Campus & Karriere / Archiv /

 

Ausländischen Fachkräften den Start erleichtern

Ein neues Welcome-Center in München will bürokratische Hürden abbauen

Von Burkhard Schäfers

Deutschland gehen die Fachkräfte aus, also müssen Spitzenleute aus dem Ausland her.
Deutschland gehen die Fachkräfte aus, also müssen Spitzenleute aus dem Ausland her. (picture alliance / dpa - Hendrik Schmidt)

Ausländische Spitzenkräfte erwartet hierzulande ein mühsamer Weg durch die Behörden - vom Anmelden im Bürgeramt bis hin zum Warten auf den Aufenthaltstitel. In München soll das künftig einfacher werden: mit einem Willkommens-Center für Fachkräfte aus dem Ausland.

Yun-Hsien Kuan aus Taiwan ist schon seit einigen Monaten in Deutschland, ihre endgültige Erlaubnis – den sogenannten Aufenthaltstitel – hat sie aber noch nicht. Das dauert. Heute hat die Marketing-Spezialistin einen Termin in der Münchner Ausländer-Behörde, um ein paar Formulare zu unterschreiben und ihre Fingerabdrücke abzugeben.

"Dann bräuchten wir noch die Fingerabdrücke, von der rechten Hand den Zeigefinger dort bitte auf das kleine Kästchen legen."

Yun-Hsien Kuan arbeitet für die Deutschlandzentrale einer amerikanischen Firma, sie ist dort unter anderem für das Geschäft im asiatischen Raum zuständig. Zuvor hat die 30-Jährige ihren Studienabschluss – einen Master oft Business Administration – in Barcelona gemacht:

"In Spanien hatte ich ein Studenten-Visum. Das war nicht sehr kompliziert zu bekommen. Das ging schneller als hier, wir haben unsere Aufenthaltserlaubnis so nach ein bis zwei Monaten bekommen. Ja, in Spanien ging es schneller."

Zu viel Bürokratie – manche Spitzenkraft, die überlegt nach Deutschland zu kommen, schreckt das ab. Deshalb wollen die Münchner Behörden so viele Stolpersteine wie möglich abbauen, erklärt die stellvertretende Leiterin des Kreisverwaltungsreferats, Claudia Vollmer:

"Die haben keine Lust, andauernd bei der Ausländerbehörde vorzusprechen und dann auch noch stundenlang zu warten. Das war für die Ausländerbehörde München und das Kreisverwaltungsreferat Anlass, darüber nachzudenken, wie wir die komplizierten und auch eher komplizierter werdenden bürokratischen Abläufe verbessern können."

Bald wird es in München eine zentrale Anlaufstelle für ausländische Fachkräfte geben. Derzeit kann es drei oder vier Monate dauern, bis jemand seinen Aufenthaltstitel erhält – falls die Familie mit umzieht sogar noch länger. Künftig soll es mindestens doppelt so schnell gehen. Franziska Döbrich, die Leiterin der Ausländerbehörde, will möglichst viele Aufgaben im neuen Zentrum zusammenfassen – und stellt dafür zusätzliche Sachbearbeiter ein:

"Wir hoffen, kurzfristigere Termine ausgeben zu können. Wir hoffen, eine Terminvereinbarung schon aus dem Ausland zu ermöglichen. Oftmals ist es auch so, dass Firmen mehrere Leute gleichzeitig einreisen lassen. Wenn wir das bündeln können, kann ein Sachbearbeiter gleich gelagerte Fälle bearbeiten. Und das geht dann alles schneller. Die Firma hat nur noch einen Ansprechpartner, und nicht über die ganze Ausländerbehörde verteilt zehn Ansprechpartner für zehn Einzelfälle."

Seit einem halben Jahr ist die sogenannte Hochqualifizierten-Richtlinie in Kraft, die es ausländischen Fachkräften erleichtern soll, in Deutschland zu arbeiten. Schon davor haben Unternehmen verstärkt im Ausland nach Ingenieuren, Naturwissenschaftlern oder IT-Experten gesucht. Ausländer-Behörden in Städten mit großen Arbeitgebern haben dadurch deutlich mehr zu tun. So hat sich die Zahl der Aufenthaltsgenehmigungen in München binnen zwei Jahren fast verfünffacht. Auch Personal-Abteilungen wenden sich häufiger mit Fragen zur komplizierten Rechtslage an die Behörde.

Döbrich: "Wir werden Ansprechpartner sein für Firmen, auch für Nachfragen aus dem Ausland, wenn jemand nach München kommen und wissen möchte, was sind die Voraussetzungen – das wird dann alles zentral in dieser Einheit erledigt."

Die bayerische Landeshauptstadt will ausländischen Spitzenleuten den Start hierzulande künftig so leicht wie möglich machen – aus gutem Grund: Eine Studie geht davon aus, dass in Deutschland in den nächsten Jahren zwei Millionen Fachkräfte fehlen. Deshalb überlegen auch andere Großstädte, eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen. Kritikern, die meinen, hierzulande gebe es doch genug qualifizierte Arbeitnehmer, versucht die Chefin der Münchner Ausländer-Behörde den Wind aus den Segeln zu nehmen:

"Die Erteilung des Visums und der Aufenthaltserlaubnis setzt voraus, dass ein Arbeitsvertrag vorhanden ist. In der Regel ist auch die Zustimmung der Arbeitsagentur erforderlich. Zum Beispiel im Krankenpflegebereich wird vorher geprüft, ob es Bewerber gibt. Und da ist in den letzten drei, vier Jahren eigentlich jeder Antrag durchgegangen, weil München einen ganz großen Bedarf an Fachkräften hat."

Im neuen Münchner Business- oder Welcome-Center – der genaue Name steht noch nicht fest – landen künftig alle ausländischen Fachkräfte: Neue Dirigenten der Münchner Philharmoniker, die Profi-Fußballer des FC Bayern oder die aus Korea angeworbene Krankenschwester. Die Stadt hofft, dass sie dort einen guten ersten Eindruck hinterlässt – wie offenbar bei der taiwanesischen Marketing-Expertin Yun-Hsien Kuan:

"Kalt ist es hier. Aber München ist eine schöne, ruhige und saubere Stadt."

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Campus & Karriere

FlüchtlingskinderIntegrationsförderklassen platzen aus allen Nähten

Ein Klassenzimmer mit Tafel. 

Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland. Und damit gibt es auch mehr schulpflichtige Kinder, die kein Wort Deutsch sprechen. Viele Schulen haben deswegen Integrationsförderklassen, in denen die Kinder auf den normalen Unterricht vorbereitet werden, wie an der Hauptschule Grillostraße in Gelsenkirchen.

Hochschulpolitik Bundesrat beschließt gelockertes Kooperationsverbot

Turboabitur in Nordrhein-Westfalen"Es macht einen Riesenunterschied"

Gymnasiallehrerin Theresa Neudecker sitzt in einem Gymnasium in Straubing / Bayern vor einer Tafel mit der Aufschrift "G8" und "G9".

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will an G8 - dem Abitur nach zwölf Jahren - festhalten. Bürgerinitiativen wie die von Marcus Hohenstein kritisieren diesen Weg. Kinder würden dabei zu sehr unter Stress gesetzt, sagte er im DLF. Außerdem könnte die Regierung mit G9 viel Geld einsparen.