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StartseiteCampus & Karriere"Bachelor Welcome"29.06.2004

"Bachelor Welcome"

Hochschulen und Unternehmen wollen Akzeptanz der neuen Abschlüsse vergrößern

<em>Nen reinen Bachelor hätt’ ich nicht gemacht. Da hätt’ ich das althergebrachte Diplom schon vorgezogen, weil es momentan doch noch etwas mehr Inhalt bietet als der Bachelor.</em>

Von Eike Petering

Auch BMW hat Anforderungsprofile mit entwickelt (AP)
Auch BMW hat Anforderungsprofile mit entwickelt (AP)

Julius Teske sieht den neuen Abschluss skeptisch. Der Student des Wirtschaftsingenieurwesens an der FH München gehört zu einem kleinen Kreis Auserwählter, die BMW besonders fördert.
Wenn schon einen von den 1999 von den europäischen Bildungsministern beschlossenen angloamerikanischen Abschlüssen, dann ist es für ihn ganz klar der Master. Den will Julius Teske in Frankreich machen.

Ich werde ab Januar nach Grenobel gehen. Das ist eine Partnerhochschule von der FH München, die also auch Stipendien bieten für Studenten der FH München und da möchte ich den Master in International Business noch oben drauf setzen.

Mit dem Master in der Tasche wird es Julius Teske kaum schwer fallen, einen Job zu finden. Doch obwohl auch der Bachelor ein weltweit etablierter Abschluss ist, hapert es mit dessen Akzeptanz hierzulande noch gewaltig. Professor Hermann Mader, Dekan des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik der FH München, stellt das bei seinen Studenten immer wieder fest.

Die Bachelor Absolventen, die direkt untergekommen sind, die kann man an einer Hand abzählen. Deswegen haben die Bachelor Absolventen in unserem Fachbereich noch ein Zusatzsemester draufgesattelt, um den Diplomabschluss zu erwerben.

Beim Diplom wissen die Firmen, woran sie sind. Beim Bachelor ist das anders, meint Martina Erwig, die bei BMW für Personalmarketing und Nachwuchskräftesicherung zuständig ist.

Für die meisten Unternehmen ist die größte Schwierigkeit bei den Bachelor Studiengängen einfach die Intransparenz, dass die Ausgestaltung der Studiengänge insgesamt sehr heterogen ist und von daher auch schwer zu bewerten.

Doch weil der Bachelor bis 2010 europaweit die alten Abschlüsse abgelöst haben wird, haben die Firmen gar keine andere Wahl: Sie müssen sich mit den neuen Inhalten befassen. Bei BMW macht das der hochkarätig besetzte "Hochschulstrategiekreis". Darin formulierte neben Erwig, dem Personalvorstand und den Fachvorständen auch der Leiter der Personalentwicklung, Christoph Zeckra, Fragestellungen.

Welche Positionen kommen eigentlich in Betracht für Bachelor? Welches sind unsere Anforderungen an Bachelor? Was heißt für uns Internationalität eines Bachelor Studiums?

Daraus entstanden konkrete Anforderungsprofile, mit denen BMW dann an ein halbes Dutzend bayerischer Fachhochschulen herantrat. Fremdsprachen stehen etwa ganz oben auf der Wunschliste.

Wir fordern: 25 Prozent der Semester sollen auf Englisch laufen. Damit haben wir uns relativ weit aus dem Fenster gelehnt, denn nicht jeder Dozent ist perfekt in der englischen Sprache kommunikationsfähig. Für uns ist es notwendige Voraussetzung.

Die Fachhochschulen reagierten dennoch erfreut über die klar formulierten Anforderungen. Professor Mader hält die neuen Bachelor Studiengänge für eine große Chance, neue Inhalte in die Ausbildung zu bringen. Zum Beispiel Soft-Skills.

Oskar von Miller, dieser bayerische Elektrotechnik-Pionier hat’s einmal hervorragend ausgedrückt: Die Ingenieure sind die Kamele, auf denen die Kaufleute reiten. Weil sich die Ingenieure nicht so gut ausdrücken können wie die Kaufleute.

Dass sich mit dem Bachelor einiges verbessern kann, meint auch Julius Teske. Eingefahrene Studiengänge würden endlich vom Mehltau befreit.

Ich hab festgestellt, dass über die acht Semester, die ich jetzt an der Fachhochschule verbracht hab, sich einiges bewegt hat, vor allem dadurch, dass auch immer wieder Studenten, die bei BMW an dem Programm teilnehmen, sich mit dem Dekan in unserem Fachbereich abgesprochen haben, so dass also auch neue Studieninhalte hinzugekommen sind.

Auf einen regen Austausch zwischen Hochschulen und Unternehmen hoffen alle Beteiligten an "Bachelor Welcome". Gerade die Fachholschulen sehen in einer gemeinsamen Entwicklung von Lehrplänen Chancen. Und für die Studenten kann sich die Partnerschaft auch sehr schnell bezahlt machen, sagt Martina Erwig.

Das ist nicht anders als bisher beim Diplom auch. Wenn ich weiß, dass der Student von einer Hochschule kommt, die wir bereits als gut kennen, ist das ein Vorteil.

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