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Zwischen Abgrenzung und Verflechtung

Historiker sahen die deutsche Nachkriegsgeschichte in der Regel eher als Geschichte zweier Teilstaaten. Entsprechend wurden die Kapitel zur DDR und zur Bundesrepublik meist unverbunden nebeneinander gestellt. Versuche einer Verzahnung blieben die Ausnahme. Die Ursache dafür liegt in konzeptionellen und methodischen Schwierigkeiten wie auch in der lange Zeit währenden Asymmetrie des Zugangs zu notwendigen Archiven.

Gesprächsreihe von Frank Möller |
    Gleichwohl haben nach 1990 Versuche zugenommen, diese methodisch verengte Geschichtsschreibung zu überwinden und der getrennten Entwicklung beider Teilstaaten wie auch ihren gegenseitigen Verflechtungen gerecht zu werden. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die Lesart der westdeutschen Historie als lineare Erfolgsgeschichte eines "langen Weges nach Westen" sowie ihres östlichen Pendants als reine Misserfolgsgeschichte des "SED-Staates" die Komplexität von Politik und Lebenswirklichkeit zu sehr einebnet und daher kaum befriedigen kann. In sechs Gesprächen mit renommierten Vertretern der Zeitgeschichts- und Deutschlandforschung werden Themen und Forschungsfelder beleuchtet, die geeignet erscheinen, in einer gesamtdeutschen Perspektive erforscht zu werden. Dabei geht es nicht zuletzt darum, die Möglichkeiten und Grenzen auszuloten, die eine Zusammenschau der Geschichte der Bundesrepublik und der DDR zu einer gemeinsamen Deutschlandgeschichte nach 1945 eröffnen.

    Das Gespräche können Sie mindestens bis April 2008 in unserem Audio-On-Demand-Player nachhören.


    Sonntag, 25.11.2007
    Prof. Dr. Norbert Frei (Universität Jena)
    NS-Zeit und Kriegserfahrung als gemeinsamer Ausgangspunkt und als Steinbruch der beiden deutschen Gründungserzählungen

    Sonntag, 2.12. 2007
    Prof. Dr. Anselm Doering-Manteuffel (Universität Tübingen)
    Der Kampf um "Frieden" und "Freiheit" in der Systemrivalität des Kalten Krieges


    Sonntag, 9.12.2007
    Prof. Dr. Edgar Wolfrum (Universität Heidelberg)
    Mentalitätsumbruch und Wertewandel in Ost- und Westdeutschland während der 60er und 70er Jahre

    Sonntag, 16.12.2007
    Prof. Dr. Ralph Jessen (Universität Köln)
    Der ökonomische Strukturwandel der 70er und 80er Jahre und die Rolle von Wissenschaft und Technik im Systemkonflikt


    Sonntag, 23.12.2007
    Prof. Dr. Hans Günter Hockerts (Universität München)
    Gemeinsame Wurzeln und getrennte Wege deutscher Sozialstaatlichkeit


    Sonntag, 30.12.2007
    Prof. Dr. Andreas Wirsching (Universität Augsburg)
    1989/90: Der "Abschied vom Provisorium" und die Perspektiven einer integrierten deutschen Nachkriegsgeschichtsschreibung