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StartseiteCampus & KarriereArbeitsmigranten heute28.02.2007

Arbeitsmigranten heute

50 Jahre Römische Verträge in "Werkstatt Europa"

Als vor 50 Jahren die Gründerstaaten der Europäischen Union die so genannten Römischen Verträge unterzeichneten, wollten sie Barrieren niederreißen. So lockerten sie in großem Umfang die Reise-, Aufenthalts- und Arbeitsbeschränkungen innerhalb Westeuropas. In den Folgejahren wanderten zigtausende Jobsuchende von einem EU-Land ins andere, unter ihnen, wenn auch in der Minderzahl: hoch qualifizierte Akademiker.

Von Jens P. Rosbach

Europa erleichtert grenzüberschreitendes Arbeiten.  (AP)
Europa erleichtert grenzüberschreitendes Arbeiten. (AP)
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Werkstatt Europa
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Ein Riesen-Labor mit Laserstrahlern, Druckluftbehältern, Rohren, Pumpen und Monitoren: die Welt des Molekularphysikers Gerald Meijer. Der 44-jährige Professor arbeitet am Berliner Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft - und kommt aus Holland.

"Die Forschungsmöglichkeiten, die hier an einem Max-Planck-Institut in Deutschland geboten werden, sind derartig, dass man dann auch aus dem Ausland gerne dahin kommt. "

Ein nobles Institut, ein großes Budget und maximale Entscheidungsfreiheit - das lockte den Experten für Ammoniak-Moleküle nach Deutschland. Meijer berichtet, die Auswanderung seiner Familie vor fünf Jahren sei wie ein Umzug innerhalb des eigenen Landes gewesen. Bis auf einige Ausnahmen.

"Es gab dann ein paar Probleme, dass einige Sachen dann zwischen dem einen Land und dem andern EU-Land nicht übertragbar sind. Zum Beispiel Rentenansprüche, die man in einem EU-Land aufgebaut hat - und wenn man in ein anderes EU-Land geht, dass man die nicht mitnehmen kann. Das kompliziert es schon. "

Meijer radelt jeden Tag von seinem Wohnhaus zum Institut, manchmal sitzt seine Frau auf der Fahrradstange und seine Tochter auf dem Gepäckträger. Als Holländer falle man schon auf in Deutschland, berichtet der Professor. Auch weil er alle Leute freundschaftlich duze und nicht auf den Status der Mitarbeiter gucke - wie das eben in seiner Heimat üblich sei.

"In Deutschland gibt's da immer die Idee, dass wenn man sich duzt, dass dann auch der Respekt verloren geht. Aber in Holland ist das nicht so. Ich meine, man kann sich einerseits duzen und ganz klar seine Meinung sagen. Ein Diplomand kann gegen einen Professor sagen, dass es Schwachsinn ist, was er sagt. Und das wird er auch sagen. Und das wird auch völlig akzeptiert. Aber das geht auf so eine Art, dass der Respekt nicht verloren geht. "

Ortswechsel - ein Labor am Forschungsreaktor des Berliner Hahn-Meitner-Instituts. Hier arbeitet Karel Prokes, der ebenfalls Physiker ist - aber aus einem n e u e n EU-Land stammt: aus Tschechien. Der 39jährige ist nach Deutschland gezogen, weil es hier mehr Großgeräte für seine Experimente gibt - für Experimente, die sich mit dem Magnetismus von Uran beschäftigen. Doch so sehr ihn die Arbeit auch faszinierte - der Tscheche hatte Probleme, sich einzuleben. Prokes erklärt, hierzulande seien die Leute anfangs immer etwas kühl.

"Am Anfang hatten wir Probleme mit Integration wirklich. Wir hatten nur Freunde von meiner Arbeit oder von der Volkshochschule, welche meine Frau jeden Tag besucht hat, um deutsche Sprache zu lernen. Aber mit der Zeit, nach der Geburt unserer Tochter, hatten wir plötzlich viele viele Freunde, die wir im Kindergarten oder auf den Spielplätzen oder beim Arzt kennen gelernt haben. "

Für den Zugewanderten waren auch die Verwaltungsabläufe an seinem Arbeitsplatz neu; die Deutschen seien viel bürokratischer, klagt der Grundlagenforscher.

"Sie lieben mehr Papier, Papiere, interne Mitteilungen. Alles, was geschrieben auf Papier ist, ist viel wichtiger. Und Leute von Tschechien lösen vielmehr persönlich die Sachen. Gespräch ist das Mittel und nicht interne Mitteilung. "

Die beiden Arbeitsmigranten fühlen sich summa summarum sehr wohl in Deutschland. Einen deutschen Pass wollen die beiden dennoch nicht beantragen - als EU-Bürger hätten sie bereits jetzt viele Rechte, erklären sie. Und wenn schon, so Holländer Meijer, würde er ein Papier haben wollen, das blau ist und 12 Sterne hat.

"Eine EU-Bürgerschaft oder Staatsbürgerschaft - das ist es, was man bräuchte! "

Die Debatte um die Zukunft Europas soll nicht allein Politikern und Experten vorbehalten bleiben. Deshalb laden wir Sie ein, sich in unserem "Euroblog" an dieser Diskussion zu beteiligen. Gefragt ist Ihre Meinung zu sechs wichtigen Zukunftsthemen der Europäischen Union.

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