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StartseiteUmwelt und VerbraucherAlgendiesel und Kunststoffflöten09.09.2009

Algendiesel und Kunststoffflöten

Botanikertagung in Leipzig zur sinnvollen Nutzung von Pflanzen

Bei der internationalen Botanikertagung, die seit Sonntag in Leipzig stattfindet, beraten 600 Wissenschaftler aus aller Welt über Möglichkeiten, Pflanzen als Energielieferanten zu nutzen. Erfolg verspricht dabei unter anderem ein Meeresgemüse.

Von Sven Näbrich

Algen im Auto? (IGP)
Algen im Auto? (IGP)

"Ja, das ist die größte Tagung, die wir haben in Deutschland für Pflanzenwissenschaften. Und hier trifft man eben alle, die irgendwie was Wichtiges auf dem Gebiet machen."

"Also ich hab einen Beitrag zu der Tagung, das führt mich hierher, und natürlich die vielen interessanten Beiträge, die ich mir anhöre und mich mit Kollegen austausche. Ich arbeite mit Algen."

"Es ist eigentlich immer schon so eine feste Größe in den Tagungen, die es in Deutschland gibt, so auf dem Gebiet Botanik, Pflanzenphysiologie, und da kommt man da eigentlich immer her."

Eine erste Verschnaufpause auf den Gängen des Leipziger Hörsaalgebäudes. An den Stehtischen unterhalten sich die Tagungsteilnehmer, tauschen Eindrücke aus. Bald geht es weiter mit Vorträgen über Proteintransport, Bio-Stress und Pflanzenphysiologie. Daten, Messzahlen, Statistiken. Vom Bild des klassischen Pflanzenforschers mit umgehängter Botanisiertrommel ist in Leipzig nicht viel geblieben. Auf der Botanikertagung geht es zwar immer noch um die Pflanzenwelt in ihrer Vielfalt – aber unter geänderten Vorzeichen, so Tagungspräsident Professor Christian Wilhelm:

"Die Biodiversität wurde früher einfach nur gemessen, indem man gezählt hat. Heute interessiert uns mehr die Frage - das können wir auch inzwischen mithilfe der molekularen Methoden relativ gut - versuchen zu verstehen, wie funktioniert die Interaktion zwischen Pflanzen. Also warum sind bestimmte Pflanzengemeinschaften als solche stabiler, und warum sind manche Pflanzengemeinschaften gegenüber zum Beispiel Umweltbelastungen relativ labil."

Denn nicht nur der Mensch, auch die Pflanzen müssen immer mehr Stress aushalten. Durch den Klimawandel nehmen Wetterextreme wie Hitze, Trockenheit und Starkregen weltweit zu. Die Forscher versuchen zu entschlüsseln, warum einige Arten besonders gut mit diesen Veränderungen zurechtkommen, andere hingegen nicht. In Leipzig geht es darüber hinaus um Pflanzen als künftige Energielieferanten - gerade vor dem Hintergrund bald aufgebrauchter Kohle- und Erdölressourcen. Große Hoffnungen setzen die Forscher dabei auf die Alge. Olaf Kruse von der Uni Bielefeld interessiert vor allem die Nutzung von Mikroalgen zur Gewinnung von Biotreibstoff. Denn, da ist sich Kruse sicher, die Alge ist der Rohstofflieferant für den Biodiesel der Zukunft - und pflegeleicht dazu.

"Die Alge hat gewisse Vorteile gegenüber den klassischen sog. Energiepflanzen: Sie wächst das ganze Jahr, sie kann kultiviert werden über 12 Monate im Jahr – das ist natürlich ein großer Vorteil. Sie benötigt relativ wenig Wasser und andere Ressourcen für ihr Wachstum. Man kann recht hohe Erträge erzielen pro Hektar, höhere Erträge in der Regel als mit klassischen Energiepflanzen. Und es ist ein gewisser Vorteil dadrin zu sehen, dass diese Algen auf Gebieten anziehbar sind, die eben nicht als Ackerland, als Ackernutzfläche benutzt werden."

Algendiesel – das ist noch Zukunftsmusik, wie vieles andere auch, was dieser Tage in Leipzig besprochen wird. Die Ideen reichen von der Nutzung der Photosynthese zur Herstellung von Wasserstoff bis hin zur Entwicklung sogenannter pflanzenbasierter Enzymtechnologien, um aus Holzresten hochwertige Kunststoffe zu fertigen. Zum Beispiel für Musikinstrumente, wie in einem Forschungsprojekt erprobt, so Tagungspräsident Christian Wilhelm.

"Ja, das war so ein Versuch einfach mal zu schauen: Kann man mit Holzreststoffen so was wie Kunststoffe ... also zum Beispiel Flöten werden ja oft aus Kunststoff heute hergestellt, kann man das damit herstellen. Und da haben wir festgestellt, das geht. Aber es geht noch nicht in die Produktion. Und das liegt eben daran, dass durch diese Enzymmodifikation das Holz deutlich noch nach vermodertem Holz riecht. Und auf so einer Flöte spielt natürlich niemand ..."

Die Zukunftsmusik auf einer natürlichen Kunststoffersatzflöte – es wäre auch zu schön gewesen. Aber was nicht ist, kann noch werden. Vielleicht in zwei Jahren bei der nächsten Botanikertagung.

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