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StartseiteSport am WochenendeStürmerstar gegen Trainerstar26.05.2018

Champions-League-FinaleStürmerstar gegen Trainerstar

Heute Abend treffen im Champions-League-Finale Real Madrid und der FC Liverpool aufeinander - zwei Mannschaften, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sagte Taktikexperte Tobias Escher im Dlf. Er rechnet damit, dass Liverpool auf seinen "Vollgasfußball" heute weitestgehend verzichten wird.

Tobias Escher im Gespräch mit Klaas Reese

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Der Pokal der UEFA Champions League steht am 24.08.2017 vor der Auslosung im Grimaldi Forum in Monaco auf dem Tisch. (dpa-Bildfunk / AP / Claude Paris)
Wer holt heute Abend den Pokal? (dpa-Bildfunk / AP / Claude Paris)

Taktikexperte Tobias Escher erwartet ein "seltsames" Spiel. Denn in Kiew träfen zwei völlig unterschiedliche Mannschaften aufeinander. Einerseits mit Real Madrid eine sehr routinierte Mannschaft, die sehr stark über den Spielaufbau komme - auf der anderen Seite der "Vollgasfußball" von Liverpool, dessen Mannschaft sich darüber definiere, wie sie gegen den Ball spielen. Er rechne damit, dass Liverpool auf Konter setzen werde und Real den Ball haben werde.  

Dabei sei die Offensive die große Stärke Liverpools - auch, aber nicht nur wegen des Stürmerstars Mohammed Salah. Die drei Stürmer des Teams ergänzten sich perfekt, meint Escher. Der Hype um Salah sei zwar verständlich, weil er ein sehr interessanter Mensch sei. Aber das Sturmtrio funktionere vor allem, weil es gut zusammenspiele.

Lesen Sie hier, wie Mohammed Salahs Heimat Ägypten ihn feiert.

Auf der anderen Seite steht der Trainer im Fokus: Zinedine Zidane trainiert die Mannschaft seit 2016. Zidane mache seine Taktik sehr stark von den Spielern abhängig, sagte Escher. Zidane beherrsche es, in der Defensive Stabilität hereinzubringen, aber offensiv auch Freiheiten an die Spieler zu verteilen.

Lesen Sie hier ein Porträt des Ausnahmespielers und -trainer Zidane

Wenig überraschend: Der WM-Kader

Escher sprach im Interview auch über den vorläufigen WM-Kader. Besonders die Personalie Neuer war im Vorfeld umstritten gewesen. Escher zeigte sich davon nicht überrascht. Joachim Löw sei schon immer ein loyaler Trainer gewesen, das habe man etwa schon bei Lukas Podolski gesehen, der trotz eher schwacher Leistungen im Klub noch mit zur WM 2014 gefahren war. Aus sportlicher Sicht habe ihn die Entscheidung aber schon überrascht, da Marc-André ter Stegen derzeit auf sehr hohem Niveau spiele. Neuer habe hingegen mehr Erfahrung.

Torhüterfrage ist Luxusproblem

Beide seien das, was man heutzutage "moderne Torhüter" nenne, so Escher - sie könnten auch sehr gut mit dem Fuß spielen und sich in den Spielaufbau einbinden. Das sei gerade für die deutsche Nationalmannschaft, die oft defensiven Mannschaften gegenüber stehe wichtig. Der Torhüter werde als weiterer Feldspieler gebraucht. Ter Stegen habe aber auch beim Spiel auf der Linie aufgeholt. Aber die Diskussion sei aus Sicht anderer Nationalmannschaften "ein ziemliches Luxusproblem". 

Dass Loris Karius vom FC Liverpool nicht nominiert wurde, wundert Escher nicht. Er frage sich eher, warum sein Trainer Jürgen Klopp so sehr auf ihn setze. Karius sei schon während seiner Zeit in der Bundesliga nicht herausgestochen. Er sei zwar "solide deutsche Torwartschule", aber nicht auf dem Niveau von Neuer, ter Stegen oder Leno.

Mit Blick auf den endgültigen Kader, der am bestimmt wird, sagte Escher, man könne möglicherweise an den Rückennummern der Spieler ablesen, wer es schaffe und wer nicht. Nummern, die über die 23 hinausgingen, seien mögliche Wackelkandidaten.

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