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Das Rätsel hinter dem weißen Winter

Sonnenzyklus beeinflusst Temperaturen auf der Nordhalbkugel

Von Lucian Haas

Winter in Deutschland. Zwei Radfahrer kämpfen sich (schiebend) durch den Schnee.
Winter in Deutschland. Zwei Radfahrer kämpfen sich (schiebend) durch den Schnee. (AP)

Meteorologie.- Steht uns ein milder oder ein kalter Winter bevor? Dieser Frage haben sich nun britische Forscher gewidmet. Ein Ergebnis ihrer Studien: Offenbar haben zyklische Schwankungen der Sonnenaktivität einen deutlichen Einfluss auf den Charakter des Winterwetters in Europa.

Fragt man Meteorologen nach der wichtigsten Einflussgröße des Winterwetters in Europa, lautet die Antwort stets: NAO. Dieses Kürzel steht für Nordatlantische Oszillation. Sie beschreibt den zyklischen Wechsel zwischen zwei Großwetterlagen. Die eine beschert uns mit starken Westwinden milde, aber regenreiche Winter. Die andere führt von Osten her kalte kontinentale Luftmassen nach Mitteleuropa heran.
Beide Phasen der NAO wechseln sich mit einer gewissen Regelmäßigkeit ab. Was diesen Wechsel antreibt, darüber rätseln Meteorologen seit Jahrzehnten. Britische Forscher haben jetzt erstmals eine mögliche Ursache gefunden: Es sind Schwankungen in der Intensität der ultravioletten Strahlung der Sonne. Das berichtet die Studienleiterin Sarah Ineson vom britischen Wetterdienst Met Office.

"Wir haben herausgefunden, dass niedrige UV-Werte eher zu kalten Wintern in Nordeuropa sowie wärmeren Temperaturen in Südeuropa führen."

Bis vor kurzem hätte niemand der UV-Strahlung eine derart wetterbestimmende Rolle zugerechnet. Zwar ist schon lange bekannt, dass die Aktivität der Sonne in einem elfjährigen Zyklus schwankt. Doch die Strahlung und damit die Energie, die von der Sonne zur Erde gelangt, bleibt dabei nahezu konstant. Es gibt zwar geringe Schwankungen im UV-Bereich, doch die dürften nicht ausreichen, um sich spürbar auf das Wetter auszuwirken. Neue Messdaten von Satelliten zeichnen jetzt aber ein anderes Bild.

"Sehr interessant für die Wissenschaft sind kürzlich veröffentlichte Messwerte des Sonnen-Forschungssatelliten SORCE. Sie zeigen, dass die Schwankungen der UV-Strahlung der Sonne vier bis sechs Mal größer sind als bisher angenommen."

Sarah Ineson und Kollegen haben die größere Schwankungsbreite der UV-Strahlung in ein speziell angepasstes Wettermodell einfließen lassen. Das Ergebnis: Der Wechsel zwischen starken und schwachen UV-Werten hat unerwartet deutliche Auswirkungen auf das Winterwetter auf der Nordhalbkugel. Die Simulation lässt sogar erkennen, über welche Reaktionskette die UV-Strahlung beeinflusst, wie sich kalte und warme Luftmassen über Europa verteilen. Sarah Ineson:

"Bei schwacher UV-Strahlung kühlt sich die obere Stratosphäre über den Tropen ab. Als Ausgleich weht in der großen Höhe ein östlicher Wind. Dieser Impuls der Luftmassen wandert dann polwärts und erfasst tiefere Luftschichten. Das führt zu einer Umverteilung von Wärme mit dem Ergebnis, dass es in Nordeuropa kälter wird."

Natürlich ist die Wetterküche weitaus komplexer, als dass man künftig das europäische Winterwetter allein mit Blick auf die UV-Einstrahlung vorhersagen könnte. Doch weil die solare Aktivität zyklischen Schwankungen unterliegt, könnten Meteorologen künftig etwas zuverlässiger einschätzen, ob uns eher ein harter oder ein milder Winter bevorsteht.

"Wir sprechen dabei von saisonalen Durchschnittstemperaturen. Solche Langfristprognosen geben keine Informationen darüber, wann man am besten seinen Winterurlaub plant oder ob es an Weihnachten schneit. Sie können aber große Bedeutung haben bei der Erstellung von Notfallplänen."

Zum Beispiel können Kommunen auf Basis der Langfristprognosen einschätzen, wie viel Streusalz sie vor einem Winter einlagern sollten. Bevor künftig die Wetterdienste den UV-Faktor der Sonne in ihre Langfristmodelle einfließen lassen, muss allerdings noch ein großes Fragezeichen hinter der aktuellen Studie aufgelöst werden. Die per Satellit gemessenen UV-Schwankungen der Sonne sind so groß, dass die erstaunte Fachwelt noch darüber streitet, ob hinter den Werten nicht einfach nur ein Fehler des Messinstrumentes steckt. Sollte sich das nicht bestätigen, wäre das Rätsel um die Nordatlantische Oszillation endlich gelöst.

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