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StartseiteForschung aktuellBelasteter Meeresboden19.09.2013

Belasteter Meeresboden

Warum die Havarie von Fukushima die Fische immer noch stark belastet

Strahlenbiologie. - Zweieinhalb Jahre sind inzwischen seit der Havarie von Fukushima Daiichi vergangen. Aber bis heute hin werden immer wieder Fische gefangen, die unerwartet hohe Gehalte an radioaktivem Cäsium aufweisen - viel höher als von den Wissenschaftlern erwartet. Deshalb haben sich japanische Forscher nun auf die Ursachensuche begeben - und sind anscheinend fündig geworden.

Von Dagmar Röhrlich

Fukushima: Auch zweieinhalb Jahre nach dem Gau noch gefährlich (picture alliance / dpa / Kyodo)
Fukushima: Auch zweieinhalb Jahre nach dem Gau noch gefährlich (picture alliance / dpa / Kyodo)

Auch wenn Tepco es erst vor kurzem zugab: Seit der Havarie im März 2011 haben die Meiler in Fukushima-Daiichi nie aufgehört Radioaktivität ins Meer abzugeben:

"Zwar wird erst seit einigen Monaten in den Medien über die Probleme mit dem radioaktiven Wasser berichtet, aber im Grunde hat sich die Lage seit Juni 2011 nicht verändert. In den ersten Wochen nach dem Unfall waren extrem viele radioaktive Partikel ins Meer gelangt. Dann fielen die Werte stark ab: Zwischen Juni 2011 und September 2012 ist im Vergleich zur ersten Phase weniger als ein Prozent an Radioaktivität ins Meer gelangt. Aber es hat niemals aufgehört","

erklärt Jota Kanda, Meeresbiologe an der Tokyo University of Marine Science and Technology. Tag für Tag fließt radioaktiv verseuchtes Wasser in den Hafen der Anlage - und von dort ins Meer, wo es sich mit dem Pazifikwasser vermischt. Weil den Fischern immer wieder erstaunlich hoch belastete Fische ins Netz gehen, fragten sich Jota Kanda und seine Kollegen, ob da ein Zusammenhang bestehen könnte:

""Es geht um radioaktives Cäsium, das Fische in belasteten Gewässern aufnehmen und in ihre Körper einbauen. Hält sich das Tier danach in sauberen Gewässern auf, sollte es durch den Stoffwechsel abgebaut werden, so dass nach ein bis zwei Monaten nur noch halb so viel radioaktives Cäsium in seinem Körper vorhanden ist und ein bis zwei Monate später wieder nur die Hälfte. Aufgrund dieser biologischen Halbwertzeit müsste die Konzentration in den Fische eigentlich recht schnell sinken."

Das jedenfalls legte die Erfahrung aus dem Betrieb von Sellafield nahe: Dort seien über das ganze Jahr 1975 hinweg ähnlich große Mengen an Radiocäsium freigesetzt worden wie in der ersten Phase nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima:

"In Fukushima geschah das hingegen innerhalb weniger Wochen, danach sank die Kontamination des Meerwassers schnell ab. Aber trotzdem geht die Kontamination der Fische in Fukushima nur sehr langsam zurück. Das bedeutet: Seit zweieinhalb Jahren muss immer wieder neues radioaktives Cäsium in die Nahrungskette gelangen."

Drei Ursachen kommen in Frage. Erstens: kontaminiertes Grundwasser. Zweitens: die Flüsse und Bäche, die die mit dem Regen im Umland abgespülten Radionuklide ins Meer schaffen. Und drittens: der Meeresboden. Kanda:

"Während sich das kontaminierte Meerwasser schnell verteilt hat, sieht es bei den Sedimenten in Küstennähe anders aus: Auch sie wurden damals stark belastet, und bei unseren Analysen fanden wir heraus, dass sie heute die mit Abstand größte Quelle für das radioaktive Cäsium sind. Im Vergleich dazu sind die Leckagen aus dem Kernkraftwerk und die Einträge aus den Flüssen moderat. Durch diesen Nachschub aus den Sedimenten werden die Tiere anscheinend über die Nahrungskette immer wieder neu kontaminiert."

Das Problem der belasteten Sedimente am Meeresgrund dürfte lange erhalten bleiben:

"Da die Kontamination des Ozeanwassers in der Nähe des Kernkraftwerks am höchsten war, ist dort auch der Meeresboden immer noch am stärksten belastet, und zwar bis in eine Wassertiefe von 200 Metern. Mit der Entfernung sinkt die Radioaktivität im Sediment: 150 Kilometer nördlich oder südlich der Anlage ist sie nur noch gering."

Bis heute sei die kommerzielle Fischerei in den kontaminierten Gebieten verboten, führt Jota Kanda weiter aus. Und: Werde außerhalb der Sperrzone ein Tier gefangen, das die Grenzwerte überschreite, werde die Fischerei auf diese Art ausgesetzt:

"Ich glaube nicht, dass über die Grenzwerte hinaus belasteter Fisch auf den Markt gelangt."

Für die Fischer ist das nur ein schwacher Trost: Sie sehen durch die fortwährenden Schreckensmeldungen aus Fukushima Daiichi ihre Existenz bedroht.

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