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StartseiteForschung aktuellaDNA - was das Molekül des Lebens uns über den Tod hinaus verraten kann03.08.2011

aDNA - was das Molekül des Lebens uns über den Tod hinaus verraten kann

Mraseks Molekül-Mosaik

aDNA. War das nicht ein "a" zu viel? Muss es nicht DNA heißen? Einfach nur Desoxyribonukleinsäure? Oder ist sie gar nicht gemeint, unsere Erbsubstanz, das berühmte Molekül des Lebens?

Von Volker Mrasek

Der ägyptische Archäologe Zahi Hawass entnimmt Erbgutproben aus der 3300 Jahre alten Mumie des Pharaos Tutanchamun. (AP)
Der ägyptische Archäologe Zahi Hawass entnimmt Erbgutproben aus der 3300 Jahre alten Mumie des Pharaos Tutanchamun. (AP)
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Mraseks Molekül Mosaik

"Ja, DNA ist das Molekül, wenn es neu ist. Und aDNA, wenn es alt ist."

Manche sagen auch "fossile DNA". a- oder alte DNA ist Erbmaterial, das Paläogenetiker aus den Skeletten unserer Urahnen isolieren. Es erlaubt ihnen, die Geschichte unserer Zivilisation nachzuzeichnen ...

"Ich lege den Mundschutz an."

"Allein wenn Sie ins Labor gehen, verstreuen Sie schon 'n paar tausend Moleküle."

"Zieh' die Kapuze des Schutzanzuges bis über die Stirn."

"Wenn wir das jeden Tag machen würden, haben wir Millionen kontaminierende Moleküle im Labor."

"Jetzt hab' ich meine dritte Schicht Handschuhe an. Und setz' nur noch ein Gesichtsschild auf."

"Und die springen uns irgendwann auf das Knochenpulver."

"Und so eingepackt betret' ich jetzt den Flur des Spurenlabors."

"Und dann analysieren wir den Journalisten vom Deutschlandfunk und eben nicht den prähistorischen Europäer."

Es ist im doppelten Sinne ein Knochenjob, wenn man an alte DNA-Moleküle kommen will. So wie die Arbeitsgruppe für Paläogenetik an der Universität Mainz, deren Leiter Joachim Burger ist.

Das eine ist der Stress im Labor:

"Man arbeitet kontinuierlich in Ganzkörper-Schutzanzugen. Nach vier, fünf Stunden müssen Sie dort raus, sonst kippen die Leute um."

Das andere betrifft das Untersuchungsmaterial:

"Sie können alte DNA zum Beispiel aus alten Fingernägeln oder aus Haaren extrahieren. Meistens tut man's aber aus Knochen. Oder Zähnen."

Das können menschliche Überreste aus einem steinzeitlichen Grab sein. Oder auch der Stoßzahn eines Mammuts ...

"Diese alte DNA ist ja in Organismen vorhanden, die schon tot sind. Und braucht deswegen ein anderes Molekül, das sie irgendwie stabilisiert. Im Knochen, dort gibt es das Kalziumphosphat. Und das hat eine chemische Struktur, die diese alte DNA an sich bindet und über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende eben aufrechterhält."

Im Molekül des Lebens lässt sich auch lange nach dem Tod noch lesen:

"Aus Knochen haben wir hier im Haus schon einen ausgestorbenen Höhlenlöwen mal sequenziert, der war immerhin 47.000 Jahre alt. Momentan nehmen wir so 'ne Grenze von 'ner halben Million Jahre an."

"Da ich die DNA später lesen, also sequenzieren will, muss ich sie jetzt zunächst aufreinigen. Das ist der Schritt, den ich jetzt mache."

Die Anthropologen haben Wege gefunden, um olle DNA wieder heil aus Knochen rauszuholen. Sodann bestimmen sie die Reihenfolge der vier Grundbausteine, aus denen das korkenzieherförmige Riesenmolekül auch früher schon bestand. Und wenn alles klappt, läßt sich am Ende das vollständige Erbgut rekonstruieren und mit anderen vergleichen - heutigen wie historischen ...

"Wie die Welt besiedelt wurde. Wer von wem abstammt. Und wie die Migrationen waren in Raum und Zeit ..."

... das sind Fragen, die Anthropologen wie Joachim Burger gerne beantworten würden. aDNA-Analysen und genetische Stammbäume helfen ihnen dabei.

Manchmal gibt es auch faustdicke Überraschungen. So könnte es sein, dass Europa vor etwa 8.000 Jahren noch einmal neu besiedelt wurde. Die Immigranten kamen aus Südosten und könnten sich mit früheren Einwanderern aus Afrika gemischt haben ...

"Kommen die vielleicht sogar aus dem Nahen Osten? Das untersuchen wir gerade. Und das ist schon was, wo wir die Geschichtsbücher neu schreiben müssen. Und das wäre ohne aDNA überhaupt nicht möglich gewesen."

"Und so betret' ich jetzt den Flur des Spurenlabors."

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