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StartseiteLyrixAnd the winner is... Die Preisträger 201306.06.2014

And the winner is... Die Preisträger 2013

Bereits zum sechsten Mal kürt der Bundeswettbewerb »lyrix« zwölf junge Lyrik-Talente. Gemeinsam reisen die Preisträger Mitte Juni für ein verlängertes Wochenende mit literarischem Rahmenprogramm nach Berlin.

(Christian Sülz/Deutschlandradio)
Die Lyrix-Preisträger von 2013 am 13. Juni 2014 in Berlin (Christian Sülz/Deutschlandradio)

Im Literarischen Colloquium Berlin nehmen die Preisträger an einer Schreibwerkstatt mit den Autoren Nico Bleutge und Daniela Seel teil. Darüber hinaus erwarten die Jugendlichen Performance-Workshops und Sprechtrainings. Am Freitag, 13. Juni wird im Jüdischen Museum Berlin ab 13.00 Uhr die Preisverleihung stattfinden. Anschließend stellen die Preisträger ab 15.45 Uhr im Rahmen einer Lesung auf dem Lyrikmarkt des „poesiefestival berlin" ihre Texte vor.

Ein ganz besonderer Dank geht an dieser Stelle an die »lyrix«-Jury 2013, die sich zusammensetzt aus: Der Autorin und Verlegerin Daniela Seel, der Geschäftsführerin des Deutschen Museumsbundes, Anja Schaluschke, dem Lyriker Norbert Hummelt, Thorsten Dönges vom Literarischen Colloquium Berlin, dem Hauptabteilungsleiter Kultur des Deutschlandfunks, Dr. Matthias Sträßner, sowie Malte Blümke für den Deutschen Philologenverband.

Der Bundeswettbewerb »lyrix« wurde 2008 vom Deutschlandfunk und
dem Deutschen Philologenverband ins Leben gerufen. Seit 2012 kooperiert »lyrix« mit dem Deutschen Museumsbund. Inspirationsquelle und thematische Vorgabe für die monatlichen Leitmotivrunden sind Exponate aus den kooperierenden Museen sowie thematisch korrespondierende, zeitgenössische Gedichte. Gefördert wird der Wettbewerb vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

 

Die »lyrix«-Preisträger 2013 in alphabetischer Reihenfolge:

 

o.T.

die ich kannte die töten sie sind nicht wie du menschen im grenzland sind fremde die du kanntest verachten ihr seid nicht wie du die leute aus besseren kreisen die er kannte die hassen wir sind nicht wie du übertrieben verschönt götzen gleich die sie kannte verleugnen es ist nicht wie du verfolgt von mord hass distinktion die man kannte die schänden sie ist nicht wie du rein wie zu früherer zeit die wir kannten verbieten ihm sei nicht wie du held über helden die ihr kanntet die glauben du bist nicht wie du ein mensch unter menschen die sie kannten verkennen ich bin nicht wie du

(Philippe Bürgin aus Weil am Rhein
Jahrgang 1994
Gedicht zum Monatsthema: Ausgrenzung und Verfolgung
Mathilde-Planck-Schule Lörrach)

 

 

Herr Mozart

Dies irae
Dies illa
Tag des Zornes
Tag der Sünden
starker Glaube
große Angst
Herr Mozart
stoßen Sie
die Pforten
zur Hölle auf?
Wissen Sie
- schon -
was ich
- noch -
glauben soll?
Soll - ich -
glauben,
was ich sehe?
was ich fühle?
was ich sage?
was ich höre?
Herr Mozart
ich weiß -
ich glaube
an ihre Musik!
Glaube ich
an das
gesprochene Wort?
Es könnte
eine Lüge sein?
Und - wenn es
- doch -
die Wahrheit ist?
Herr Mozart
ich sehe
Ihre Noten
- und -
ich glaube
an ein Leben
vor dem Tod.

(Lara-Sophie-Eugenie Cronhardt-Lück-Giessen aus Pirmasens
Jahrgang 2000
Gedicht zum Monatsthema: Glaube
Immanuel Kant Gymnasium)

 

 

o.T.

Da saßen wir.
Salzige Knöchel, Blutige Sohlen, Sandige Zehen.
Ich hoffte auf Wasser
das uns wegspülen würde.
Dir reichte es würde es den Sand mitnehmen
und das Blut. vielleicht. meintest Du.
Wir hätten einander die Wunde geleckt
hätte es nicht so gebrannt.
Das Wasser kam zögernd.
Aber es kam.
Nahm den Sand mit blutigen Küssen.
Unsere Hände waren schnittelos und
färbten den Sand.
rot wo wir Halt suchten.
A little water clears us from this deed
betetest du mir ins Ohr.
Es blieb liegen dort.
Heißeres Möwenlachen, naive Gedanken und Meeresrauschen
Naivität lebt nur in unschuldigen Köpfen indeed.
Nichts für das man sich schämen müsste.
Du schwitztest Optimismus auf unsere Häute.
Er perlte ab. von meiner zumindest.
Stand dir schon immer besser.
Die Möwen flogen tiefer dann.
Leckten das Blut von der Wasseroberfläche.
Sie sind genau wie wir.
Nur dass man es von ihnen nicht erwartet hätte.
Das Wasser wurde sicherer.
Kam öfter und mit mehr Kraft.
Ich fütterte es mit Sandkreisen.
Weil dass das Einzige ist das uns geblieben war.
Die Wasserzungen fingen an sich
unsern vernarbten Füßen zu widmen.
Vorsichtig erst und dann fordernd.
Es war absehbar, dass sie sich nicht lange mit dem
Sand zufrieden geben würde.
Sie hatte Blut geleckt.
Genau wie wir.

(Johanna Fugmann aus Memmelsdorf
Jahrgang 1997
Gedicht zum Monatsthema: Meerwert
Dientzenhofer-Gymnasium Bamberg)

 

 

Marionetten

Sie hängen
Im Theater, Luft, Stille
Man spürt
Kinderlachen im Raume, das herrschte
Stunden zuvor
Sie werden
Nicht bewegt nur der Luftzug
Steuert
Normalerweise
Werden die Fäden gezogen
Von ihm, niemand weiß wer er ist,
man kann ihn nicht sehen
man spürt nur
ruckartige Bewegungen die
Arme hochreißen

Sie hängen
schwach dort und mitgenommen
Fäden aufgefasert, Spliss
sie wollen rennen, Scheren
sollen zerschneiden ein Leben, das wurde
von ihm gesteuert
sie wissen nicht wer er ist, wissen nur
sie wollen los und weg
doch wie schneiden
wie Scheren besitzen
wenn man nicht aus eigener Kraft die Arme heben kann
und schneiden
um dann doch nicht zu rennen weil die Beine knicken

Sie hängen
immer noch
schwach dort und mitgenommen
voll mit wehleidigen Hoffnungen und Träumen
schlaffe Bewegungen nicht mal er kann sie
lebenslustig machen
denn er weiß nicht
weiß nicht wie sehr sie in ihren Träumen
rennen.

(Lena Marie Hinrichs aus Wentorf bei Hamburg
Jahrgang 2000
Gedicht zum Monatsthema: Puppenspiel
Hansa-Gymnasium Bergedorf)

 

 

Frag nicht!

Geschlechterrollen hatten noch nie
wirklich Sinn und überhaupt
sollte ein kritischer
Gedanke nicht ein rein
kritischer Gedanke sein?

ganz abgesehen von den Ohren bist
du doch auch nur
wie ich ganz ohne
die Frage der Vernunft
über die wir alle,
wir beide verschieden
absolut erhaben sind

ob du nun weinst
ich nachdenke oder uns
die Farbe der Kleider
anders wirken lässt
ist das wohl die
einzige sinnvolle Antwort!

siehst du etwa da irgendwo
ein Lächeln in meinem Gesicht?
wo deines ist braucht
niemand wieder zu fragen
keiner will ja ernsthaft
behaupten uns stiegen
die Wellen aus dem
Schleier empor

Nein! Um bei der Sache
zu bleiben, so kann
der Inhalt der Augen
dem Inhalt der Augen
im Inhalt der Augen
wegen sich selbst
schädlich, um nicht
töricht interpretierbar
zu sein

wenn ein Betrachter
angestrengt nach einer
Zuflucht vor uns
in uns sucht
wird er sie wenn
er sie sucht
bei sich in uns
finden

(René Kartes aus Riegelsberg
Jahrgang 1996
Gedicht zum Monatsthema: Unter vier Augen
Gymnasium am Schloss Saarbrücken)

 

 

347 blechmaschinen

die spieluhr singt "man seh ich müde aus"
mal wieder ne nacht auf der straße verbracht
freilichtmuseum der untergänger, kinderfänger
dazwischen the promise of freedom

tote blumen exhumiert, abgase inhaliert
uuuh baby breathe baby baby breathe breathe
zwischen müll gesessen, satt gefressen
raupen eingesammelt und unter glas zum brennen gebracht

angeeckt, zecken geweckt, schnecken zementiert
keck auf dem schrottplatz der lichter getanzt
an den rändern abgeranzt
das gelände abgesteckt

lichterloh, lichterfroh, fronleichnam
im teich mann, wohnen fische
kriechen lurche und obdachlose
schürfen sich die gelenke auf

habe gesichter gezählt
bohnen gesäht
die wachsen jetzt durch den asphalt, werden zum wald
metarmorphose: auto wird eichhörnchen

die kinder backen sandkuchen aus beton
ihre förmchen dümpeln am trottoir herum
gerümpel verrottet in den sümpfen

auf die straße geascht nach halt gehascht
den abfluss hinabgesickert
ich spülte mich aus, brannte weg
kein himmel mehr zum anhimmeln
nur noch ruß und untergrund
land unter
dreh´ die welt wieder bunter

347 blechmaschinen

(Helena Kieß aus Dresden
Jahrgang 1996
Gedicht zum Monatsthema: ...auf der Straße
Evangelisches Kreuzgymnasium Dresden)

 

 

Nachtfalter

kalt.
kalt und röchelnd fließt der letzte saft aus seinen venen man
hatte sie ihm aufgeschnitten, seine existenz
ausgehöhlt

kein nachlass, außer dem alten klavier, die
wohnung war leer

sein wissen um das leben das er trug,
verschwimmt im erbrochenen er
war alkoholiker

zuletzt hatte die sucht das vorangegangene fortgebrannt, im
nebel des wahnes waren selbst die erste zelle des traumes, die letzte
gemütsregung der verrottenden organe

erloschen

im oktoberbeton krümmte sich die raupe das letzte mal und

im kokon erstickt

Es ist Dezember und der letzte Tropfen stirbt
im Schnee mit der Erinnerung an den vergessenden Vergessenen.

(Elias Peschke aus Bad Dürkheim
Jahrgang 1995
Gedicht zum Monatsthema: Archiv
Werner-Heisenberg-Gymnasium)

 

 

Gesang der Gemäuer in fruchtbarem Boden
(ehemals)

heute hatte
es geregnet Planen
hingen durch wir
stießen dagegen von
unten Wasserfälle für
Sekunden noch
wussten wir, wie Regen auf Ziegeln
klang an Fensterscheiben der
Tag war uferlos
deine Hände alt geworden
nach den Jahren
wusste ich nicht mehr vor wem
wir flüchteten
auch du nicht
wer
interessiert sich schon
für das Glück
durchnässt sehen wir
zu wie unser Leben
druckreif wird

(Ansgar Riedißer aus Renningen
Jahrgang 1998
Gedicht zum Monatsthema: Druckreif
Gymnasium Renningen)

 

 

Geschwister

Alles hinter uns gelassen
alle Brücken angezündet
und den grauen Menschenmassen
ihren Untergang verkündet.

Nun sind wir zu zweit alleine
auf der ewiglangen Suche
und wenn ich vor Kälte weine
halt mich fest unter der Buche!

"Schwester, meiner Lippen Honig
sag, was ist da, in der Ferne?"
Antwort gibt sie mir lakonisch:
"Nur die selben alten Sterne."

Doch ich seh' die Nebeldecke
die auf unserm Wege liegt
und auch wenn ich mich verstecke
fallen muss, wer ewig fliegt.

(Vladimir Schadrin aus Blieskastel
Jahrgang 1996
Gedicht zum Monatsthema: Ausgrenzung und Verfolgung
Von der Leyen-Gymnasium)

 

 

Die Straße von unten

Dunkle Stiefel mit spitzen Hacken
Braune, ausgetretene Schuhe
Kleine, bunte Kinderschuhe
Schlendern
Hüpfen
Schreiten
Die Straße entlang.
Bewegen sich zu einem Klang
von unhörbarer Musik.
Ein einstudierter Tanz
ganz ohne Absprachen.
Die Menschen achten
es nicht.

(Rebekka Stahlhut aus Buchholz i.d.N
Jahrgang 1999
Gedicht zum Monatsthema: ...auf der Straße
Albert-Einstein-Gymnasium)

 

 

Weg

Versteh es nicht falsch, denn
seit jener Stunde blieb ich hier, hab mit
meinem Atem deine Worte gezählt, die
hängen geblieben sind, zwischen Asphalt
und Schaufenstern im Neonlicht.

Seit dir und jener Stunde will ich
nichts wissen vom Bordstein und vom roten Laub,
ich will es weder vom ersten Winterregen
unter sommerlich gelben Markisen
noch vom Echo des Tages, in dunklen Gassen erfahren:

Dass du nicht mit mir bist,
denn deine Seele wanderte nie auf meinen Straßen und
dein Gesicht sieht fremde Berge,
am Horizont vielleicht ein Meer, dieses Mal
ohne mich.

Versteh es nicht falsch, ich habe einst
die Stadt gewollt, habe den Stein gewählt gegen
deine Augen -
blicke, doch
seit dir will ich

aufs Dach, will ich, zu Sternen und Kälte
unter den Fußsohlen, seit dir
will ich wandern bis mein Atem bricht,
bis mein Herz zerbricht, seit dir will ich
weg,

auch zu den Lichtern, die aufgehen,
fern und blass, die mich rufen
zu suchen bis nichts mehr zu finden ist,
die leuchten
und doch schon längst erloschen

sind, wie ich.

(Svana Stemmler aus Handeloh
Jahrgang 1997
Gedicht zum Monatsthema: ...auf der Straße
Süderelbe Gymnasium)

 

 

Gut getroffen

Gut getroffen.
Der Himmel ist wolkenlos, die Sonne scheint.
Sie scheint, um uns zu schmeicheln.
Wir gehen die Straßen entlang.
Wir, die Clique.
Die Clique der Coolen.
Wir sind zusammen, stark, grenzenlos.
Und da ist sie.
Sie ist anders als wir.
Sie, die sich nicht in dieser Welt einfügen kann,
die Sandalen mit Socken trägt und Nutella mit Wurst isst.
Sie gehört nicht hierher.
Sie ist befremdlich.
Wir fixieren unser Ziel.
Wir laden das Gewehr.
Wir schießen.
Sie fällt.
Gut getroffen.

Der Himmel ist wolkenlos, die Sonne scheint.
Sie scheint, um mich zu verhöhnen.
Ich gehe die Straßen entlang.
Ich, die Andere.
Der Inbegriff der Andersartigkeit.
Ich bin allein, anders, ausgestoßen.
Und da sind sie.
Sie sind anders als ich.
Sie, die sich eine Welt aufgebaut haben
Mit ihren Regeln und ihren Werten.
Doch die Eintrittskarte für mich haben sie vergessen.
Sie sind gefährlich.
Sie fixieren das Ziel und schauen auf mich.
Sie laden das Gewehr und öffnen den Mund.
Sie schießen.
Mit boshaften Begriffen und wütenden Worten.
Sie schießen mit spöttischer Sprache.
Die Munition ist billig.
Die Wirkung ist stark.
Sie schießen.
Ich falle.
Gut getroffen.

(Jing Wu aus Dortmund
Jahrgang 1995
Gedicht zum Monatsthema: Ausgrenzung und Verfolgung
Käthe Kollwitz-Gymnasium)

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