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Zum Tod von Wiglaf Droste"Ein enorm leidenschaftlicher und empfindsamer Mensch"

Willi Winkler verlieh ihm in den Ehrentitel "Kurt Tucholsky unserer Tage". Vor dem Sprachwitz von Wiglaf Droste war niemand sicher. Gestern ist Droste im Alter von 57 Jahren gestorben. "Er war ein Beobachter seines Umfeldes", erinnert sich Friedrich Küppersbusch im Dlf.

Friedrich Küppersbusch im Gespräch mit Miriam Zeh | 16.05.2019

Wiglaf Droste trägt Hut und seine Brille steckt zusammengefaltet in seiner Jacke. Er lacht und schaut an der Kamera vorbei.
Wiglaf Droste, verstorben am 16. Mai 2019 (Imago / Hubert Jelinek)
Wie die "Junge Welt" vermeldete, ist Wiglaf Droste am Mittwochabend nach kurzer und schwerer Krankheit gestorben. Der Satriker war bei der Tageszeitung seit 2011 als Kolumnist tätig. Zuvor arbeitete er als Redakteur bei der Berliner "taz" und bei der Satirezeitschrift "Titanic". Seine scharfe Zunge führte zu einigen Zerwürfnissen im Medienbetrieb. Doch "wenn Wiglaf austeilte, wusste man, da steckt auch was dahinter", betont Friedrich Küppersbusch. "Er war ein enorm leidenschaftlicher und empfindsamer Mensch."
Seit 1989 war Droste auch als Buchautor tätig, "der glücklich war, wenn er mit seinen Büchern unterm Arm zu seinem Publikum gehen konnte", so Küppersbusch. Diese andauernden Belastungen, denen er sich immer wieder aussetzte, etwa in Form von ausführlichen Lesereisen, seien auch der Grund für seine Krankheit gewesen. Zuletzt zog Wiglaf Droste von Berlin ins Fränkische und heiratete vor Kurzem. Bis zum letzten Tag war er als Autor äußerst produktiv. "Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses" heißt sein nun zwingend gewordener Band aus dem Jahr 1997.