, die die Leute nicht kaufen konnten, war natürlich ein Superstar."

Hungrig nach den Hits aus dem Westen

Seinen Namen hat in Deutschland damals noch niemand gehört: Karel Gott. Zu seinem ersten Auftritt vor Publikum kommt er zufällig bei einem Talentwettbewerb. Die Zuschauer wollten ihn danach nicht mehr von der Bühne lassen. Es sind die 60er-Jahre. Sie alle sind hungrig nach den Hits aus dem unerreichbar fernen Western, die hier im Kommunismus so klingen wie die Verheißung von Abenteuer und Freiheit.

"Wenn ich als Arbeiter in einer Fabrik in Prag ein aktuelles Album haben wollte, kostete das so ungefähr den Wochenlohn in der Fabrik. Ich durfte das singen - in einem Prager Café."

Und alles gesungen in tschechischer Sprache. Mit diesen Auftritten wurde Karel Gott in seiner Heimat zum Phänomen. Er nahm Gesangsunterricht an einem Konservatorium, die Welt der klassischen Musik lockte ihn aber nie. Stattdessen zog er sich Schlaghosen und Pailletten besetzte Hemden an, die ja auf den schwarz gekauften Schallplatten aus Amerika sah und schaffte seinen endgültigen Durchbruch bei einem Konzert im Prager "Luzerner Saal" direkt am Wenzelsplatz.

Rock und Pop als Opium fürs Volk

Viele hundert Fans stehen dicht gedrängt um die Bühne, auf der Karel Gott mitsamt Live Orchester und einer Heerschar von Tänzerinnen den Rock'n'Roll regelrecht zelebriert. Das Regime in der Tschechoslowakei hatte nichts einzuwenden gegen die musikalischen Westimporte - in den 60er-Jahren zeichnete sich schon der Prager Frühling ab. Solange sich das Volk vergnügt, rebelliert es nicht - und Karel Gott verstand es meisterhaft, für diese Vergnügungen zu sorgen.

Innerhalb weniger Jahre sang er sich quer durch sämtliche Stilrichtungen, angefangen vom Rock'n'Roll über den Swing bis hin zu den Hits seines großen Vorbildes Frank Sinatra.

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