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StartseiteSport am WochenendeKeine Gebührengelder für absurde Geldspirale 18.06.2017

Champions-LeagueKeine Gebührengelder für absurde Geldspirale

Die Fußball-Champions-League wird ab Sommer 2018 nicht mehr im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein, sondern nur noch bei dem Pay-TV-Anbieter Sky und dem Streamingsdienst DAZN. Das macht viele Fans sauer. Doch eigentlich ist der kommerzielle Fußball nur dahin abgewandert, wo er hingehört, kommentiert Jonas Reese.

Von Jonas Reese

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Der Champions-League Pokal, zu sehen auf einem Sockel vor dem Finale zwischen Juventus Turin und Real Madrid im Stadion in Cardiff am 3. Juni 2017. (MAXPPP)
Knapp sechs Milliarden Euro verdient die Uefa 2015 bis 2018 mit Fernseh-Einnahmen für die Champions League. (MAXPPP)
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Bis an seine Schmerzgrenze sei man gegangen, hieß es vonseiten des ZDF nach den gescheiterten Verhandlungen mit der Europäischen Fußball-Union Uefa. Kolportierte 70 Millionen Euro pro Saison soll man geboten haben, um 18 Spiele der Champions-League übertragen zu dürfen. Das sind fast vier Millionen Euro pro Spiel. Vier Millionen Euro Gebührengelder für 90 Minuten.

Knapp sechs Milliarden Euro hat die Uefa allein mit Fernseh-Einnahmen für die Königsklasse im Übertragungszyklus von 2015 bis zum Jahr 2018 verdient. Für die kommende Periode bis 2021 dürften es wieder weit mehr Millionen sein. Denn in den vergangenen 15 Jahren haben sich die Einnahmen aus dem Verkauf von Übertragungsrechten mehr als verdreifacht. Es ist gut, dass sich das deutsche gebührenfinanzierte Fernsehen an dieser absurden Geldspirale nicht mehr beteiligt.

Der Fußball boomt weiterhin

Die Stadien sind voller denn je. Die Einschaltquoten steigen und steigen – wie zuletzt wieder bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Das Verrückte daran: Die Begeisterung ist ungebrochen, obwohl Fußball-Verbände momentan als mafiöse Banden entlarvt werden, obwohl bekannt wird, dass Großereignisse wohl nur mit erheblichen Bestechungszahlungen vergeben werden, obwohl Spielerberater für ihre Kunden aufwendige, wohl illegale Steuervermeidungsmodelle kreiert haben. Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen und durch obszön hohe Ablösesummen und Gehaltszahlungen bereichern. Doch allein: Es scheint den Fußball-Fan nicht zu stören. Er jubelt den Fußball-Millionären weiter ungetrübt zu. Das kann er jetzt ja auch weiter machen – zumindest in der Champions-League jedoch endlich ohne Unterstützung durch Gebührengelder. Denn diese sind nicht dazu da noch höhere Schmiergelder, Gehälter und Ablösesummen mitzufinanzieren.

Es ist also richtig, dass das ZDF seine Schmerzgrenze erreicht hat. Es hätte sie auch schon viel eher erreichen sollen. Das frei-empfangbare Fernsehen und die damit verbundenen Sponsoreneinnahmen haben den Fußball groß gemacht. Vielleicht zu groß. Jetzt reicht es damit, denn der Fußball ist zu einem Monopol-Mafia-Milliarden-Business entartet.

Zurechtstutzen auf Normalmaß

In der Bankenkrise sagte man, too big to fail, zu groß, um zu scheitern. Das ist der Fußball nicht. Wenn die Funktionäre bei den TV-Rechten gierig nach immer höheren Einnahmen schielen, wird das nach hinten losgehen. Wenn der Fußball hinter der Bezahlschranke verschwindet, müssen Fans sogar auch noch Geld dafür bezahlen, um Teil dieses Kommerzbetriebes zu sein. Das wird so manchen endlich zur Besinnung kommen lassen. Langfristig bedeutet das hoffentlich ein Ende des Massenphänomens Event-Fußball und ein Zurechtstutzen auf Normalmaß. Denn weniger Zuschauer bedeuten weniger Sponsoren-Einnahmen für Vereine und Verbände.

Der Ausstieg aus der Champions-League-Übertragung kann deshalb für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur der Anfang sein. Jetzt sollte man sich bei ARD und ZDF überlegen, wieviel man noch für die Rechte von Welt-und Europameisterschaften ausgeben will. Die wichtigen Spiele müssen gemäß Staatsvertrag ohnehin frei-empfangbar sein. Die Schmerzgrenze ist auch bei diesen Geldern schon längst erreicht. Der Fußball sollte froh sein, wenn ihm der öffentliche Rundfunk diese breite, freizugängliche Bühne verschafft, um seine Werbebanden und Trikotsponsoren zu zeigen. Wann bezahlt er eigentlich Geld dafür?

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