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StartseiteUmwelt und VerbraucherAchterbahn statt Wald03.09.2010

Achterbahn statt Wald

Streit um Erweiterung des Phantasialands bei Köln

Der Vergnügungspark Phantasialand in der Nähe von Köln ist erfolgreich, gut ausgelastet und will deshalb wachsen. Doch das ist gar nicht so einfach. Auf der einen Seite Wohngebiete, die vor Lärm geschützt werden wollen, auf der anderen ein Wald, den Naturschützer energisch verteidigen.

Von Henning Hübert

Die Attraktion "Black Mamba" im Phantasialand (Phantasialand)
Die Attraktion "Black Mamba" im Phantasialand (Phantasialand)

Sanfte Hügel, bestanden mit einem Buchenmischwald, die ältesten Bäume sind erst 70 Jahre alt: Das ist der Villewald im Rhein-Erft-Kreis, an den das Phantasialand grenzt. Seine Expansionspläne in diesen Wald hinein erläutert der privat geführte Freizeitpark gegenüber der Öffentlichkeit nicht. Mit ihm schweigen auch die anderen Mitglieder des Arbeitskreises, die in einem offiziellen Moderationsverfahren eine Lösung für die umstrittene Waldnahme finden sollten. Zurzeit sagen weder die Stadt Brühl, noch der Landkreis, weder die Bezirksplanungsbehörde noch die Wirtschaftsförderung des Kreises etwas. Immerhin sind ihre Vorschläge für die geplanten Rodungen jetzt im Internet einzusehen. Sie wurden dem für die Genehmigung der Pläne zuständigen Regionalrat in dieser Woche unterbreitet. Der Rat ist zusammengesetzt nach Parteienproporz entsprechend den letzten Kommunalwahlergebnissen. Es liegen drei Varianten vor, alle mit dem Ziel, den Freizeitpark um rund 30 Hektar in den Wald hinein zu erweitern. Das kritisieren die Ausbaugegner. Doris Linzmeier, Sprecherin der Brühler Bürgerinitiative "50.000 Bäume":

"Ein Moderationsverfahren ohne kritische Stimmen, ja. Es waren nur die Befürworter an einem Tisch. Das auch noch geleitet oder moderiert wurde von der Wirtschaftsförderung Rhein-Erft GmbH. Und da sieht man doch schon, in welche Richtung es geht. Und dass da die Belange der Anwohner und des Naturschutzes nicht berücksichtigt werden."

Der Standort südlich von Köln sei völlig ungeeignet für Erweiterungen nach dem großen Vorbild Europapark Rust, sagt auch die grüne Stadträtin Agnes Niclasen. Ende der 60er-Jahre öffnete das Phantasialand als kleiner Märchenwald, schon bald gab es Lärmbeschwerden der Anwohner. Auch heute droht großen Attraktionen die Schließung wegen zu großer Lautstärke. Den Lärm in den Wald verlegen, dass lehnen die Grünen aber auch ab. Agnes Niclasen:

"Da haben wir das große Problem, dass wir befürchten, wenn die mal einen Schritt drin haben, dass die dann auch mehr wollen. Sie beteuern zwar immer wieder: Das reicht uns jetzt. Aber meine Erfahrung mit dem Phantasialand ist die, dass die eine Salamitaktik anwenden schon seit vielen Jahren. Und deshalb sind wir da nicht besonders vertrauensvoll, dass, wenn die die 30 Hektar kriegen sollten, dass es auch dabei bleibt."

Ältere Pläne für eine 16 Hektar umfassende Erweiterung hat der Regionalrat als zuständiges Gremium bereits genehmigt. Die aktuellen Erweiterungswünsche für 30 Hektar mit neuen Hotels, Parkplätzen und Rummelattraktionen müssen noch eine Mehrheit finden. Auch müssen noch passende Ausgleichsflächen gefunden werden. Die Initiative von Doris Linzmeiers will beides verhindern und unbedingt das Waldgebiet erhalten:

"Laut Landesamt für Umwelt und Naturschutz ist das ein wichtiger Bestandteil des landesweiten Biotopverbundsystems. Hier sind ganz viele Biotope drin, die durch den Wald als Korridor miteinander verstrickt sind. Wir schaffen einen Präzedenzfall, dadurch, dass die Politik dem privaten Unternehmen genehmigt, in dieses Gebiet hineinzugehen."

Pläne für einen Ausbau genehmigt bekommen ist das eine, die dazu nötige Fläche auch kaufen zu dürfen, das andere. Das Phantasialand ist umzingelt von Staatswald. Und so finden die Ausbaugegner ihren wichtigsten Unterstützer derzeit in der Düsseldorfer Minderheitsregierung. Der neue grüne NRW-Umweltminister Johannes Remmel:

"Im Koalitionsvertrag haben wir uns klar darauf verständigt, dass wir keinen Staatswald verkaufen wollen, sondern im Gegenteil, dass wir mehr öffentlichen Wald brauchen und wollen. Deshalb ist die Position zu weiterem Staatswaldverkauf klar. Und wenn man dann auch noch ein bisschen Fach- und Sachverstand hat, und den haben die meisten, die dort wohnen auch, dann kann man schon erkennen, dass das ein sehr wertvolles Gebiet ist für Pflanzen und Tiere. Das wäre schade, das können wir einfach nicht machen."

Auch wenn das Phantasialand beim Regionalrat seinen Wunsch nach 30 Hektar Erweiterungsfläche durchbekäme und sein Begehren offiziell beim Land anmelden würde: Aus Düsseldorf käme nach jetzigem Stand eine klare Absage.

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