Dienstag, 21.11.2017
Startseite@mediasresVia Twitter zum Unternehmer06.07.2017

Afrikas Medienmarkt im WandelVia Twitter zum Unternehmer

Noch vor zehn Jahren war in Afrika das Internet kaum verbreitet. Das hat sich geändert, und davon profitieren auch unabhängige Medienmacher. Sie sorgen für mehr Meinungsfreiheit – und sind so inzwischen zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz für traditionelle Medienhäuser geworden.

Von Kai Rüsberg

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Ein Mann telefoniert in Nairobi (imago/xinhua)
Zahl der Smartphones in Afrika ist in den vergangenen rasant gestiegen. (imago/xinhua)
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Nigel Mugamu ist in Simbabwe ein erfolgreicher Medienunternehmer. Angefangen hat bei ihm alles mit Twitter und einigen Nachrichten, die er über diesen Kanal aus seiner Umgebung veröffentlichte. Die konnten seine Nutzer sogar per SMS empfangen. Er bekam schnell eine enorme Reichweite per Social Media. Die Digitalisierung hat für Mugamu zuallererst positive Effekte: "Vor allem Freiheit und Geschwindigkeit, wir können schneller berichten. Und Interaktion mit den Nutzern. Man veröffentlicht ein Video, Foto oder Text und kann mit den Nutzern diskutieren. Das ist sehr wichtig." Aus dem Twitter-Account ist die umfangreiche Internetpräsenz 263chat.com geworden, die täglich ein Vollprogramm von Sport und Politik bis zu Wirtschaft und Unterhaltung bringt.

Galt der afrikanische Kontinent noch vor wenigen Jahren als digitales Nirwana, so hat sich das in vielen Ländern umgedreht. In Kenia, Südafrika oder Nigeria beispielsweise sind die Datenverbindungen per Mobilfunk teils besser als in vielen Europäischen Ländern, bestätigt Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle: "Afrika ist der am schnellsten wachsende Markt, was Digitalisierung anbelangt. Also das heißt, wir haben die Zahlen aus Nigeria: Dort gibt es 180 Millionen Menschen, 170 Millionen haben ein Telefon, davon die Hälfte ungefähr ein Smartphone."

"Immer mehr wenden sich von den traditionellen Medien ab"

Ein anderes Beispiel: Horatius Egua hat in Nigeria Frontiersnews aufgebaut. Gut recherchierte Nachrichten und investigativer Journalismus sind die Stärken, heißt es auf der Webseite. Besonders der Newsletter sei wichtig, um die Leser zu erreichen: "Wir liefern täglich Nachrichten, im Schnitt sind es 500.000 E-Mails pro Tag, die ich an meine Kunden schicke. Wir erreichen sie bequem zu Hause, im Büro oder auf dem Markt, auf dem Weg zur Schule. Es ist gewaltig: Wenn wir da weitermachen, glaube ich nicht, dass Platz bleibt für die traditionellen Medien, die Zeitungen."

Statt sich die Zeitung am Straßenrand abholen zu müssen, kommt das Onlinemedium zu jedem Nutzer nach Hause. Für die traditionellen Zeitungshäuser eine ernst zu nehmende Konkurrenz, die sogar existentiell werden könnte, meint James Uma, der das Online-Nachrichtenmagazin "Thewhistler" betreibt: "Die neuen Medien dominieren den gesamten Medienmarkt in Nigeria seit sechs Jahren. Sie wachsen und werden stärker beachtet und erschließen uns neue Quellen. Durch den Zugang zu schneller Mobilfunktechnik wenden sich immer mehr Menschen von den traditionellen Medien ab."

Das sieht auch der langjährige ARD-Afrikakorrespondent Claus Stäcker so, der heute das Afrikaprogramm der deutschen Welle leitet: "Die Digitalisierung in Afrika ist eine Revolutionierung der Medienlandschaft, weil der Medienzugang extrem limitiert war Zeitungen, Print-Zeitungen gab es eigentlich nur für privilegierte Schichten, das sieht man ganz explizit in Südafrika. Aber im Rest von Afrika war Zeitung lesen definitiv ein Thema für privilegierte Gebildete."

Bewusste Blockaden

Noch sind die Radio- und Fernsehprogramme der Deutschen Welle in Afrika sehr beliebt, aber zunehmend erreicht der deutsche Auslandssender sein Publikum auch über Facebook. Bis zu 40 Millionen Abrufe hatten einzelne Beiträge. Ein Erfolg, den Stäcker nachdenklich werden lässt. "Stärker als hier sind wir vielleicht abhängig den Algorithmen von Facebook, weil Facebook einfach extrem dominant ist in Afrika, und das macht es zu gleich attraktiv – wie auch gefährlich und herausfordernd."

Denn es kommt in vielen afrikanischen Ländern immer wieder vor, dass das Internet von der jeweiligen Regierung bewusst blockiert wird. Das ist ein einfacher Weg, um die neuen unabhängigen Medienangebote kurzzeitig zum Schweigen zu bringen.

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