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StartseiteForschung aktuellDas elektrische Auge06.10.2009

Das elektrische Auge

Die Nobelpreisträger Willard Boyle und George Smith erfanden den CCD-Sensor

Auch Willard Boyle und George Smith sind "Meister des Lichts": 1969 haben sie gemeinsam eine elektronische Variante von Fotopapier entwickelt: den CCD-Sensor.

Von Klaus Herbst

Zusammen mit Willard Boyle (Kanada) und Charles Kao (Großbritannien) wurde George E. Smith (USA)  der Nobelpreis für Physik verliehen. (AP)
Zusammen mit Willard Boyle (Kanada) und Charles Kao (Großbritannien) wurde George E. Smith (USA) der Nobelpreis für Physik verliehen. (AP)

Willard Boyle wirkt sehr sensibel, fast schon empfindlich und schüchtern. Er möchte erst einmal eine kleine Mahlzeit zu sich nehmen, sagt seine Frau. Nun käme er doch ans Telefon, meint sie – sieht ihn aber dann im Badezimmer verschwinden. Minuten vergehen. Der Physiker im Ruhestand versucht, sich zu sammeln.

"Ich fange an zu verstehen, was eigentlich passiert. Das ist wirklich nicht einfach. Man befindet sich im Tiefschlaf, wird plötzlich geweckt und stellt fest, dass sich jeder für Dich und Deine Arbeit interessiert. Das ist schockierend, und es dauert eine Weile, es zu verkraften."

Zusammen mit George Smith hat Willard Boyle 1969 etwas erfunden, was heute auf der Welt millionenfach zu finden ist: den so genannten CCD-Sensor für die elektronische Datenübertragung. Boyle hat bei der Apollo-Landung auf dem Mond die Nasa beraten. Stolz dringt durch, wenn sich der betagte Forscher an eine andere Mission erinnert, eine Mars-Mission.

"Es ist nun zum ersten Mal möglich, Dinge und Personen von der Ferne aus zu betrachten. Vor allem hat es unsere Kamera möglich gemacht, Bilder vom Boden des Mars aufzunehmen. Das fand ich wirklich bemerkenswert: Ich sitze in meinem Wohnzimmer und reise über die Marsoberfläche. Und nichts sieht aus wie Wasser, sondern wie Sand. Ich habe also dazu beigetragen, die uralte Frage zu lösen, ob es auf dem Mars Kanäle gibt. Es gibt keine."

Willard Boyle ist Berater und ein hochkarätiger Akademiker. Geboren 1924 in Kanada war er Berater zahlreicher Unternehmen und ganzer Provinzen, vermittelte Universitäten sein Wissen und kanadischen Bundesbehörden. Schon 1979 hat er Bell Labs verlassen. Boyle wirkt loyal und dankbar, wenn er an diese Zeit in dem US-Telekommunikationsunternehmen zurückdenkt

"Es kann gar nicht genug gewürdigt werden, welche Leistungen die Firma 'Bell Telephone Laboratories' hervorgebracht hat. Dieses Unternehmen hat so viele technologische Innovationen hervorgebracht. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube dies ist der fünfte Nobelpreis eines Bell-Mitarbeiters, der in einer eigentlich kleinen Institution arbeitet."

Ein ganz anderer Typ ist Forscher-Kollege George Smith, geboren 1930. Auch er gehört zur alten Bell-Garde. Von 1959 an forschte er dort fast dreißig Jahre lang, vielfach mit hochkarätigen Preisen ausgezeichnet. Aber promoviert hat er nicht. Warum? Unter seinen Professoren galt er als Querkopf und zeigte viel zu wenig Respekt. Seine Abschlussarbeit soll die kürzeste aller Zeiten gewesen sein, ganze drei Seiten.

"Mein betreuender Professor und andere Beteiligten habe ich gar nicht namentlich genannt, aber meine Abschlussarbeit in einem angesehenen Journal veröffentlicht. Das war damals möglich. Allerdings wollte der Professor dann auch nichts mehr mit der Arbeit zu tun haben. Ich war ihm wohl zu unabhängig."

An was erinnert sich Smith noch heute gerne? An seine Zeit bei Bell und an die vielen Gespräche dort mit Willard Boyle. Denn so entstand der CCD-Sensor.

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