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StartseiteInterviewBülow: Benzinpreisanstieg hat mit Ostern nichts zu tun03.04.2012

Bülow: Benzinpreisanstieg hat mit Ostern nichts zu tun

Steigende Spritpreise hängen mit weltweitem Bedarf zusammen

Axel Graf Bülow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der freien Tankstellen, unterstreicht, dass am Spritpreis mehr als 90 Cent nur Steuern wären. Dass die Preise um Ostern stiegen, hänge mit der allgemeinen Weltsituation und dem Bedarf an Benzin und Dieselkraftstoff zusammen, so Bülow weiter.

Axel Graf Bülow im Gespräch mit Martin Zagatta

Auf grün steht in Frankfurt die Ampel vor dem Preisschild einer Tankstelle. (AP)
Auf grün steht in Frankfurt die Ampel vor dem Preisschild einer Tankstelle. (AP)

Martin Zagatta: Die politischen Parteien streiten wieder einmal über die Pendlerpauschale, denn die Benzinpreise sind zu Ostern wie eigentlich fast jedes Jahr noch einmal explodiert. Der Liter Super wird schon mit 1,75 Euro gehandelt. Ist diese Aufregung gerechtfertigt? - Das können wir jetzt Axel Graf Bülow fragen, er ist der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der freien Tankstellen, die eigentlich dafür sorgen sollen, dass der Sprit billiger angeboten wird. Guten Tag, Graf Bülow!

Axel Graf Bülow: Guten Tag, Herr Zagatta.

Zagatta: Graf Bülow, wieso drehen die freien Tankstellen da mit an dieser Preisspirale nach oben? Muss das sein?

Graf Bülow: Ja leider, muss man fast sagen, denn das ist eine sehr dünne Handelsspanne oder Marge, wie wir sagen, die wir am Benzin haben. Im Jahresschnitt ist das gerade mal ein Cent, und wenn man sich das vor Augen hält, ist der Spielraum nach unten im Augenblick sehr gering. Das hört sich etwas schizophren an, angesichts der hohen Preise, ist aber leider eine Tatsache, der wir auch zwangsläufig aus betriebswirtschaftlichen Gründen schon folgen müssen.

Zagatta: Und wieso passiert das jedes Jahr zu Ostern? Da muss man doch schon böse Absicht irgendwo vermuten.

Graf Bülow: Sie brauchen eigentlich sich nur den Produktmarkt in Rotterdam anzugucken. Dann werden Sie sehen, dass dort die Preise für Produkte eben in dieser Zeit immer stark ansteigen. Das hat aber weniger was mit Ostern in Deutschland zu tun, als mit der allgemeinen Weltsituation, dass zu dieser Zeit mehr Benzin und Dieselkraftstoffe gebraucht werden. Es wird also auch sehr viel in die USA exportiert, die haben nicht genug Raffinerien, das ist aber schon ein längeres Phänomen, und dann saugt sozusagen dieser riesige Markt auch den europäischen mit leer und lässt die Preise steigen. Das ist etwas sehr Unerfreuliches, hat aber mit Ostern an sich wenig zu tun, auch wenn das so auf den ersten Blick offensichtlich erscheint, ist aber eigentlich Unsinn.

Zagatta: Und wieso jedes Jahr genau um die Zeit?

Graf Bülow: Na ja, weil das immer der Anfang der Fahrsaison ist in Amerika. Das geht so im März los, und Ostern liegt nun mal in dieser Zeit. Das hat also nach meiner Erfahrung auch nicht unbedingt was mit Ferien zu tun. Dieses Märchen, das wird zwar immer gern genommen, immer wieder, aber es ist, wenn man es empirisch sich genauer anguckt, eigentlich auch nicht wahr, denn wir haben jede Woche Preisanhebungen in verschiedenen Größenordnungen, aber auch wieder erheblich mehr Senkungen, sodass man im Tagesschnitt immer wieder auf den ähnlichen Preis rauskommt. Wir haben natürlich im Augenblick wirklich - und das sagte ich ja - international sehr stark angestiegene Produktpreise, und die schlagen sich auch in Deutschland nieder. Da können wir gar nicht dran vorbei.

Zagatta: Jetzt führen wir ja hier seit Tagen, seit Wochen, fast seit Monaten die Diskussion, wie man das ändern könnte, ob man da zumindest etwas die Preise drücken könnte. Da wird immer wieder das österreichische Modell angeführt, jetzt in letzter Zeit auch das westaustralische, dass Preise einen Tag vorher festgelegt werden müssen, oder nur einmal am Tag festgelegt werden dürfen. Würde das aus Ihrer Sicht irgendetwas ändern?

Graf Bülow: Nein, das würde überhaupt nichts ändern. Im Gegenteil: Für den Verbraucher wäre es unterm Strich wahrscheinlich schlechter. Es gibt Erfahrungen aus dem österreichischen Modell - sehr hautnah, ist ja über die Grenze nur -, dass die Preise dort zwar etwas ruhiger geworden sind, aber eben höher. In der Tendenz sind sie höher, weil derjenige, der so einem Modell unterworfen ist, natürlich gerne immer die Oberkante anvisiert, um zu sehen, wie der Markt dann reagiert. Man weiß ja nicht, wenn man nicht noch mal erhöhen darf in den nächsten 24 Stunden, wo sich das hinentwickelt, und auch, wie mal eine Einkaufssituation sich entwickelt, und von daher muss man sehen, diese Modelle, ob das jetzt Westaustralien ist, was sehr ähnlich ist, oder Österreich, sind eigentlich eher preistreibend. Das haben inzwischen, glaube ich, auch einige Politiker verstanden, aber mir scheint, dass da auch so ein bisschen eine Symbolpolitik am Werke ist. Weil die Preise eben sehr hoch sind, meint man, etwas tun zu müssen. Bloß der Politiker sollte mal in die eigenen Reihen schauen, was mit der Ökosteuer ist, was mit der Mineralölsteuer ist. Immerhin mehr als 90 Cent am Preis sind immer noch Steuern.

Zagatta: Ist ja vielleicht auf der anderen Seite ganz gut, dass der Staat auf diese Weise Geld bekommt, das ihm fehlt.

Graf Bülow: Das kann man so sehen, aber natürlich muss er dann nicht laut schreien, wenn das Geld sozusagen von ihm selbst auch generiert wird, also der Preis meine ich jetzt, und das finde ich etwas unfair. Man lädt sozusagen den Schmutz auf den Mineralölgesellschaften und auf uns ab. Das ist ja nicht sehr erfreulich an den Tankstellen, was da oft zum Teil verbal von den Kunden aus an unser Personal abgeht. Von daher, muss ich sagen, sind wir mit der Gesamtsituation, wie man so schön sagt, nicht ganz zufrieden.

Zagatta: Hätte der Staat, hätte die Politik denn außer möglichen Steuersenkungen, hätte man da andere Möglichkeiten, noch irgendetwas zu tun?

Graf Bülow: Man muss allgemein den Wettbewerb stärken. Wir sind ja in Deutschland in der ganz glücklichen Lage, dass wir hier freie Tankstellen haben. Schauen Sie sich im europäischen Ausland um: Kaum noch gibt es dort welche - ein paar in Tschechien und Polen, aber das ist nicht der Rede wert. Deshalb haben wir auch hier in Deutschland, wenn man die Steuer mal rausrechnet - ich sagte es schon -, die niedrigsten Preise in Europa, oder fast die niedrigsten. Es ist noch ein Land, glaube ich, was ein bisschen billiger ist. Daran sieht man ja, dass hier der Wettbewerb im Grunde funktioniert, aber das funktioniert nur mit freien Tankstellen, und da muss man eben den Wettbewerb stärken und da haben wir Vorschläge für gemacht, in der jetzigen Kartellrechtsnovelle doch die Wettbewerbsbedingungen für den Mittelstand und für die unabhängigen Tankstellen zu verbessern, indem man zum Beispiel einige Passagen im Kartellrecht ändert, die es uns sehr erleichtern würden, gegen die Großen mithalten zu können.

Zagatta: Können Sie uns ganz kurz sagen, was das konkret wäre?

Graf Bülow: Es ist die Verschärfung des Verkaufs unter Einstandspreis, wobei der Einstandspreis genau das Problem ist. Die Mineralölgesellschaften, viele haben gar keinen Einstandspreis, weil sie ihre Produkte selbst verkaufen. Das heißt, die verkaufen sie nicht, sie generieren da keinen speziellen Preis für. Deshalb greift das Kartellrecht überhaupt nicht, wenn man ein Verbot dieses Verkaufs unter Einstandspreis macht. Wir wollen das erweitert haben auf das Verbot des Verkaufs unter Einstandskosten. Das ist ein bisschen schwieriger zu überwachen, aber ich denke, in diesem relativ übersichtlichen Markt kriegt man das auch hin, und es ist allemal billiger und leichter zu machen als ein westaustralisches Modell mit einer Riesenbehörde dahinter, die dann die Daten sammeln muss.

Zagatta: Klingt aber trotzdem kompliziert, zumindest für Laien. Was konkret würde das ändern?

Graf Bülow: Das würde ändern, dass wir diese Preissprünge, die wir ja jetzt beklagen, von bis zu 14 Cent zum Teil, in der Form aller Voraussicht nach nicht mehr haben würden, weil viele der Mineralölgesellschaften einfach nicht mehr so tief nach unten gehen würden. Der Verbraucher glaubt natürlich, dass er am unteren Ende des Preises, also wenn es billig ist, dass das der richtige Preis ist. Dem ist aber nicht so, leider, denn in diesen Momenten oder in diesen Stunden des Tages verkaufen wir oft den Kraftstoff unter oder am Einstandspreis, und das kann natürlich nicht lange gut gehen und deshalb muss man diese Amplituden nach unten, also diese Abwärtsbewegung, doch deutlich verändern, sodass einfach auch dadurch diese ganzen Preisbewegungen etwas beruhigt werden und man einen reellen und fairen Preis hat, und der wird dann sicher nicht teurer sein als bisher im Schnitt.

Zagatta: Aber auch nicht billiger?

Graf Bülow: Das ist zurzeit nicht drin. Ich sagte ja, ein Cent am Liter spricht eine klare Sprache, und das berechnet auf Rotterdamer Notierung, wonach ja auch die deutschen Raffinerien abrechnen müssen. Das geht ja nicht anders.

Zagatta: Wie verfolgen Sie jetzt die politische Diskussion in Berlin um die Pendlerpauschale, die zu erhöhen? Sie würden das begrüßen, weil das Ihr Geschäft ankurbelt, oder wie stehen Sie dazu?

Graf Bülow: Ich finde es eine faire Maßnahme, ganz abgesehen davon, dass ich selbst auch Pendler bin, aber es ist einfach lange Zeit, dass man da wieder mal drangeht an diese Geschichte, denn immerhin hat die Bundesregierung selbst ja vor etlichen Jahren die Mineralölsteuer stark erhöht, was ja alleine schon zu einer Anhebung der Pendlerpauschale hätte führen müssen.

Zagatta: Graf Bülow, wenn wir trotzdem auf die deutschen Straßen schauen, wer da heute auf der Autobahn unterwegs ist, oder am Wochenende - es ist unendlich voll, trotz dieser hohen Preise. Wie sind denn Ihre Erfahrungen? Wenn der Sprit teuer ist, wird dann überhaupt weniger gefahren, hat das überhaupt irgendeine Auswirkung?

Graf Bülow: Ob dann weniger gefahren wird, weiß ich nicht. Auf jeden Fall wird weniger verbraucht. Wir haben jedes Jahr im Benzinbereich, also im Otto-Kraftstoff, einen leichten Rückgang von ein paar Prozent. Im letzten Jahr habe ich die genauen Zahlen noch nicht im Kopf, es war so um die fünf Prozent. Und im Dieselbereich haben wir immer noch ein plus/minus null, ein leichtes plus noch, aber das liegt daran, dass sehr viele Autos auf Diesel umsteigen, Neuwagen werden mehr im Dieselbereich zugelassen. Dennoch geht es insgesamt im Verbrauch zurück. Das ist trotz der Konjunktur, die läuft, immer wieder festzustellen. Deshalb wird der Markt einfach kleiner, das liegt aber an besseren Verbräuchen, das liegt, glaube ich, weniger am weniger fahren, denn die Leute tanken heute kleinere Mengen, weil sie eben an der Tankstelle zocken, wenn ich das mal so sagen darf. Sie gucken also, wo ist es heute billig, dann tanke ich mal, aber vielleicht wird es ja noch billiger, dann tanke ich eben jetzt nicht voll und mache das dann beim nächsten Mal. Das ist so ein bisschen die Philosophie, die Zwanzigeurotankungen nehmen zu, das Volltanken ist eben etwas im Rückwärtsgang begriffen.

Zagatta: Axel Graf Bülow, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der freien Tankstellen. Graf Bülow, ich bedanke mich ganz herzlich für das Gespräch.

Graf Bülow: Danke Ihnen, Herr Zagatta.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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