Sonntag, 17.12.2017
StartseiteMarktplatzProgrammieren ist wie ein Hausbau02.03.2017

Arbeit eines App-EntwicklersProgrammieren ist wie ein Hausbau

Ein Smartphone ohne Apps ist eigentlich gar nicht vollstellbar. Die Entwicklung dieser kleinen Programme ist aber mit viel Arbeit verbunden. Oft dauert es Monate, bis sie richtig funktionieren und alle Fehler ausgebügelt sind. Die Arbeit sei vergleichbar mit dem Bau eines Hauses, sagt ein App-Programmierer.

Von Susanne Arlt

Ansicht eines Smartphone-Bildschirms mit den Apps "Einstellungen", Twitter, Snapchat, Instagram, VSCO, ARD-Mediathek, Netflix und ZDF (dpa / Rolf Vennenbernd)
Die Apps von Twitter, Snapchat, Instagram, Netflix und den Mediatheken von ARD und ZDF auf einem Smartphone. (dpa / Rolf Vennenbernd)
Mehr zum Thema

Eno, Björk und Co. Wenn Musiker mit Apps experimentieren

Schlafstörungen "Apps sind keine Therapie"

Bezahlen 4.0 Apps bieten Banken die Stirn

Smart Farming Sensoren und Apps erobern den Spargel-Acker

Digitale Bildung für Geflüchtete Apps statt Lehrer?

Gesundheits-Apps Herz und Schritt im Netz

Obwohl es in seinem Arbeitsalltag nur so von Quellcodes wimmelt, wie ein Nerd sieht Thomas Kollbach nicht aus. Dreitagebart, bequemer Wollpulli, ein freundlicher, offener Typ. Kollbach sitzt über seinem Laptop in einem Berliner Büro, ruft den Quellcode einer App auf. In einer Programmiersprache ist sie quasi die für Menschen lesbare Variante der Software, erklärt der 34-Jährige. Mit zwei Kommilitonen hat der Informatiker vor ein paar Jahren die Evenly GmbH gegründet. Ohne die Codes geht es nicht. Um eine App zu schaffen, sagt Kollbach, braucht es jedoch mehr als nur eine Programmiersprache.

"Empathie ist sicherlich ein Faktor, Empathie und ein Verständnis dafür, wie Entscheidungsprozesse funktionieren. Also man kann eine App nicht nur mit einem Softwareentwickler entwickeln. Man braucht einen Designer, man braucht einen Produktmanager, der dieses Gesamtpaket im Blick hat. Man braucht Tester, man braucht User-Experience-Experten, es gibt also sehr, sehr viele Bereiche." 

Auf dem Computer-Display vor ihm tauchen im Sekundentakt neue Zeilen mit neuen Zahlen auf. Das Bild erinnert irgendwie an die Matrix im gleichnamigen Film. 

Monatelange Tüftelei

Der App-Entwickler verbindet das Smartphone mit dem Laptop. Auf dem Handy erscheint plötzlich eine orangefarbene, quadratische Grafik. Die App des Fernsehsenders arte. Thomas Kollbach tippt auf die Oberfläche, Herzlich willkommen in der Version 4.5 steht dort! Außerdem, dass der Videoplayer verbessert worden sei. Thomas Kollbachs Team hat den Code geschrieben. Er tippt auf einen Programmhinweis.

"Diese menschenlesbare Version der Programmiersprache wird quasi übersetzt von einer Komponente, die sich Compiler nennt. Und dieser Compiler verwandelt das dann in Maschinencode. Also in die Sprache, die der Prozessor des Telefons versteht."  

Was simpel klingt, bedeutet in Wirklichkeit monatelange Tüftelei. Bis eine App programmiert ist und auf dem Display fehlerfrei funktioniert, vergehen oft Monate. Und Programmiersprache ist nicht gleich Programmiersprache. Für iPhones verwendet man Swift, Android-Geräte laufen auf Java. Einzelne Programmierschritte kann Thomas Kollbach zum Glück schon während der Programmierung auf dem Handy testen. 

Immer die gleichen Arbeitsschritte

"Man schreibt halt ein Stück Code, dann kann man den schon ausprobieren und dann findet man zum Beispiel einen Fehler, weil man irgendwas falsch gemacht hat, das kommt sehr oft vor. Es ist ein ständiger iterativer Prozess. Man wiederholt immer wieder die gleichen Schritte und baut so Stück für Stück und probiert immer wieder einzelne Komponenten aus. Und schaut, ob alles so funktioniert, wie man es sich vorstellt und dann baut man weiter an der nächsten Komponente."

Eine Komponente ist zum Beispiel der Videoplayer, eine andere die Lupe für die Suchmaske. Die Erstellung einer App vergleicht Thomas Kollbach mit dem Bau eines modularen Einfamilienhauses. Erst hebt man die Grube für den Keller aus, danach gießt man das Fundament, zieht die Wände hoch, am Ende kommt das Fertigdach drauf und wer es sich leisten möchte, baut noch eine Garage an. 

"Ein gutes digitales Produkt macht halt aus, dass es einfach zu benutzen ist, dass es simpel ist für den Nutzer, aber doch sehr viele Möglichkeiten bietet und die richtige Balance zu finden, ist oft die Herausforderung."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk