Sonntag, 21. April 2024

Zukunft der Rundfunksäle
"Der Saal ist mein Freund"

Der Abriss des Hans-Rosbaud-Studios in Baden-Baden ist beschlossen, der BR-Studiobau in München soll folgen. Deutsche Rundfunksäle sind oft schmucklose, funktionale Bauten. Aber im Innern bergen sie Schätze. Was geht hier verloren?

Am Mikrofon: Sylvia Systermans | 31.10.2023
Ein Konzertsaal mit holzvertäfelten Wänden, in dem rote Stühle zu sehen sind sowie eine Bühne, die für ein Orchester ausgestattet ist. Von der Decke hängen Scheinwerfer und Lautsprecherboxen.
Im Großen Sendesaal des RBB sei es möglich, "sofort ein Produkt abzugeben, was so gut ist und so korrekt balanciert, dass es nicht nachgemischt werden muss", sagt der Toningenieur Nikolaus Löwe. (rbb / Gundula Krause)
Hohe Decken und holzvertäfelte Wände, die Schall schlucken oder reflektieren, resonierende Böden und Bühnen aus Holz, Innenwände, die akustisch von Außenwänden entkoppelt sind, schalldichte Türen: Rundfunksäle sind Räume, die eigens für Musikproduktionen und Konzertaufnahmen gebaut wurden.
Instrumente klingen hier besonders klar. Musikerinnen und Musiker hören sich optimal untereinander. Publikum wird von Musik angenehm umhüllt.

Klang-Denkmäler und akustische Visionen

Rundfunksäle haben Geschichte geschrieben, sie waren Propagandazentrale im Nationalsozialismus, Experimentierfeld für die Pioniere der Neuen Musik, Keimzellen der Demokratie. Manche Säle werden selbst bald Geschichte sein. Was zeichnet Aufnahmesäle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus?
Wofür werden sie gebraucht? Und was geht verloren, wenn sie selbst mancherorts verloren gehen?
Ein Gitarrist und eine Perkussionistin musizieren auf einer Bühne vor Publikum. Der Saal ist holzgetäfelt und in bläuliches Licht getaucht.
"So was nennt man eigentlich einen perfekten Saal, weil man so unglaublich leise spielen kann", sagt die Perkussionistin Vivi Vassileva, die im Deutschlandfunk Kammermusiksaal in Köln am 7.12.2022 mit dem Gitarristen Lucas Campara Diniz spielte. (Deutschlandradio / Thomas Kujawinski)
Die Musikszene lädt ein zu einem Streifzug vom Deutschlandfunk Kammermusiksaal und Klaus-von-Bismarck-Saal des WDR in Köln zu einem ehemaligen jüdischen Bethaus in Hamburg, einem vor dem Abriss bewahrten Sendesaal in Bremen, zu den Anfängen des Rundfunks in Berlin bis zu einem Rundfunkstudio in Baden-Baden, bei dem die Bagger bald vor der Tür stehen, und einem von Abrissgegnern umkämpften Studiobau in München.
Ein holzgetäfelter Saal ist in warmes Licht getaucht. Vor der Bühne stehen zwei schwarz glänzende Flügel. Im Hintergrund ist ein abgedecktes Cembalo zu sehen. Die Stuhlreihen sind im Saal sind leer. Von der Decke hängt ein Mikrofon.
Der Sendesaal Bremen bietet eine legendäre Akustik. Peter Schulze hat jahrelang für den Erhalt gekämpft. Heute betreibt der ehemalige Musikchef von Radio Bremen 2 den Sendesaal mit einem Verein. (Rolf Schöllkopf)