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StartseiteKulturfragen"Sie ist tatsächlich wahnsinnig lebendig"30.06.2019

Zum zehnten Todestag von Pina Bausch"Sie ist tatsächlich wahnsinnig lebendig"

Zehn Jahre nach dem Tod der Choreografin Pina Bausch ist das von ihr gegründete Tanztheater Wuppertal noch immer eins der berühmtesten Ensembles der Welt. Weil die Stücke ewig seien, sagt die neue Direktorin Bettina Wagner-Bergelt im Dlf - und kündigt trotzdem neue Projekte an.

Bettina Wagner-Bergelt im Gespräch mit Stefan Koldehoff

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Porträt der Tänzerin Pina Bausch. (imago images / Leemage)
Die Choreografin Pina Bausch starb am 30. Juni 2009 im Alter von 68 Jahren. (imago images / Leemage)
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Die Tanz-Kuratorin Bettina Wagner-Bergelt sieht keine Gefahr, dass aus dem geplanten Pina-Bausch-Zentrum im ehemaligen Wuppertaler Schauspielhaus ein Mausoleum für ihre berühmte Vorgängerin werden könnte. Wagner-Bergelt, die seit Januar das Tanztheater Wuppertal als künstlerische Direktorin leitet, sagte im DLF zum zehnten Todestag ihrer Vorgängerin, ihr gehe es zum einen darum, das Werk von Pina Bausch zu erhalten: "Diese Arbeit hat einfach eine wahnsinnige Qualität. Die Stücke aktualisieren sich von selber. Man kann sie spielen, ohne dass man die Entstehung miterlebt hat. Auch historische Stücke können ja spannend sein."

Möglich sei diese Pflege des Repertoirs aber nur mit dem sich immer wieder verjüngenden Wuppertaler Ensemble – weil es Teil der Stücke sei. Das Werk existiere nicht materiell, sondern nur in den Aufführungen der Tänzerinnen und Tänzer. Dazu gebe es aber Tausende von Videoaufzeichnungen und Notizen: "Die Kunst bestand ja darin, dass Pina Bausch aus all diesen Facetten, die ihre Tänzer beigetragen haben, letztlich ein Stück gemacht hat. Diesen Schatz bewahrt die Pina-Bausch-Stiftung auf und stellt es zur Verfügung." 

Keine Mythenbildung

Pina Bausch, die am 30. Juni 2009 gestorben ist, sei nach wie vor der zentrale Bezugspunkt dieser Arbeit, so Wagner Bergelt in den "Kulturfragen": "Sie ist tatsächlich wahnsinnig lebendig. Es gibt keinen Tag, an dem nicht mindestens ein- bis zehnmal ihr Name fällt. Aber das hat überhaupt nichts mit Mythenbildung zu tun. Sie ist einfach sehr präsent, und man fragt sich immer: Wie will man mit diesem Phänomen umgehen? Lässt man das beiseite und sagt, man macht alles neu mit einem ganz neuen Denken?"

Sie habe sich entschieden, so die Choreografin, die vorher das Bayerische Staatsballett in München geleitet hatte, die Arbeit im Geiste ihrer Vorgängerin auch mit neuen Konzepten fortzuführen: "Es ist ganz wichtig, dass man dieses spezielle Ensemble auch aus der Anschauung und aus der Lebensweise denkt, die diese Frau hatte. Bei Pina Bausch ging es eben nicht um Strukturen, da ging es nicht um abstrakten Tanz, da ging es nicht um Experimente. Bei ihr war immer klar: Es geht um Geschichten, um Emotionen, um Gefühle, um Beziehungen zwischen Menschen. Das sollte man ernst nehmen, denn das hat dieses Ensemble geprägt." 

Ort für die Zivilgesellschaft

Schon für die kommende Spielzeit sei deshalb ein Abend mit dem Titel "Encounters – Begegnungen" geplant: "Mit einem Bildenden Künstler und drei Choreografen, die ihre eigenen Tänzer mitbringen – mit ganz anderen Stilen und Nationalitäten." Das vom Bund, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Wuppertal finanzierte "Pina-Bausch-Zentrum" werde deshalb nicht nur ein Aufführungsort auch für Gastspiele und Festivals, sondern auch einer für das Archiv der Pina-Bausch-Stiftung, für Studierende und Wissenschaftler sein, kündigte Wagner-Bergelt an: "Und ein Ort für die Zivilgesellschaft – vergleichbar mit Häusern wie De Singel in Antwerpen oder Kampnagel in Hamburg – nur eben mit festem Ensemble."

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