This is CNN-News...
Rupert Neudeck:
Die Armeen haben alle große Presse-Stäbe und die Amerikaner haben vermutlich den grössten und produzieren täglich irgendwelche Nachrichten in ihrem Interesse...und deshalb erfahren wir eigentlich eher Armee-Berichterstattung.
Donald Rumsfeld
"The planes are starting to return. So it was very successful..."
Daoud Wahab, afghanischer Journalist:
Wenn du hier vor 15 Jahren hergekommen wärst – da gab es keinerlei Pressefreiheit. Da gab es nur die Propaganda der Regierung. Jetzt haben wir unabhängige Zeitungen, manchmal haben wir sogar zu viele davon.
Fawad Shams, afghanischer Journalist:
Bei den Autoritäten fehlt das Verständnis, das man die Medien als vierte Gewalt schützen muss.
George Bush:
The road ahead for Afghanistan is still long and difficult.
Daoud Wahab:
Wir besitzen keine Fähigkeiten. Was willst du da machen ? Wir warten auf auf Leute aus dem Ausland, die uns sagen, wie es geht.
William Reeve, ehemaliger BBC-Korrespondent für Afghanistan:
Die Dinge haben sich sehr verändert in den letzten 2 Jahren. Die Medien sind frei einerseits, und andererseits sind sie nicht frei.
Ansichten von Journalisten, die in Afghanistan gearbeitet haben oder selbst dort herkommen.
Wie so häufig ist das Bild über Afghanistan nicht eindeutig, für die Medien gilt das allemal.
Laut Verfassung herrscht Presse-Freiheit aber die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Da gibt es Zwänge und Tabus, ein kulturelles Erbe und neuerdings auch viel Freiheit. Sich zurechtzufinden ist nicht immer leicht. Die Erfahrung machen auch deutsche Journalisten, die vor Ort arbeiten. Deshalb wollen wir versuchen, Ihnen in den kommenden 25 Minuten näher zu bringen was es heißt, Journalist in Afghanistan zu sein und wie Presse-Freiheit sich auf afghanisch buchstabiert.
Mahria, afghanische Video-Journalsitin
Hast du den Taxifahrer gehört, als du eben mit uns ausgestiegen bist. Er sagte zu mir: Warum fährst du mit diesem Ausländer. Du bist eine schlechte Frau. - Ich hab ihm gesagt, er soll sich ums Taxi-Fahren kümmern. Dann hat er gesagt: ich habe eine Waffe, ich bringe euch um...der hat keinen Spass gemacht, der hat das ernst gemeint. ...
Djamila, afghanische Video-Journalistin
Es gibt immer noch viele Probleme, wir haben immer noch keine richtige Freiheit.
Mariah und Djamila sind empört. Wir sind gerade aus einem Taxi in Kabul gestiegen, dass uns zu einem Imbiss gefahren hat. Dem Taxi-Fahrer war das Bild offenbar nicht geheuer: ein Westler und vier junge islamische Frauen in einem Wagen auf dem Weg zum Mittagessen. Die vier Frauen machen so etwas – in Kabul ! In der Provinz würde das nicht gehen.
Mariah, Djamila, Shikeba - drei Video-Journalistinnen alle um die 20. - Frauen, die in Kabul und den Regionen mit der Kamera unterwegs sind um aktuelle Reportagen zu machen - und das erregt in Afghanistan immer noch Verdacht, zumal wenn sie zu Ausbildungs-Zwecken von ausländischen Journalisten-Kollegen begleitet werden.
Shikeba, afghanische Video-Journalistin
Ich fuhr mit einem Kollgen nach Herat für eine Reportage. Wir brauchten Bilder von Ismail Khan, dem Gouverneur. Als er aus dem Gebäude kam, musste ich rückwärtsgehen, und bin dabei gestolpert. Mein Kollege hat mich an der Schulter aufgefangen. Sofort danach kamen Männer, Mujaheddin, und beschimpften mich: wer ist das, schämst du dich nicht, von ihm anfassen zu lassen, so eine Schande – was kann daran gut sein.
Shikeba arbeitet wie Maria und Djamila bei AINA, einer französischen Medien-NGO in Kabul, die vor zwei Jahren damit begonnen hat, weiblichen Reporterinnen auszubilden. Die Frauen arbeiten mit Kamera auf der Schulter, auf dem Kopf ein dünnes Tuch, sie interviewen und schneiden ihr Material selbst. Gerade außerhalb von Kabul hat die Anwesenheit westlicher Kollegen für sie noch Schutz-Funktion. Die Frauen würden sonst noch größere Schwierigkeiten beim Drehen bekommen.
Djamila:
Ja, wir können eine Reportage über eine Zwangsheirat oder eine Vergewaltigung drehen. Aber es ist gefährlich. Wenn du jemanden gefunden hast, der etwas sagt, wollen sie sich erstmal nicht filmen lassen. Du musst sie überreden und zugleich ihre Anonymität wahren: sonst kann es für sie Probleme geben aber auch für uns.
Shikeba, Djamila und Mariah sind meine Heldinnen des Alltags. Unbekümmert und sorgenvoll zugleich.
Shikeba
Irgendjemand muss anfangen damit. Von alleine kommt nichts. Gott wird uns Frauen nicht die Rechte von alleine schenken. Darum machen wir das. Und wenn andere Frauen das sehen, kann es für sie ein Anstoß sein.
Mahria
Wir können hier nicht in Ruhe arbeiten. Immer schauen uns Menschen zu, wenn wir drehen. Alle denken sie sonst etwas. Am besten wäre, wenn wir ein Stipendium im Ausland bekämen und dort in Ruhe Journalismus lernen könnten. So dass wir richtig professionell werden.
Unter den Taliban gab es Journalistinnen, aber nicht als mobile Reporterinnen. Die ersten drei Jahre konnten sie in Funkhäusern und Studios arbeiten, dann mussten sie zuhause bleiben.
William Reeve
Es geschieht nicht genug für Frauen in den Medien. Aber viele afghanische Männer haben vermutlich eine andere Ansicht ..
William Reeve ist Engländer. In 80er Jahren hat er für die BBC über Krise und Kriege am Hindukusch berichtet, zu Zeit der Taliban war er einer der wenigen in Kabul akkreditierten westlichen Journalisten
William Reeve
Sie treffen hier beides: es gibt Selbstzensur, und dann geht es wiederum sehr offen zu, aber man muss sich klar machen: Afghanistan ist eine so konservative islamische Gesellschaft.
Zwei Beispiele meiner Arbeit mit afghanischen Radio-Reportern, die mich nachdenklich gemacht haben. Bei einem Interview in Faryab, einer Provinz im Norden, behauptete der Gouverneur, die Sicherheitslage in seiner Provinz sei einwandfrei. Obwohl die Fakten eine andere Sprache sprechen, hakten meine afghanischen Kollegen nicht nach. Drei Wochen später war der Gouverneur von verfeindeten Milizen aus dem Amt gejagt worden.
Zweites Beispiel: nach Faryab kehren jetzt paschtunische Flüchtlinge zurück. Sie waren zu Kriegsende 2001 vertrieben worden, weil man Sündenböcke für die Ära der Taliban suchte und von denen waren nun einmal viele Paschtunen. Also nahmen Uzbeken und Tadjiken ihnen ihr Land und Vieh, paschtunische Frauen wurden vergewaltigt. Alles minutiös belegt durch eine Human-Rights-Watch-Studie. Meine afghanischen Reporter-Kollegen schienen anfangs gewillt, dies zu thematisieren, aber letztlich blieb jegliche kritische Frage aus. Die Begründung war:
Wir können nicht eine Volksgruppe gehen die andere ausspielen oder sie schlechtmachen. Wir müssen jetzt dem Bedürfnis nach nationaler Einheit Rechnung tragen, anstatt alte Gräben aufzureissen.
William Reeve:
Es gibt sicherlich Selbstzensur.
Nehmen sie Mazar-i-Sharif im Norden. Da bekriegen sich die Milizen zweier Anführer und es gibt immer wieder Tote. Was macht ein Chefredakteur in der Situation ? Äußert er sich abwertend über die Milizenchefs ? Macht er zuviel, geht es seiner Familie unter Umständen an den Kragen. Wie berichtet er ? Treibt er es auf die Spitze ? Einige versuchen das, und sie gehen dabei sehr clever vor. Überreizt er es, sucht er die Herausforderung ? Nein, natürlich nicht, weil die Erfahrung ihm etwas anderes lehrt. In Kabul ist das schon etwas anders, da wagen sich Journalisten etwas mehr, aber außerhalb von Kabul gibt es Warlords und da sind Journalisten insgesamt vorsichtiger.
"Selbstzensur" - das klingt in den Ohren westlicher Medien-Vertreter nach Selbstaufgabe, Mutlosigkeit. Tatsächlich ist es ein historisches Erbe.
Fawad Shams, Afghane und Stringer für deutsche, englische und japanische Journalisten:
Fawad Shams
In den 80er und 90er Jahren, während der sowjetischen Besatzungszeit und des Bürgerkrieges sind viele Intellektuelle – man geht von 70 Tausend aus, Afghanen aus Kabul hauptsächlich und größeren Städten – einfach verschwunden. Es gibt ein chilenisches Trauma in Afghanistan, was hier im Westen nicht bekannt ist, und darunter waren auch nachweislich viele Journalisten, die spurlos verschwunden sind aufgrund von Meinungsäußerungen und das sitzt noch tief im Nacken jedes Afghanen und jeder stößt schnell an seine Grenzen. Für uns Afghanen ist dieses Trauma noch sehr real.
Afghanistan erlebt zur Zeit so etwas wie eine Stunde Null im Journalismus,
daran hat auch die so genannte 'decade of democracy', das mystifizierte Jahrzehnt der Demokratie' von 1963 bis 73 nichts geändert. Obwohl auf dem Papier frei, kontrollierten der König und seine Entourage damals die meisten Publikationen. Noch einmal William Reeve:
William Reeve
Journalisten haben hier 20 Jahren lang nach dem sowjetischen Modell arbeiten müssen. Sie bekamen vorgeschrieben, was sie zu schreiben hatten. Sie waren Buchhalter... Journalisten in Afghanistan hatten – bildlich gesprochen - seit über 20 Jahren die Hände auf dem Rücken gefesselt und mussten mit versiegelten Lippen herumlaufen, egal ob bei Radio, Fernsehen oder der Zeitung. Da ist es sehr schwer, einfach auf Presse-Freiheit umzuschalten"
Vor wenigen Wochen verabschiedete die Regierung Krasai ein neue Presse-Gesetz, das jenes von 2002 ergänzt. Es löst bei vielen afghanischen Journalisten Argwohn aus. Sie befürchten, dass es die Pressefreiheit beschneiden könnte. Zwar heißt es wörtlich, "die Regierung stärke die Medien". Aber es ist auch von einer neuen Evaluierungs-Kommission die Rede, die strittige Fälle beurteilen soll und an deren Spitze ausgerechnet der Minister für Information und Kultur steht.
Fawad Shams:
Fawad Shams
Bei den Autoritäten fehlt das Verständnis dafür, dass man diese vierte Gewalt auch schützen müsste. Das ist ein großes Manko. Was viele afghanische Journalisten mir erzählt haben: wenn sie Ärger mit Politikern, Persönlichkeiten, Mächtigen haben, dann können sie keinen Schutz des Staates suchen, das heißt sie können nicht zur Polizei gehen und sagen 'ich bin gefährdet' oder 'bitte schützen sie mich'. Im Gegenteil. Die Polizei stellt eine große Gefahr dar für die Journalisten.
Das ist vielleicht das größte Manko in Afghanistan, das es nicht annährend eine dritte Gewalt gibt, die Journalisten schützt, ihr Recherche- und Zeugnisverweigerungsrechte.
Als letztes Jahr die Festnahme von Hussein Mahdawi und Ali Reza Payan, den Chefredakteuren von 'Aftab', einem politischen Wochenmagazin, Wellen schlug mussten internationale Regierungen bei Präsident Karsai intervenieren, damit das Todesurteil gegen die beiden nicht vollstreckt wurde. Ihr 'Delikt': die beiden hatten in einem Artikel mit dem Titel "Heiliger Faschismus" unter anderem die Frage aufgeworfen:
Wenn der Islam tatsächlich die letzte und umfassendste aller offenbarenden Religionen ist, wie kommt es dann, dass die muslimischen Staaten in der modernen Welt so weit zurück liegen ?
Der Oberste Gerichthof sah darin eine Verunglimpfung des Islam, was laut Verfassung verboten ist.. Aber: wann verunglimpft ein Journalist den Islam ? Was sind die Kriterien ? Verfassung und Regierung bleiben bisher eine Antwort auf diese Frage schuldig.
Rupert Neudeck, seit über 20 Jahren in Afghanistan sowohl in humanitärer wie in journalistischer Mission unterwegs, fügt eine wichtige Beobachtung hinzu:
Rupert Neudeck:
Immer wird mir klar, wenn ich darüber spreche, dass es zwei Afghanistans gibt. Mindestens.
Es gibt das Afghanistan der großen Städte und es gibt das Afghanistan der weiten Länder, Täler, Wüsten und ländlichen Regionen. Und in den ländlichen Regionen kann man schlicht von Presse-Freiheit noch nicht sprechen, weil es Presse noch nicht gibt. Und das setzt sich auch in den Köpfen fest als ein Zustand der Angst bedeutet. Meine Afghanen sind immer noch nicht angstfrei. Wie sollten sie auch sein.
Zwei Medienwelten: hier die 3-Millionen-Hauptstadt, pulsierend, mit geschätzten 230 Zeitungen und Publikationen, einem Dutzend Radio-Programme – dort: der Rest des Landes, ohne Vertriebssystem und ohne richtiges Straßennetz. Fawad Shams:
Fawad Shams
Selbst in Ghazni, der nächsten Stadt bei Kabul, findet man selten eines dieser Blätter die in Kabul erscheinen. In Kandahar, Herat oder Mazar-i-Sharif braucht man gar nicht erst zu suchen. Das heißt, nach der nächsten Bergkette herrscht nur noch Desinformation.
Die Folgen liegen auf der Hand. Es fehlt eine Leserschaft als Verbündeter der Zeitungsmacher gegen Machthaber jeglicher Art. Auch mit der Bildung von Journalisten-Gewerkschaften tun sich afghanische Journalisten schwer. Es regiert Misstrauen – jeder wirft dem anderen seine Biografie vor.
Aber es gibt auch Lichtblicke. Hunderte afghanischer Journalisten erhalten Aus- und Weiterbildungen durch Entwicklungshilfe-Organisationen, die auf Medien-Ausbildung spezialisiert sind. Sie achten auch darauf, dass Frauen ausgebildet werden.
William Reeve.
William Reeve
Es war faszinierend. Während der Loya Jirga, der verfassungsgebenden Versammlung im Dezember und Januar, war ich verblüfft, dass ausgerechnet die regierungs-amtlichen Tageszeitungen, Kabul Times, Anis und Hewad, besonders kritisch waren, kritischer als viele der vermeintlich unabhängigen Blätter, hinter denen sich noch Warlords verbergen. Und da gab es sehr freimütige Kommentare und entsprechend gab es auch Todes-Drohungen.
UNAMA-Spot
Jetzt beginnt das neue Schuljahr. 4 Millionen Schüler haben sich bereits registrieren lassen. Mädchen und Jungen gehen von nun an in die Schule. Helft uns, Eltern, damit unsere Kinder in den Genuss von Bildung kommen.
Ein aktueller Radio-Spot der Vereinten Nationen zum neuen Schuljahr. Geschätzte 70 Prozent der Afghanen sind Analphabeten, auf dem Land gar 80 bis 90 Prozent. Da ist Radio das einzige verbindende Medium, dass diese Hürde überwindet. Fernsehen spielt nur eine geringe Rolle.
Mittlerweile wurden mit Geldern der US-Regierung 17 unabhängige Radio-Stationen in Afghanistan eingerichtet . Weitere 25 sollen bis zur Wahl im September folgen. Eine Medien-Kampagne, die US-Präsident George W. Bush im Wahlkampf helfen soll. Propaganda - aber auch sinnvolle Investition. Der ungarische Medien-Mäzen George Soros und Ahmed Rashid, Autor des Bestsellers 'Taliban' bezuschussen den 'Open Media Fund', der rund 40 Publikationen finanziert, darunter Zanbel-e-Gham – zu deutsch: "die randvolle Trage" - ein Satire-Magazin, das auch als Radio-Format erscheint.
Zanbel-e-Gham-Programm
Traurige Zustände – das ist unser neues Gesetz.
Eine Suppe voll Asche, und wir löffeln sie aus.
Mir wird Angst und Bange vor so vielen Bestechungsgeldern,
aber: das ist unser neues Gesetz.
Und die deutsche Rolle am Wideraufbau der Medien ? Das 30-minütige Nachrichten-Magazin der Deutschen Welle, das hierzulande produziert wird, erfreut sich großer Beliebtheit unter den Afghanen, beim Radioprogramm der Deutschen Welle, das in den National-Sprachen Dari und Paschtu gesendet wird, sieht das schon anders aus. "Sprachlich nicht einwandfrei" ist ein Urteil, das ich mehrfach gehört habe. Viele Redakteure der Deutschen Welle in Bonn und Berlin haben seit über 20 Jahren nicht mehr in Afghanistan gelebt. Sie haben sich ihrer Heimat entfremdet.
Die Deutsche Welle bildet ab Juli und bis Jahresende in einem halben Dutzend Städte Fernseh- und Radio-Journalisten des staatlichen Rundfunks RTA aus. Außerdem gibt es die deutsch-afghanische Mediothek, die Zentren mit Lese-, Video- und Diskussions-Räumen in mehreren Provinzen besitzt.
Schließlich bezuschusst das Auswärtige Amt über die Deutsche Botschaft wichtige Projekte: etwa Parwaz, zu deutsch 'Abflug', ein Magazin für Kinder, mit Berichten über Fotografie, das Sternensystem oder den menschlichen Körper. Die Auflage von 23.000 Tausend konkurriert mit den größten Tageszeitungen. Selbst Erwachsene – alte Männer mit Turban – lesen das Kinder-Magazin begeistert.
Es gibt aber auch deutsche Medien-Hilfe, die gut gemeint ist, aber ihr Ziel verfehlt, meint
Rupert Neudeck:
Wir waren in Kunduz und da waren zwei Vertreter der deutschen mächtigen ARD, der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands. Und die haben ein Geschenk in der Tasche gehabt. Und zwar wollten sie dem Sender, der da gerade aufgemacht hat, der glaube ich ein Radius hatte von sechs, sieben Kilometern in Kunduz, dem wollten sie eine Standleitung nach Kabul und zurück geben, damit man das lokale Programm in Kabul auch senden kann, als 'Fenster',
genau wie beim WDR, wie Bielefeld und Dortmund und so. Also ! Bruchlos reinzuschweben und zu sagen: 'wir machen das so wie in Nordrhein-Westfalen oder wie in Bayern' – das habe ich so erlebt. Und das ist wirklich verhängnisvoll falsch.
Und dann hat er noch gemeint, als Entgelt für dieses große Geschenk sollten die Afghanen doch uns interviewen von Cap Anamur damit wir schon bei der Bevölkerung gutes Ansehen haben. Also alles irrwitzige Vorstellungen, wenn wir als die großen Herren der Welt in dieses kleine mickrige Afghanistan kommen und den zeigen wie es geht.
Nachhaltige Entwicklungshilfe auch und gerade im Bereich der Medien wird eher in Jahrzehnten, denn in Jahren zu messen sein. Dass die Medien in Afghanistan nach westlichen Standards arbeiten, ist vielleicht wünschenswert, ob es auch realistisch ist, angesichts der kulturellen und historischen Gegebenheiten, ist eine andere Frage. Rupert Neudeck:
Aber ich bin fest davon überzeugt, dass – wenn man das Land ein bisschen vernünftiger und behutsamer auf einen Weg mitgeleitet, assistiert bei diesem Weg und nicht mehr macht als das, dass es dann einen eigenen Weg geben wird, wie es in allen Fragen einen eigenen Weg geben wird. Es wird nicht parlamentarische Demokratie geben, es wird eine afghanische parlamentarische Demokratie geben, es wird alles etwas anderes sein, als wir uns in unserer europäischen Gottesherrlichkeit vorstellen und so wird es also auch einen afghanischen Medienjournalismus geben. Der wird anders sein als wir ihn uns vorstellen und sobald wir das begriffen haben, umso besser.
The way ahead for Afghanistan is still long and difficult...
Afghanische Journalisten sind zur Zeit nicht souverän. Und sie spüren dieses Defizit:
"Wie können die USA ihre eigenen Gefängnisse in unserem Land unterhalten ?", fragen Tagezeitungen angesichts des Folter-Skandals.
Afghanen sind Journalisten zweiter Klasse im eigenen Land - und sie bekommen es täglich vorgeführt:
Während die US-Spezialstreitkräfte westliche Journalisten - vornehmlich Fotografen und Fernseh-Reporter - zu Einsätzen mitnehmen, in denen diese hoffen als "embedded" einen Eindruck der US-Spezialkräften im Einsatz gegen Taliban und Al Qaida zu erhaschen, bleiben afghanische Journalisten von dieser Möglichkeit ausgeschlossen.
George Bush
Afghanistan is no longer threatened by terrorists...
Die Folter-Bilder aus dem Irak haben erwartungsgemäß ein kritisches Echo in den afghanischen Medien ausgelöst. Es hängt nicht zuletzt vom Tempo und einer allumfassenden Aufklärung gegenüber der Bevölkerung und den einheimischen Medien-Vertretern ab, inwieweit die USA verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Ein aktueller Kommentar der unabhängigen Tageszeitung Arman-e-Melli argwöhnt: "Der Hass der Menschen auf die Koalitions-Kräfte wird wachsen und der relative Frieden, der bislang in Afghanistan herrscht wird darunter kaputt gehen."
Rupert Neudeck:
Die Armeen haben alle große Presse-Stäbe und die Amerikaner haben vermutlich den grössten und produzieren täglich irgendwelche Nachrichten in ihrem Interesse...und deshalb erfahren wir eigentlich eher Armee-Berichterstattung.
Donald Rumsfeld
"The planes are starting to return. So it was very successful..."
Daoud Wahab, afghanischer Journalist:
Wenn du hier vor 15 Jahren hergekommen wärst – da gab es keinerlei Pressefreiheit. Da gab es nur die Propaganda der Regierung. Jetzt haben wir unabhängige Zeitungen, manchmal haben wir sogar zu viele davon.
Fawad Shams, afghanischer Journalist:
Bei den Autoritäten fehlt das Verständnis, das man die Medien als vierte Gewalt schützen muss.
George Bush:
The road ahead for Afghanistan is still long and difficult.
Daoud Wahab:
Wir besitzen keine Fähigkeiten. Was willst du da machen ? Wir warten auf auf Leute aus dem Ausland, die uns sagen, wie es geht.
William Reeve, ehemaliger BBC-Korrespondent für Afghanistan:
Die Dinge haben sich sehr verändert in den letzten 2 Jahren. Die Medien sind frei einerseits, und andererseits sind sie nicht frei.
Ansichten von Journalisten, die in Afghanistan gearbeitet haben oder selbst dort herkommen.
Wie so häufig ist das Bild über Afghanistan nicht eindeutig, für die Medien gilt das allemal.
Laut Verfassung herrscht Presse-Freiheit aber die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Da gibt es Zwänge und Tabus, ein kulturelles Erbe und neuerdings auch viel Freiheit. Sich zurechtzufinden ist nicht immer leicht. Die Erfahrung machen auch deutsche Journalisten, die vor Ort arbeiten. Deshalb wollen wir versuchen, Ihnen in den kommenden 25 Minuten näher zu bringen was es heißt, Journalist in Afghanistan zu sein und wie Presse-Freiheit sich auf afghanisch buchstabiert.
Mahria, afghanische Video-Journalsitin
Hast du den Taxifahrer gehört, als du eben mit uns ausgestiegen bist. Er sagte zu mir: Warum fährst du mit diesem Ausländer. Du bist eine schlechte Frau. - Ich hab ihm gesagt, er soll sich ums Taxi-Fahren kümmern. Dann hat er gesagt: ich habe eine Waffe, ich bringe euch um...der hat keinen Spass gemacht, der hat das ernst gemeint. ...
Djamila, afghanische Video-Journalistin
Es gibt immer noch viele Probleme, wir haben immer noch keine richtige Freiheit.
Mariah und Djamila sind empört. Wir sind gerade aus einem Taxi in Kabul gestiegen, dass uns zu einem Imbiss gefahren hat. Dem Taxi-Fahrer war das Bild offenbar nicht geheuer: ein Westler und vier junge islamische Frauen in einem Wagen auf dem Weg zum Mittagessen. Die vier Frauen machen so etwas – in Kabul ! In der Provinz würde das nicht gehen.
Mariah, Djamila, Shikeba - drei Video-Journalistinnen alle um die 20. - Frauen, die in Kabul und den Regionen mit der Kamera unterwegs sind um aktuelle Reportagen zu machen - und das erregt in Afghanistan immer noch Verdacht, zumal wenn sie zu Ausbildungs-Zwecken von ausländischen Journalisten-Kollegen begleitet werden.
Shikeba, afghanische Video-Journalistin
Ich fuhr mit einem Kollgen nach Herat für eine Reportage. Wir brauchten Bilder von Ismail Khan, dem Gouverneur. Als er aus dem Gebäude kam, musste ich rückwärtsgehen, und bin dabei gestolpert. Mein Kollege hat mich an der Schulter aufgefangen. Sofort danach kamen Männer, Mujaheddin, und beschimpften mich: wer ist das, schämst du dich nicht, von ihm anfassen zu lassen, so eine Schande – was kann daran gut sein.
Shikeba arbeitet wie Maria und Djamila bei AINA, einer französischen Medien-NGO in Kabul, die vor zwei Jahren damit begonnen hat, weiblichen Reporterinnen auszubilden. Die Frauen arbeiten mit Kamera auf der Schulter, auf dem Kopf ein dünnes Tuch, sie interviewen und schneiden ihr Material selbst. Gerade außerhalb von Kabul hat die Anwesenheit westlicher Kollegen für sie noch Schutz-Funktion. Die Frauen würden sonst noch größere Schwierigkeiten beim Drehen bekommen.
Djamila:
Ja, wir können eine Reportage über eine Zwangsheirat oder eine Vergewaltigung drehen. Aber es ist gefährlich. Wenn du jemanden gefunden hast, der etwas sagt, wollen sie sich erstmal nicht filmen lassen. Du musst sie überreden und zugleich ihre Anonymität wahren: sonst kann es für sie Probleme geben aber auch für uns.
Shikeba, Djamila und Mariah sind meine Heldinnen des Alltags. Unbekümmert und sorgenvoll zugleich.
Shikeba
Irgendjemand muss anfangen damit. Von alleine kommt nichts. Gott wird uns Frauen nicht die Rechte von alleine schenken. Darum machen wir das. Und wenn andere Frauen das sehen, kann es für sie ein Anstoß sein.
Mahria
Wir können hier nicht in Ruhe arbeiten. Immer schauen uns Menschen zu, wenn wir drehen. Alle denken sie sonst etwas. Am besten wäre, wenn wir ein Stipendium im Ausland bekämen und dort in Ruhe Journalismus lernen könnten. So dass wir richtig professionell werden.
Unter den Taliban gab es Journalistinnen, aber nicht als mobile Reporterinnen. Die ersten drei Jahre konnten sie in Funkhäusern und Studios arbeiten, dann mussten sie zuhause bleiben.
William Reeve
Es geschieht nicht genug für Frauen in den Medien. Aber viele afghanische Männer haben vermutlich eine andere Ansicht ..
William Reeve ist Engländer. In 80er Jahren hat er für die BBC über Krise und Kriege am Hindukusch berichtet, zu Zeit der Taliban war er einer der wenigen in Kabul akkreditierten westlichen Journalisten
William Reeve
Sie treffen hier beides: es gibt Selbstzensur, und dann geht es wiederum sehr offen zu, aber man muss sich klar machen: Afghanistan ist eine so konservative islamische Gesellschaft.
Zwei Beispiele meiner Arbeit mit afghanischen Radio-Reportern, die mich nachdenklich gemacht haben. Bei einem Interview in Faryab, einer Provinz im Norden, behauptete der Gouverneur, die Sicherheitslage in seiner Provinz sei einwandfrei. Obwohl die Fakten eine andere Sprache sprechen, hakten meine afghanischen Kollegen nicht nach. Drei Wochen später war der Gouverneur von verfeindeten Milizen aus dem Amt gejagt worden.
Zweites Beispiel: nach Faryab kehren jetzt paschtunische Flüchtlinge zurück. Sie waren zu Kriegsende 2001 vertrieben worden, weil man Sündenböcke für die Ära der Taliban suchte und von denen waren nun einmal viele Paschtunen. Also nahmen Uzbeken und Tadjiken ihnen ihr Land und Vieh, paschtunische Frauen wurden vergewaltigt. Alles minutiös belegt durch eine Human-Rights-Watch-Studie. Meine afghanischen Reporter-Kollegen schienen anfangs gewillt, dies zu thematisieren, aber letztlich blieb jegliche kritische Frage aus. Die Begründung war:
Wir können nicht eine Volksgruppe gehen die andere ausspielen oder sie schlechtmachen. Wir müssen jetzt dem Bedürfnis nach nationaler Einheit Rechnung tragen, anstatt alte Gräben aufzureissen.
William Reeve:
Es gibt sicherlich Selbstzensur.
Nehmen sie Mazar-i-Sharif im Norden. Da bekriegen sich die Milizen zweier Anführer und es gibt immer wieder Tote. Was macht ein Chefredakteur in der Situation ? Äußert er sich abwertend über die Milizenchefs ? Macht er zuviel, geht es seiner Familie unter Umständen an den Kragen. Wie berichtet er ? Treibt er es auf die Spitze ? Einige versuchen das, und sie gehen dabei sehr clever vor. Überreizt er es, sucht er die Herausforderung ? Nein, natürlich nicht, weil die Erfahrung ihm etwas anderes lehrt. In Kabul ist das schon etwas anders, da wagen sich Journalisten etwas mehr, aber außerhalb von Kabul gibt es Warlords und da sind Journalisten insgesamt vorsichtiger.
"Selbstzensur" - das klingt in den Ohren westlicher Medien-Vertreter nach Selbstaufgabe, Mutlosigkeit. Tatsächlich ist es ein historisches Erbe.
Fawad Shams, Afghane und Stringer für deutsche, englische und japanische Journalisten:
Fawad Shams
In den 80er und 90er Jahren, während der sowjetischen Besatzungszeit und des Bürgerkrieges sind viele Intellektuelle – man geht von 70 Tausend aus, Afghanen aus Kabul hauptsächlich und größeren Städten – einfach verschwunden. Es gibt ein chilenisches Trauma in Afghanistan, was hier im Westen nicht bekannt ist, und darunter waren auch nachweislich viele Journalisten, die spurlos verschwunden sind aufgrund von Meinungsäußerungen und das sitzt noch tief im Nacken jedes Afghanen und jeder stößt schnell an seine Grenzen. Für uns Afghanen ist dieses Trauma noch sehr real.
Afghanistan erlebt zur Zeit so etwas wie eine Stunde Null im Journalismus,
daran hat auch die so genannte 'decade of democracy', das mystifizierte Jahrzehnt der Demokratie' von 1963 bis 73 nichts geändert. Obwohl auf dem Papier frei, kontrollierten der König und seine Entourage damals die meisten Publikationen. Noch einmal William Reeve:
William Reeve
Journalisten haben hier 20 Jahren lang nach dem sowjetischen Modell arbeiten müssen. Sie bekamen vorgeschrieben, was sie zu schreiben hatten. Sie waren Buchhalter... Journalisten in Afghanistan hatten – bildlich gesprochen - seit über 20 Jahren die Hände auf dem Rücken gefesselt und mussten mit versiegelten Lippen herumlaufen, egal ob bei Radio, Fernsehen oder der Zeitung. Da ist es sehr schwer, einfach auf Presse-Freiheit umzuschalten"
Vor wenigen Wochen verabschiedete die Regierung Krasai ein neue Presse-Gesetz, das jenes von 2002 ergänzt. Es löst bei vielen afghanischen Journalisten Argwohn aus. Sie befürchten, dass es die Pressefreiheit beschneiden könnte. Zwar heißt es wörtlich, "die Regierung stärke die Medien". Aber es ist auch von einer neuen Evaluierungs-Kommission die Rede, die strittige Fälle beurteilen soll und an deren Spitze ausgerechnet der Minister für Information und Kultur steht.
Fawad Shams:
Fawad Shams
Bei den Autoritäten fehlt das Verständnis dafür, dass man diese vierte Gewalt auch schützen müsste. Das ist ein großes Manko. Was viele afghanische Journalisten mir erzählt haben: wenn sie Ärger mit Politikern, Persönlichkeiten, Mächtigen haben, dann können sie keinen Schutz des Staates suchen, das heißt sie können nicht zur Polizei gehen und sagen 'ich bin gefährdet' oder 'bitte schützen sie mich'. Im Gegenteil. Die Polizei stellt eine große Gefahr dar für die Journalisten.
Das ist vielleicht das größte Manko in Afghanistan, das es nicht annährend eine dritte Gewalt gibt, die Journalisten schützt, ihr Recherche- und Zeugnisverweigerungsrechte.
Als letztes Jahr die Festnahme von Hussein Mahdawi und Ali Reza Payan, den Chefredakteuren von 'Aftab', einem politischen Wochenmagazin, Wellen schlug mussten internationale Regierungen bei Präsident Karsai intervenieren, damit das Todesurteil gegen die beiden nicht vollstreckt wurde. Ihr 'Delikt': die beiden hatten in einem Artikel mit dem Titel "Heiliger Faschismus" unter anderem die Frage aufgeworfen:
Wenn der Islam tatsächlich die letzte und umfassendste aller offenbarenden Religionen ist, wie kommt es dann, dass die muslimischen Staaten in der modernen Welt so weit zurück liegen ?
Der Oberste Gerichthof sah darin eine Verunglimpfung des Islam, was laut Verfassung verboten ist.. Aber: wann verunglimpft ein Journalist den Islam ? Was sind die Kriterien ? Verfassung und Regierung bleiben bisher eine Antwort auf diese Frage schuldig.
Rupert Neudeck, seit über 20 Jahren in Afghanistan sowohl in humanitärer wie in journalistischer Mission unterwegs, fügt eine wichtige Beobachtung hinzu:
Rupert Neudeck:
Immer wird mir klar, wenn ich darüber spreche, dass es zwei Afghanistans gibt. Mindestens.
Es gibt das Afghanistan der großen Städte und es gibt das Afghanistan der weiten Länder, Täler, Wüsten und ländlichen Regionen. Und in den ländlichen Regionen kann man schlicht von Presse-Freiheit noch nicht sprechen, weil es Presse noch nicht gibt. Und das setzt sich auch in den Köpfen fest als ein Zustand der Angst bedeutet. Meine Afghanen sind immer noch nicht angstfrei. Wie sollten sie auch sein.
Zwei Medienwelten: hier die 3-Millionen-Hauptstadt, pulsierend, mit geschätzten 230 Zeitungen und Publikationen, einem Dutzend Radio-Programme – dort: der Rest des Landes, ohne Vertriebssystem und ohne richtiges Straßennetz. Fawad Shams:
Fawad Shams
Selbst in Ghazni, der nächsten Stadt bei Kabul, findet man selten eines dieser Blätter die in Kabul erscheinen. In Kandahar, Herat oder Mazar-i-Sharif braucht man gar nicht erst zu suchen. Das heißt, nach der nächsten Bergkette herrscht nur noch Desinformation.
Die Folgen liegen auf der Hand. Es fehlt eine Leserschaft als Verbündeter der Zeitungsmacher gegen Machthaber jeglicher Art. Auch mit der Bildung von Journalisten-Gewerkschaften tun sich afghanische Journalisten schwer. Es regiert Misstrauen – jeder wirft dem anderen seine Biografie vor.
Aber es gibt auch Lichtblicke. Hunderte afghanischer Journalisten erhalten Aus- und Weiterbildungen durch Entwicklungshilfe-Organisationen, die auf Medien-Ausbildung spezialisiert sind. Sie achten auch darauf, dass Frauen ausgebildet werden.
William Reeve.
William Reeve
Es war faszinierend. Während der Loya Jirga, der verfassungsgebenden Versammlung im Dezember und Januar, war ich verblüfft, dass ausgerechnet die regierungs-amtlichen Tageszeitungen, Kabul Times, Anis und Hewad, besonders kritisch waren, kritischer als viele der vermeintlich unabhängigen Blätter, hinter denen sich noch Warlords verbergen. Und da gab es sehr freimütige Kommentare und entsprechend gab es auch Todes-Drohungen.
UNAMA-Spot
Jetzt beginnt das neue Schuljahr. 4 Millionen Schüler haben sich bereits registrieren lassen. Mädchen und Jungen gehen von nun an in die Schule. Helft uns, Eltern, damit unsere Kinder in den Genuss von Bildung kommen.
Ein aktueller Radio-Spot der Vereinten Nationen zum neuen Schuljahr. Geschätzte 70 Prozent der Afghanen sind Analphabeten, auf dem Land gar 80 bis 90 Prozent. Da ist Radio das einzige verbindende Medium, dass diese Hürde überwindet. Fernsehen spielt nur eine geringe Rolle.
Mittlerweile wurden mit Geldern der US-Regierung 17 unabhängige Radio-Stationen in Afghanistan eingerichtet . Weitere 25 sollen bis zur Wahl im September folgen. Eine Medien-Kampagne, die US-Präsident George W. Bush im Wahlkampf helfen soll. Propaganda - aber auch sinnvolle Investition. Der ungarische Medien-Mäzen George Soros und Ahmed Rashid, Autor des Bestsellers 'Taliban' bezuschussen den 'Open Media Fund', der rund 40 Publikationen finanziert, darunter Zanbel-e-Gham – zu deutsch: "die randvolle Trage" - ein Satire-Magazin, das auch als Radio-Format erscheint.
Zanbel-e-Gham-Programm
Traurige Zustände – das ist unser neues Gesetz.
Eine Suppe voll Asche, und wir löffeln sie aus.
Mir wird Angst und Bange vor so vielen Bestechungsgeldern,
aber: das ist unser neues Gesetz.
Und die deutsche Rolle am Wideraufbau der Medien ? Das 30-minütige Nachrichten-Magazin der Deutschen Welle, das hierzulande produziert wird, erfreut sich großer Beliebtheit unter den Afghanen, beim Radioprogramm der Deutschen Welle, das in den National-Sprachen Dari und Paschtu gesendet wird, sieht das schon anders aus. "Sprachlich nicht einwandfrei" ist ein Urteil, das ich mehrfach gehört habe. Viele Redakteure der Deutschen Welle in Bonn und Berlin haben seit über 20 Jahren nicht mehr in Afghanistan gelebt. Sie haben sich ihrer Heimat entfremdet.
Die Deutsche Welle bildet ab Juli und bis Jahresende in einem halben Dutzend Städte Fernseh- und Radio-Journalisten des staatlichen Rundfunks RTA aus. Außerdem gibt es die deutsch-afghanische Mediothek, die Zentren mit Lese-, Video- und Diskussions-Räumen in mehreren Provinzen besitzt.
Schließlich bezuschusst das Auswärtige Amt über die Deutsche Botschaft wichtige Projekte: etwa Parwaz, zu deutsch 'Abflug', ein Magazin für Kinder, mit Berichten über Fotografie, das Sternensystem oder den menschlichen Körper. Die Auflage von 23.000 Tausend konkurriert mit den größten Tageszeitungen. Selbst Erwachsene – alte Männer mit Turban – lesen das Kinder-Magazin begeistert.
Es gibt aber auch deutsche Medien-Hilfe, die gut gemeint ist, aber ihr Ziel verfehlt, meint
Rupert Neudeck:
Wir waren in Kunduz und da waren zwei Vertreter der deutschen mächtigen ARD, der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands. Und die haben ein Geschenk in der Tasche gehabt. Und zwar wollten sie dem Sender, der da gerade aufgemacht hat, der glaube ich ein Radius hatte von sechs, sieben Kilometern in Kunduz, dem wollten sie eine Standleitung nach Kabul und zurück geben, damit man das lokale Programm in Kabul auch senden kann, als 'Fenster',
genau wie beim WDR, wie Bielefeld und Dortmund und so. Also ! Bruchlos reinzuschweben und zu sagen: 'wir machen das so wie in Nordrhein-Westfalen oder wie in Bayern' – das habe ich so erlebt. Und das ist wirklich verhängnisvoll falsch.
Und dann hat er noch gemeint, als Entgelt für dieses große Geschenk sollten die Afghanen doch uns interviewen von Cap Anamur damit wir schon bei der Bevölkerung gutes Ansehen haben. Also alles irrwitzige Vorstellungen, wenn wir als die großen Herren der Welt in dieses kleine mickrige Afghanistan kommen und den zeigen wie es geht.
Nachhaltige Entwicklungshilfe auch und gerade im Bereich der Medien wird eher in Jahrzehnten, denn in Jahren zu messen sein. Dass die Medien in Afghanistan nach westlichen Standards arbeiten, ist vielleicht wünschenswert, ob es auch realistisch ist, angesichts der kulturellen und historischen Gegebenheiten, ist eine andere Frage. Rupert Neudeck:
Aber ich bin fest davon überzeugt, dass – wenn man das Land ein bisschen vernünftiger und behutsamer auf einen Weg mitgeleitet, assistiert bei diesem Weg und nicht mehr macht als das, dass es dann einen eigenen Weg geben wird, wie es in allen Fragen einen eigenen Weg geben wird. Es wird nicht parlamentarische Demokratie geben, es wird eine afghanische parlamentarische Demokratie geben, es wird alles etwas anderes sein, als wir uns in unserer europäischen Gottesherrlichkeit vorstellen und so wird es also auch einen afghanischen Medienjournalismus geben. Der wird anders sein als wir ihn uns vorstellen und sobald wir das begriffen haben, umso besser.
The way ahead for Afghanistan is still long and difficult...
Afghanische Journalisten sind zur Zeit nicht souverän. Und sie spüren dieses Defizit:
"Wie können die USA ihre eigenen Gefängnisse in unserem Land unterhalten ?", fragen Tagezeitungen angesichts des Folter-Skandals.
Afghanen sind Journalisten zweiter Klasse im eigenen Land - und sie bekommen es täglich vorgeführt:
Während die US-Spezialstreitkräfte westliche Journalisten - vornehmlich Fotografen und Fernseh-Reporter - zu Einsätzen mitnehmen, in denen diese hoffen als "embedded" einen Eindruck der US-Spezialkräften im Einsatz gegen Taliban und Al Qaida zu erhaschen, bleiben afghanische Journalisten von dieser Möglichkeit ausgeschlossen.
George Bush
Afghanistan is no longer threatened by terrorists...
Die Folter-Bilder aus dem Irak haben erwartungsgemäß ein kritisches Echo in den afghanischen Medien ausgelöst. Es hängt nicht zuletzt vom Tempo und einer allumfassenden Aufklärung gegenüber der Bevölkerung und den einheimischen Medien-Vertretern ab, inwieweit die USA verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Ein aktueller Kommentar der unabhängigen Tageszeitung Arman-e-Melli argwöhnt: "Der Hass der Menschen auf die Koalitions-Kräfte wird wachsen und der relative Frieden, der bislang in Afghanistan herrscht wird darunter kaputt gehen."