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Seit 02:07 Uhr Kulturfragen
StartseiteForschung aktuellAlaska taut auf17.06.2005

Alaska taut auf

US-Forscher notieren stärksten Temperaturanstieg der Welt

Klimatologie. - Im nördlichsten US-Bundesstaat Alaska tauen die Permafrostböden. Was eigentlich rund ums Jahr vereist sein sollte, bildet jetzt mit Tümpeln gepflasterte Tundra. Auf der 2. Europäischen Konferenz zu Permafrost in Potsdam berichteten US-Geologen darüber.

Von Volker Mrasek

Steht bald auf schwankendem Boden: Ölförderung in Alaska. (AP Archiv)
Steht bald auf schwankendem Boden: Ölförderung in Alaska. (AP Archiv)

Auch Wissenschaftler sind Menschen. Auch sie können sich irren. Ein noch junges Beispiel aus "Forschung aktuell". Der britische Antarktisforscher Alan Rodger in der Sendung vom 22. April:

"Die Antarktische Halbinsel erlebt derzeit eine Erwärmung sondergleichen. In den letzten 50 Jahren stieg die mittlere Lufttemperatur dort um 2,5 Grad - so schnell wie nirgendwo sonst auf der Welt."

Ein wirklich bemerkenswerter Trend. Doch Weltrekord ist er nicht. Davon hätte sich Rodger jetzt in Potsdam überzeugen können, auf der Europäischen Konferenz über Permafrost. In Potsdam präsentierte der US-Amerikaner Thomas Osterkamp noch dramatischere Zahlen. Osterkamp ist Geophysiker an der Universität von Alaska in Fairbanks. Dort, im nördlichsten Bundesstaat der USA, heizt sich der Globus offenbar im Moment am stärksten auf. Nicht im tiefen Süden, in der Antarktis. Sondern im hohen Norden, in der amerikanischen Arktis. Osterkamp:

"Wir haben Messreihen, die zeigen ein Plus von zwei bis drei Grad Celsius allein in den letzten 15 Jahren. Das ist enorm! Eigentlich unglaublich!"

Als Hot Spot der globalen Klimaerwärmung haben Osterkamps Messreihen Purdue Bay ausgemacht, einen Küstenstreifen ganz im Norden von Alaska. Man stellt sich eine kargen Flecken Tundra vor: baumlos und menschenleer, mit nichts als Gräsern, Flechten und ein paar kleinwüchsigen Sträuchern. Tatsächlich hat sich die unwirtliche Einöde in eine hoch industrialisierte Zone verwandelt ...

"Purdue Bay ist ein langer Küstenabschnitt, wo die Erdöl-Förderung in Alaska am stärksten vorangetrieben wurde in den letzten 30 Jahren. Es gibt dort viele Straßen und Förderbrunnen, aber keine Städte. Es leben schon einige tausend Leute dort, aber in Camps der Öl-Gesellschaften. Und dann gibt es da auch einen Flughafen. Er heißt "totes Pferd". Vor rund fünf Jahren musste er komplett neugebaut werden. Unter der alten Startbahn hatte sich Thermokarst gebildet."

Da ist es gefallen, das gegenwärtige Schreckenswort in Alaska: Thermokarst. Er entsteht, wenn der Permafrostboden im hohen Norden auftaut. Der einst tragfähige, dauerhaft gefrorene Grund mutiert zu einer hügeligen Landschaft mit lauter kleinen Tümpeln. Wo das Eis wegtaut, sinkt der Boden ab. Auch das ist eine Folge der gestiegenen Außentemperaturen. Sie pflanzen sich gewissermaßen in den Boden fort. Dort ist der Thermostress laut Osterkamp noch extremer ...

"Im Boden sind die Temperaturen an der Küste Alaskas sogar um drei bis vier Grad gestiegen. Auch das innerhalb von nur 15 Jahren."

Permafrostboden kann wenig oder viel Eis enthalten. Ist es wenig, dann füllt das gefrorene Wasser nur winzige Hohlräume zwischen den mineralischen Bodenpartikeln. Taut das Eis, füllen sich die feinen Poren mit Luft; das Bodengefüge aber bleibt stabil. Ist der Permafrostboden jedoch eisreich, wie die Forscher sagen, dann sieht die Sache anders aus. Dann ist der Untergrund von großen Eisklumpen und -keilen durchsetzt. Und wenn die schmelzen, sind die entstehenden Löcher so groß, dass der Boden förmlich in sich zusammensackt. Genau das geschieht in weiten Teilen Alaskas. Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Vladimir Romanovsky, ein Kollege von Osterkamp an der Universität in Fairbanks:

"Mit Hilfe von Computermodellen haben wir simuliert, wie sich das Klima in Alaska weiter entwickeln wird. Und die Modelläufe zeigen: Der Permafrost wird im Laufe dieses Jahrhunderts weiträumig auftauen."

Selbst in Purdue Bay, an der eisigen Nordpolarmeer-Küste, könnten die Bodentemperaturen mittelfristig bis auf null Grad Celsius steigen. Was das bedeuten würde, kann man sich leicht ausmalen: Wie schon der Flughafen, muss vielleicht schon bald die ganze Infrastruktur in dem riesigen Ölfördergebiet erneuert werden ...

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