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StartseiteWissenschaft im BrennpunktInnenansichten eines Außenseiters 05.07.2015

Autobiografie von Oliver Sacks Innenansichten eines Außenseiters

Der aus England stammende Oliver Sacks wurde vor allem mit medizinischen Fallgeschichten wie "Die Zeit des Erwachens" bekannt. Als Neurologe bewahrt er sich den Blick für das Ungewöhnliche und Rätselhafte. Mit treffenden Worten und großer Offenheit blickt Sacks in "On the move" nun auf sein eigenes Leben zurück.

Von Michael Lange

Der britische Neurologe und Schriftsteller Oliver Sacks (Imago/leemage)
In seiner Wahlheimat Kalifornien stemmte der junge Oliver Sacks Gewichte am Muscle Beach in Los Angeles und machte Erfahrungen mit Drogen. (Imago/leemage)

Nur wenige Autoren können menschliche Schicksale und aktuelle Fragen der Wissenschaft so einfühlsam, nachdenklich und unterhaltsam präsentieren wie der aus England stammende Neurologe Oliver Sacks. Mit seinen medizinischen Fallgeschichten, hat er eine verloren geglaubte literarische Form zu neuem Leben erweckt. "Die Zeit des Erwachens" oder "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" wurden zu Klassikern der medizinischen Literatur. Nun blickt der Autor zurück auf sein eigenes Leben, und seine Leser lernen einen neuen Oliver Sacks kennen.

Als englischer Arztsohn sucht er in den 50er- und 60er- Jahren seinen Platz in der Welt, vor allem aber sucht er nach Anerkennung. Er interessiert sich früh für Naturwissenschaften, insbesondere für Chemie. Aber obwohl er es immer wieder versucht, bleiben seine Gehversuche in der Forschung erfolglos. Er folgt den Spuren seiner Eltern und wird Arzt. Als Neurologe bewahrt er sich den Blick für das Ungewöhnliche und Rätselhafte. Das Gehirn wird zu seinem großen Thema. Als Arzt bleibt er ein Außenseiter, aber als Autor medizinischer Fallgeschichten erfährt er letztlich die Anerkennung, die er sich wünscht und die er verdient.

Flucht aus der englischen Heimat

Auch privat verläuft sein Weg nicht gradlinig. Als seine Mutter erfährt, dass ihr Sohn homosexuell ist, reagiert sie mit den Worten: "Ich wünsche, du wärest nie geboren." Die Beziehung zu ihr scheint dauerhaft zerstört. Bevor er Frieden mit seinen Eltern und seiner Heimat schließen kann, muss er in die Welt hinaus. Wie auf der Flucht vor seiner Familie und vor sich selbst, verlässt Oliver Sacks seine englische Heimat und fliegt nach Kalifornien. Er findet immer wieder Freunde, aber bleibt doch ein Außenseiter: Ein junger Mann mit starken Gefühlen, der nicht weiß, wohin mit all seiner Energie. Er liebt einsame Fahrten mit dem Motorrad durch die Landschaft Kaliforniens, stemmt Gewichte am Muscle Beach in Los Angeles und macht Erfahrungen mit Drogen.

Mit einfachen, treffenden Worten und großer Offenheit blickt Oliver Sacks zurück auf sein Leben. Einfühlsam und ohne vorschnelle Urteile beschreibt er die Menschen, denen er begegnet ist. Wer seine früheren Bücher kennt und liebt, lernt hier eine neue Seite des Oliver Sacks kennen. Es ist, als ob ein alter Bekannter im Gespräch über seine Erfahrungen berichtet, und dabei lernt man ihn von einer ganz neuen Seite kennen. Wer andere Bücher von Oliver Sacks mit Interesse verschlungen hat, wird auch diese Autobiografie genießen.

Oliver Sacks: "On the move: Mein Leben"
Aus dem Englischen übersetzt von Hainer Kober
Rowohlt, 448 Seiten, 24,95 Euro
ISBN: 978-3498064334

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