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StartseiteSport am WochenendeZyklisches Verschweigen22.05.2010

Zyklisches Verschweigen

Ex-Radtrainer Weibel und die Doping-Manipulationen

Anfang dieses Monats Mai stand der ehemalige Radsport-Bundestrainer Peter Weibel vor dem Hamburger Landgericht. Er war dort als Zeuge aufgerufen worden. Was Weibel dort aussagte, war weder neu noch überraschend.

Von Ralf Meutgens

Die Tour de France zwischen Auray und Saint-Brieuc. (AP)
Die Tour de France zwischen Auray und Saint-Brieuc. (AP)

Der ehemalige Rad-Bundestrainer Peter Weibel war vom Saarländischen Rundfunk als Zeuge benannt worden, um die dubiosen Umstände zu beleuchten, unter denen Patrik Sinkewitz, damals Mitglied der Amateurnationalmannschaft, im Jahre 2000 die Weltmeisterschaften im französischen Plouay verlassen hatte. Offiziell war dafür eine Erkrankung verantwortlich gemacht worden. Doch hinter den Kulissen war immer von einem erhöhten Blutwert die Rede, der in einer Kontrolle zu einer Schutzsperre von zwei Wochen hätte führen können.

Damals war das Dopingmittel EPO noch nicht zuverlässig nachweisbar, der erhöhte Hämatokritwert galt jedoch als Indiz. Sinkewitz hatte im vorigen Jahr mehrmals öffentlich über seine Anfänge des Dopings im Zusammenhang mit der Amateurnationalmannschaft berichtet. Er habe EPO missbraucht, es sei ganz leicht gewesen, es zu bekommen und seitens der Nationalmannschaft habe man es zur Kenntnis genommen. Bundestrainer Weibel habe seine erhöhten Blutwerte gekannt. Der hatte daraufhin erklärt, dass in die Absprache bezüglich der vorgeschobenen Krankheit und den auffälligen Werten auch der betreuende Arzt Dr. York-Olaf Schumacher sowie BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer involviert gewesen seien. Das hatten beide mit eidesstattlichen Versicherungen gegenüber dem BDR im Dezember 2007 zurückgewiesen.

Die Online-Redaktion des Saarländischen Rundfunks hatte unter anderem in einem Beitrag vom 7. Juli 2008 in Konjunktivform über diesen Vorfall um Sinkewitz berichtet. Dagegen hatten sowohl Arzt Schumacher als auch Sportdirektor Bremer auf Unterlassung geklagt. Eine derartige Erklärung hatte der Saarländische Rundfunk nur gegenüber Schumacher, nicht aber gegenüber Bremer abgegeben.

Nun hat Weibel in seinen Aussagen vor dem Hamburger Landgericht die Berichterstattung des Saarländischen Rundfunks bestätigt. Er, Weibel, habe Bremer von dem erhöhten Wert in Kenntnis gesetzt, dann habe man die Ärzte konsultiert. Das Präsidium des BDR habe danach entschieden, dass Sinkewitz unter dem Vorwand einer Erkältung die Heimreise antreten solle. Auf Nachfrage hatte Weibel ausgesagt, dass Dr. Schumacher die erhöhten Blutwerte von Sinkewitz bekannt gewesen waren. Die Unterlassungsklage von Bremer dürfte demnach abgewiesen, die im Fall Schumacher abgegebene Erklärung könnte womöglich widerrufen werden. Interessant dürfte jetzt auch die neuerliche Lektüre der "an Eides statt" abgegebenen Versicherungen von Bremer und Schumacher sein.

Im besagten Verfahren vor dem Hamburger Landgericht wurde ebenfalls die Klage von Bremer gegen den Bundestagsabgeordneten Peter Danckert verhandelt. Der hatte sich im November 2008 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk ähnlich kritisch mit der Person von Bremer im Zusammenhang mit den Vorfällen um Sinkewitz befasst.
Die Urteilsverkündung soll Mitte Juni stattfinden.

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