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StartseiteTag für TagChristen in Korea04.04.2013

Christen in Korea

Südkoreanische Gläubige suchen Verständigung mit dem Norden

Seit den 1950er-Jahren stehen sich Nord- und Südkorea feindlich gegenüber. Dennoch wagten evangelische Christen aus dem Süden in den 1980ern, Kirchenvertreter aus dem Norden zu treffen. Durch die politischen Entwicklungen sind auch diese Kontakte erst einmal abgebrochen.

Von Ingrid Norbu

Christen in Pyongyang  bei einer Sonntagsmesse. (picture alliance / dpa)
Christen in Pyongyang bei einer Sonntagsmesse. (picture alliance / dpa)

"Wenn die Lage gut ist, können wir über China nach Pjöngjang reisen, um gemeinsam mit dem Christenbund dort den Gottesdienst zu feiern. Ich bin zweimal in Nordkorea gewesen, einmal um ein Hilfsprojekt zu koordinieren und das letzte Mal im November 2011, um an einem gemeinsamen Friedensgebet teilzunehmen. Unglücklicherweise sind die Beziehungen zwischen beiden Koreas derzeit nicht gut. Besuche in Nordkorea sind schwierig. Wir konnten die Kirchenvertreter dort schon lange nicht mehr sehen."

Sagt Chang-Hwie Lee vom Nationalen Rat der Kirchen in Südkorea. Diese Vereinigung wurde 1924 gegründet. Mitglieder sind beispielsweise Presbyterianern, Methodisten und Anglikaner, die zusammen etwa 60 Prozent der protestantischen Gläubigen in Südkorea ausmachen. Der Nationale Rat der Kirchen setzte sich bereits in den 1980er-Jahren, und damit früher als die Politik, aktiv für die Wiedervereinigung beider Staaten und humanitäre Hilfe für Nordkorea ein. Am Anfang konnten sich die Kirchenvertreter aus Nord- und Südkorea nur auf neutralem Boden treffen: 1986 und 1988 in der Schweiz. Nach 40 Jahren der Trennung wurde wieder gemeinsam das Abendmahl gefeiert. Der bereits 1946 gegründete Christenbund Nordkoreas wurde wiederbelebt und Ende der 1980er entstanden in Pjöngjang zwei protestantische und ein katholisches Kirchengebäude. Daneben gibt es Hauskirchen, die über das Land verstreut sind. Ob und wie die nordkoreanischen Christen ihren Glauben leben, darüber gibt es widersprüchliche Ansichten. Selbst wenn Besuche erlaubt sind, bleiben die Kontakte zu Mitgliedern des offiziellen Christenbunds in Nordkorea doch recht vage. Chang-Hwie Lee:

"Ich traf dort vor anderthalb Jahren offizielle Kirchenvertreter, aber es ist schwer, mit einfachen Gläubigen ins Gespräch zu kommen. In Pjöngjang habe ich auch eine Hauskirche besucht. Die etwa zehn anwesenden Personen dort waren sehr zurückhaltend. Auf meine Fragen antworteten sie immer nur Ja oder Nein."

Selbst vor Ort ist es also auch nicht leicht, sich ein Bild von der Situation Christen zu machen. Dass es überhaupt Christen in Nordkorea gibt, bezweifeln konservative Kirchenvertreter im Süden, denn die könnten im kommunistischen System nicht überleben. Das sind Kirchenbauten für die ausländischen Besucher und die Kirchgänger verkleidete Kader, sagen sie.

"Ich vertraue den Kirchenvertretern im Norden. Für mich sind sie wirkliche Christen. Wir haben mit ihnen christliche Lieder gesungen und gemeinsam gebetet. Ich weiß natürlich nicht, welchem Druck sie ausgesetzt sind. Ich denke aber, das wird übertrieben. Soweit ich es beurteilen kann, ist es ihnen offiziell erlaubt, in die Kirche zu gehen."

Nicht loslassen, trotz aller Kritik und Zweifel im Süden an der Echtheit dieser Christen, lautet die Devise des Nationalen Kirchenrats. Das aktuelle Drohszenario des Nordens, die Frage der Atomwaffen, das tiefe Misstrauen der Politiker in Nord und Süd haben auch zum Stillstand der Kirchenkontakte geführt. Nur die humanitäre Hilfe läuft weiter. Reverend Hea Won Chae leitet das Ökumenische Forum für Frieden, Wiedervereinigung und Entwicklung mit Sitz in Seoul.

"Obwohl auch schon während der letzten Regierung die Situation zwischen Nord- und Südkorea wirklich schlecht war, konnten wir zwei Schiffe mit Nahrungsmitteln über eine Stiftung in China nach Nordkorea bringen. Deshalb gab uns auch die Regierung in Südkorea die Erlaubnis, das Hilfsprogramm zu überwachen. Wir fuhren im November 2011 nach Pjöngjang. Wir hatten keine Möglichkeit, uns dort frei zu bewegen und Menschen zu treffen. Immer waren die offiziellen Vertreter des Christenbunds dort an unserer Seite. Wir hatten den Eindruck, dass es den Menschen in Pjöngjang verhältnismäßig gut geht. Während einer Reise aufs Land konnten wir jedoch feststellen, dass die Menschen dort nicht gesund sind. Die junge Generation ist durchschnittlich 15 bis 20 Zentimeter kleiner als bei uns im Süden. Die Ernährungslage dort ist sehr schlecht."

Mit Spenden, die in Kirchen in Südkorea und anderswo gesammelt wurden, konnten bisher eine Nudelfabrik, eine Bäckerei und ein Gewächshaus für Gemüse in Pjöngjang gebaut werden. Auch im letzten Jahr gelangten zwei Schiffe mit Nahrungsmitteln nach Nordkorea. Trotz aller Kritik, ob diese Hilfe nicht doch eher dem Militär und den Reichen in Nordkorea zugutekomme.

"Ja, dieses Argument hören wir oft, aber die Versorgungssituation dort ist generell sehr schlecht, und wir müssen so viel schicken, wie wir können. Die Bedürftigen können dann wenigsten einen Teil davon bekommen. Im Moment kümmern wir uns nicht um diese Zweifel. Wir müssen dieser Betonierung der Feindschaft zwischen Menschen in Nord und Süd entgegenwirken und Verständnis zwischen ihnen schaffen. Die Drohungen der Machthaber im Norden können doch kein Grund sein, dass wir den Bedürftigen dort keine Nahrungsmittel schicken können."

Die humanitäre Hilfe läuft unter dem Anspruch: "Ideologien entzweien, Dienst vereint". Ein Treffen mit Vertretern des Christenbunds dort gab es im letzten Jahr nicht. Seit Kim Jong Un die Macht in Nordkorea übernommen hat und erst recht nach den jüngsten Angriffsdrohungen herrscht Funkstille. Dabei hatte man sich beim Nationalen Kirchenrat in Südkorea für 2013 so viel vorgenommen. 60 Jahre nach dem Ende des Koreakrieges wird der Ökumenische Rat der Kirchen im Oktober 2013 seine 10. Generalversammlung in der südkoreanischen Hafenstadt Busan abhalten. Die Repräsentanten aus der ganzen Welt sollen zu diesem Treffen mit einem Friedenszug gelangen. Start ist das einst geteilte Berlin. Von dort soll dieser Friedenszug über Moskau und Peking nach Pjöngjang und weiter über die Grenze am 38. Breitengrad nach Süden rollen. Das Schienennetz ist vorhanden, technisch wäre diese Reise kein Problem, aber in der gegenwärtigen Eiszeit der Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea stehen alle Signale auf Rot.

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