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StartseiteCampus & KarriereZurück zum alten Abitur25.06.2013

Zurück zum alten Abitur

Pro G9 - breites Bündnis kämpft in Hessen für längere Gymnasialzeit

In Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen kämpfen Eltern und Bürgerbündnisse gegen das Turbo-Abitur. In Hessen haben die G8-Gegner erreicht, dass die schwarz-gelbe Landesregierung den Gymnasien ermöglicht, zum Abitur nach neun Jahren zurückzukehren.

Von Anke Petermann

Ein bisschen Glück brauchen alle Abiturienten - egal ob sie nach 12 oder 13 Jahren Abitur machen (picture alliance / dpa / Christine Koenig)
Ein bisschen Glück brauchen alle Abiturienten - egal ob sie nach 12 oder 13 Jahren Abitur machen (picture alliance / dpa / Christine Koenig)
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39 von 107 Gymnasien wollen davon im kommenden Schuljahr Gebrauch machen. Elf bieten in einem Schulversuch G8 und G9 parallel an. Die liberale Kultusministerin Nicola Beer erwartete sich von der ersten Rückkehrwelle ein Abflauen des Protests. Doch das Gegenteil ist der Fall. Eltern und Bürgerbündnisse überall im Land finden die Teillösung willkürlich und ungerecht, vor allem dort, wo Schulen von der Rückkehrmöglichkeit nicht Gebrauch machen, wie in Wiesbaden, Kassel und dem Kreis Groß-Gerau. Ein neues Bündnis aus Gewerkschaften, Landesschülervertretung, Elterninitiativen, SPD und Linke macht jetztmobil. Anke Petermann berichtet.

Eigentlich hat die hessische Bürgerbewegung für G9 viel erreicht. In Gießen zum Beispiel kehren zwei von drei Gymnasien zur längeren Schulzeit zurück. Andreas Bartels, Sprecher der Initiative G9-Wahl, hilft dennoch mit, 90.000 Unterschriften zu sammeln. Damit will das Bündnis Pro G9 im Wege einer Volksinitiative einen Gesetzentwurf einbringen, der in Hessen zum Schuljahr 2014/15 die verkürzte Mittelstufe und damit das Turbo-Abitur an Gymnasien und Kooperativen Gesamtschulen flächendeckend aufhebt. Die laufenden Jahrgänge sollen wählen dürfen. Derzeit wird ihnen G8 aufgezwungen, davon ist auch Bartels ältere Tochter betroffen, die im kommenden Schuljahr in die Siebte wechselt.

"Wir hatten in unserer Schule Abstimmungen, da waren ungefähr zwei Drittel der Eltern für G9 und 20 Prozent würden gern G8 machen, der Rest war unentschieden. Das heißt, es hätte perfekt gepasst, eine Klasse G8 zumachen und den Rest künftig nach G9 zu beschulen."

Doch laut geltendem Schulgesetz ist das für die laufenden Turbo-Jahrgänge nicht möglich, auch das will das Bündnis Pro G9 ändern. Mit seinem Schulgesetzentwurf muss sich der Hessische Landtag befassen, wenn das Bündnis innerhalb von einem Jahr 90.000 Unterschriften zusammenbekommt. Formal ist das die erste Hürde für ein Volksbegehren, mit dem man erreichen könnte, dass die Hessen über die Frage des Turboabiturs abstimmen dürfen. Doch das Quorum dafür liegt bei 20 Prozent der Wahlberechtigten, also 900.000 Unterschriften. Nicht zu schaffen, glauben die Initiatoren. Doch mit der Volksinitiative, konstatiert die Landesschülervertretung, steigt der politische Druck auf die schwarzgelbe Landesregierung im Vorfeld der Landtagswahlen im September. Armin Alizadeh, stellvertretender Landesschulsprecher:

"Wir freuen uns, dass es endlich wieder einen ernst zu nehmenden Schritt in die richtige Richtung gibt. Wir haben immer wieder kleinere Vereinigungen, die sich gründen, immer wieder kleinere Demos. Das lässt bei der Landesregierung vielleicht so ein bisschen das Gefühl aufkommen, dass das Thema abklingt. Aber jetzt ist es nicht mehr so. Wir erkennen, es hat sich ein größeres Bündnis entwickelt. Und davon erhoffen wir uns auch, dass wir unser Ziel erreichen, die Anzahl der Unterschriften, 2 Prozent der hessischen Wähler, dazu kriegen. Und wir werden von Schülerseite alles dazu tun, uns vor die Wahllokale stellen am 22. September und sehen, dass die Unterschriften auch erreicht werden."

Am Tag der hessischen Landtagswahl darf das Bündnis mit seiner Unterschriftensammlung bis auf zwanzig Meter heran an die Wahllokale, so haben sich die Initiatoren vom Landeswahlleiter sagen lassen. Sie hoffen, dass nicht nur Gymnasialeltern für G 9 unterschreiben, sondern alle, die soziale Durchlässigkeit und Aufstiegschancen im Bildungssystem befürworten. Guido Seelmann-Eggebert ist Landesvorsitzender des Ganztagsschulverbandes und weiß auch aus seiner Praxis als Lehrer:

"Wir haben ja immer noch 20 % Bildungsverlierer, und die werden wir nicht mit G 8 erreichen, im Gegenteil, gerade Schüler aus bildungsfernen Schichten werden mit G 8 ganz große Probleme haben, erfolgreich ihre Schullaufbahn zu durchlaufen, weil sie in der Regel kaum Chancen haben, familiäre Unterstützung zu bekommen, und auch kaum Chancen haben, außerschulische Unterstützung zu bekommen, die dann kostenintensiv ist."

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