Die meisten seiner Experimente könne auch ein Kind machen, sagt Troy Shinbrot. Der Professor von der Rutgers Universität in New Jersey spielt am liebsten im Sandkasten. In simplen Laborversuchen untersucht er das Verhalten granularer Materialien. Gefragt ist seine Expertise in der Pharmaindustrie. Troy Shinbrot berät Tablettenhersteller, wie sie die pulvrigen Wirkstoffe einer Rezeptur am besten mischen, um beim Pillenpressen stets dasselbe Ergebnis zu erzielen. In einem ganz anderen Bereich ist sein guter Rat allerdings weniger beliebt. Forscher bei der Nasa und anderswo, die überzeugt sind, auf der Marsoberfläche habe es noch in jüngerer Vergangenheit fließendes Wasser gegeben, hören nicht gern, was der Physiker zu sagen hat. Er wirft ihnen nämlich voreilige Schlüsse vor:
"Um ihre These zu untermauern, zeigen die Verfechter dieser "Wasser-auf-dem-Mars-Theorie" gern Bilder von Abflussrinnen auf dem roten Planeten. Solche geologischen Strukturen können auf der Erde nur durch fließendes Wasser entstehen."
Die strittigen Indizien sind kleinere Abflussrinnen an den Hängen von Kraterrändern, die wohl vor wenigen Millionen Jahren entstanden sind, aus geologischer Sicht also praktisch gestern. Sofern man die Abflussrinnen als Spuren flüssigen Wassers interpretieren darf, ließe sich daraus deshalb flugs folgern, dass es irgendwo auf der Marsoberfläche noch heute Wasser geben muss. Für bemannte Raumflüge zum roten Planeten wäre das zwar praktisch, aber Troy Shinbrot hält die Argumentation für Zweckoptimismus. Er glaubt, dass die Abflussrinnen durch Lawinen trockenen Staubs entstanden sind.
"Die Schwerkraft auf dem Mars beträgt nur 38 Prozent der irdischen. Deshalb legen Staubkörner, die durch Wind oder einen Meteoriteneinschlag in Bewegung geraten sind, dort weitere Strecken zurück, bevor sie zum Stillstand kommen. Wir haben das getestet und herausgefunden: Die resultierenden Staublawinen erzeugen exakt dieselben Muster, und zwar ganz ohne Wasser."
In Laborversuchen mit hohlen Keramikkügelchen hat Shinbrot das dynamische Fließverhalten von Marsstaub simuliert. Ergebnis der Sandkastenspiele: Wenn die Staubkörner Fahrt aufnehmen, entsteht ein trockener Staubstrom, der ähnlich einer Flüssigkeit ins Tal schießt und täuschend ähnliche Spuren im Gelände hinterlässt. Der auf der Erde schlüssige Indizienbeweis läuft auf dem auf dem Mars also ins Leere.
"Um mich trotzdem zu überzeugen, müssten Abflussrinnen gefunden werden, deren Ursprung nicht an einem steilen Hang liegt. Deren Entstehung könnten wir allein mit trockenem Staub nämlich nicht erklären. Die Staublawinen, die wie eine Flüssigkeit ins Tal schießen, lösen sich nur bei großem Gefälle. Flüssiges Wasser dagegen würde auch an flachen Hügeln Spuren hinterlassen."
Entsprechende Abflussrinnen in flachem Gelände hat bislang aber keiner entdeckt. Anders als für manchen Nasa-Forscher war es für Troy Shinbrot deshalb keine Überraschung, dass die beiden Mars-Rover bis heute keinen Tropfen Wasser gefunden haben - zumal der geringe Atmosphärendruck heute jedes Rinnsal sofort verdampfen ließe. Doch die Wassersuche geht trotzdem weiter, neue Missionen sind längst geplant. Kein Wunder also, dass die kritischen Einwände vielerorts auf taube Ohren stoßen.
"Es gibt zwar einige Forscher, die mich unterstützen. Aber die führenden Gruppen lehnen meine Erklärung ab, weil sie Angst haben, künftig weniger Fördermittel zu bekommen."
Wohlgemerkt: Dass die tiefen Schluchten und großen Flusstäler auf dem Mars vor Milliarden Jahren durch reißende Ströme entstanden sind, daran zweifelt auch Troy Shinbrot nicht. Aber die einstigen Wassermassen liegen heute gefroren an den vereisten Polen.
"Um ihre These zu untermauern, zeigen die Verfechter dieser "Wasser-auf-dem-Mars-Theorie" gern Bilder von Abflussrinnen auf dem roten Planeten. Solche geologischen Strukturen können auf der Erde nur durch fließendes Wasser entstehen."
Die strittigen Indizien sind kleinere Abflussrinnen an den Hängen von Kraterrändern, die wohl vor wenigen Millionen Jahren entstanden sind, aus geologischer Sicht also praktisch gestern. Sofern man die Abflussrinnen als Spuren flüssigen Wassers interpretieren darf, ließe sich daraus deshalb flugs folgern, dass es irgendwo auf der Marsoberfläche noch heute Wasser geben muss. Für bemannte Raumflüge zum roten Planeten wäre das zwar praktisch, aber Troy Shinbrot hält die Argumentation für Zweckoptimismus. Er glaubt, dass die Abflussrinnen durch Lawinen trockenen Staubs entstanden sind.
"Die Schwerkraft auf dem Mars beträgt nur 38 Prozent der irdischen. Deshalb legen Staubkörner, die durch Wind oder einen Meteoriteneinschlag in Bewegung geraten sind, dort weitere Strecken zurück, bevor sie zum Stillstand kommen. Wir haben das getestet und herausgefunden: Die resultierenden Staublawinen erzeugen exakt dieselben Muster, und zwar ganz ohne Wasser."
In Laborversuchen mit hohlen Keramikkügelchen hat Shinbrot das dynamische Fließverhalten von Marsstaub simuliert. Ergebnis der Sandkastenspiele: Wenn die Staubkörner Fahrt aufnehmen, entsteht ein trockener Staubstrom, der ähnlich einer Flüssigkeit ins Tal schießt und täuschend ähnliche Spuren im Gelände hinterlässt. Der auf der Erde schlüssige Indizienbeweis läuft auf dem auf dem Mars also ins Leere.
"Um mich trotzdem zu überzeugen, müssten Abflussrinnen gefunden werden, deren Ursprung nicht an einem steilen Hang liegt. Deren Entstehung könnten wir allein mit trockenem Staub nämlich nicht erklären. Die Staublawinen, die wie eine Flüssigkeit ins Tal schießen, lösen sich nur bei großem Gefälle. Flüssiges Wasser dagegen würde auch an flachen Hügeln Spuren hinterlassen."
Entsprechende Abflussrinnen in flachem Gelände hat bislang aber keiner entdeckt. Anders als für manchen Nasa-Forscher war es für Troy Shinbrot deshalb keine Überraschung, dass die beiden Mars-Rover bis heute keinen Tropfen Wasser gefunden haben - zumal der geringe Atmosphärendruck heute jedes Rinnsal sofort verdampfen ließe. Doch die Wassersuche geht trotzdem weiter, neue Missionen sind längst geplant. Kein Wunder also, dass die kritischen Einwände vielerorts auf taube Ohren stoßen.
"Es gibt zwar einige Forscher, die mich unterstützen. Aber die führenden Gruppen lehnen meine Erklärung ab, weil sie Angst haben, künftig weniger Fördermittel zu bekommen."
Wohlgemerkt: Dass die tiefen Schluchten und großen Flusstäler auf dem Mars vor Milliarden Jahren durch reißende Ströme entstanden sind, daran zweifelt auch Troy Shinbrot nicht. Aber die einstigen Wassermassen liegen heute gefroren an den vereisten Polen.