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StartseiteUmwelt und VerbraucherBelastete Zukunft18.05.2009

Belastete Zukunft

Der Abbau des begehrten Uran in Afrika hat weitreichende Folgen

Radioaktives Uran ist der Rohstoff aller Atomenergie. Viele Industrienationen denken derzeit über den Bau neuer Atomkraftwerke nach: Der Bedarf an Uranerz wird daher wohl wachsen. Die Uranindustrie will dieses vor allem in Afrika fördern. Doch Umwelt- und Arbeitsschutz werden dabei vernachlässigt.

Von Ralph Ahrens

Menschen und Natur, hier ein afrikanischer Elefant, müssen unter dem Uranabbau in Afrika leiden. (US Fish and Wildlife Service)
Menschen und Natur, hier ein afrikanischer Elefant, müssen unter dem Uranabbau in Afrika leiden. (US Fish and Wildlife Service)

Im südwestafrikanischen Staat Namibia wird an zwei Orten im Tagebau Uranoxid abgebaut. Im älteren Bergwerk, der Rössing-Mine, wird seit 1976 das Erz aus der Erde geholt. Die Grube ist drei Kilometer lang, 1,5 Kilometer breit und 375 Meter tief. In der Nähe liegt die Minenstadt Arandis. Die Stimmung dort ist bedrückend. Hilma Shindondola-Mote vom "Labour Ressource and Research Institute", einem privaten Forschungsinstitut zum Arbeitsschutz:

"Die Menschen arbeiten viele Jahre für die Mine. Viele haben Lungenkrebs, hervorgerufen durch das radioaktive Gas Radon. Wir finden auch Hirntumore, Blutkrebs, Hautkrankheiten aller Art und Asthma. Doch eine angemessene Behandlung für solche Krankheiten fehlt!"

Namibias zweite Uranmine heißt "Langer Heinrich". Sie liegt im größten Naturschutzgebiet des Landes, dem Namib Naukluft Park. Die australische Firma Paladin Resources baut dort seit zwei Jahren Uranoxid ab. Für Bertchen Kohrs vom Umweltverband Earthlife Namibia arbeitet die Mine illegal:

"Das deutsche Öko-Institut sagt, die Firma hat die radioaktive Strahlung um den Faktor vier unterschätzt. Die Belastung für die Arbeiter wurde nicht ordentlich kalkuliert. Die Mine hätte also niemals genehmigt werden dürfen."

Damit nicht genug: Der Hunger nach Afrikas Uran ist groß. In Namibia soll die Trekkopje-Mine der französischen Firma Areva ab Ende 2009 Uranoxid liefern. In Namibia und rund einem Dutzend anderer afrikanischer Länder werden weitere Uranlager erforscht. Günter Wippel vom Uran-Netzwerk, einem neu gegründeten deutschen Umweltverband:

"Die Firmen, die Uran abbauen, haben gemerkt, dass beispielsweise in Australien oder in Kanada relativ strikte Umweltstandards herrschen, und diese auch relativ gut durchgesetzt werden. Dagegen in Afrika sieht es so aus, dass entweder gar keine rechtlichen Bestimmungen bezüglich Radioaktivität, bezüglich Uranabbau bestehen oder wenn es welche gibt, sie von den Regierungen, so gut wie nicht durchgesetzt werden können. Weil sie teilweise auch gar nicht die finanziellen oder kapazitätsmäßigen Mittel haben, um die Uranbergwerke unabhängig zu überwachen."

Auch deutsche Atomkraftwerke beziehen wahrscheinlich Uran aus Namibia, glaubt Bertchen Kohrs von Earthlife Namibia:

"Mir wurde gesagt, dass deutsche Kernkraftwerke sechs Prozent des Urans aus Namibia einführen."

Sichere Angaben darüber, welches Atomkraftwerk aus welchem Uran Strom gewinnt, fehlen allerdings, meint Günter Wippel:

"Dazu kommt noch, dass die exportierenden Länder als auch die Uran importierenden Länder sich alle hinter einer Geheimhaltungsklausel sozusagen verschanzen und gar nicht preisgeben wollen, woher das Uran, das beispielsweise in Deutschland verbraucht wird, denn tatsächlich letztendlich kommt."

Ob und in welchem Ausmaß sich die Betreiber von Atomkraftwerken in Deutschland - also die Energiekonzerne E.ON, EnBW, RWE und Vattenfall - in Afrika die Finger schmutzig machen, ist daher unbekannt. Hilma Shindondola-Mote hofft jedenfalls, dass der nukleare Kolonialismus bald endet:

"Was wir erwarten - nicht nur von Deutschland - ist eine internationale Solidarität gegen jene multinationalen Firmen, die in Afrika Bodenschätze ausbeuten und Menschenrechte dabei mit Füssen treten. Um das zu ändern, wollen wir auch die Eigentümern der deutschen Kernkraftwerke informieren, unter welchen Bedingungen sie letztlich ihren Profit machen."

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