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StartseiteSport am WochenendeDeckname "Schade"21.04.2013

Deckname "Schade"

Der heutige Sport-Geschäftsführer des Landessportbundes Brandenburg war Stasi-Informant

Günther Staffa ist Geschäftsführer Sport im Landessportbund (LSB) Brandenburg und war inoffizieller Mitarbeiter bei der Stasi, Deckname "Schade". Doch obwohl er laut Arbeitsvertrag fristlos gekündigt werden müsste, passiert nichts.

Von Thomas Purschke

Mehr als nur Anwerbungsversuche: Die Stasiakte belegt Staffas Tätigkeit. (AP)
Mehr als nur Anwerbungsversuche: Die Stasiakte belegt Staffas Tätigkeit. (AP)

Günther Staffa ist ein Sportfunktionär alter DDR-Schule. Der einstige Spitzenfunktionär als Stellvertretender Bezirksvorsitzender des DTSB Potsdam und SED-Kader hat sich gut in die demokratischen Strukturen nach dem Mauerfall hinübergerettet. Der heute 56-jährige war nach dem Mauerfall viele Jahre Präsident der Europäischen Sportakademie des Landes Brandenburg sowie auch Vizepräsident des Landessportbundes. Seit 2008 ist er dort als Geschäftsführer für den Bereich Sport tätig. Nun wurde seine Stasi-Vergangenheit öffentlich.

Laut seiner von der Stasi-Unterlagenbehörde herausgegebenen IM-Akte, die dem Deutschlandfunk vorliegt, wurde Günther Staffa während seines Wehrdienstes bei der Volkspolizei in Potsdam, im Juni 1977 als Gesellschaftlicher Mitarbeiter Sicherheit zur Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit berufen. Eine Berufungserklärung hatte Staffa damals handschriftlich unterschrieben. Im Abschlussbericht von 1978 schreibt die Stasi-Bezirksverwaltung Potsdam zu Staffa unter anderem:

"Er wurde zur Einschätzung von Personen aus seinem Kompaniebereich herangezogen. In einem Falle war der GMS maßgeblich an der Beschlagnahme von pornographischen Schriften beteiligt. Auf Grund seiner gegebenen Information wurde es möglich, die Zeitungen einzuziehen und die Person zu ermitteln, der diese Zeitungen gehörten."

Was mit dem Menschen geschah, den Staffa laut Akte bei der Stasi offenkundig angeschwärzt hat, geht aus den Dokumenten nicht hervor. Fakt ist, dass damals ein solches "Vorkommnis" von den DDR-Sicherheitsorganen in der Regel alles andere als ein Bagatelldelikt eingeordnet wurde. Staffa erklärte auf aktuelle Nachfrage indes, dass er sich an einen solchen Vorgang nicht erinnern könne.

Laut seiner Stasi-IM-Akte verpflichtete sich Staffa 1979 handschriftlich samt Unterschrift erneut zur Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit. "Zur Gewährleistung der Konspiration wähle ich mir den Decknamen "Schade", ist da unter anderem zu lesen.

Dazu befragt, erklärte Staffa aktuell gegenüber dem Deutschlandfunk, dass er sich "beim besten Willen nicht bewusst daran erinnern kann, eine solche Verpflichtung damals geschrieben zu haben".

Laut Akte lieferte der IM "Schade" bis 1981 unter anderem Einschätzungen zu Studenten. 1984 wurde der IM-Aktenvorgang von der Stasi endgültig archiviert.

Wie geht es nun weiter mit dem ehemaligen Stasi-Mitarbeiter Staffa beim LSB Brandenburg?
Der seit 2011 amtierende Präsident des Landessportbundes, Wolfgang Neubert, hat dazu erst kürzlich eine klare Haltung zur Schau gestellt. Im Februar sagte Neubert gegenüber dem Deutschlandfunk:

"Wir haben in allen Arbeitsverträgen, die wir mit hauptamtlichen Mitarbeitern, Trainern, die über den LSB finanziert werden, einen Passus drin, der die Stasimitarbeit betrifft. Wenn es also bekannt wird, dass es hier Mitarbeit mit den ehemaligen Stellen der Staatssicherheit gegeben hat. Dann führt das auch zu einer sofortigen, fristlosen Kündigung."

Doch diese Aussage war nichts weiter als eine große Nebelkerze.
Auf Nachfrage erklärte nun der Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes, Andreas Gerlach, dass es 1993 einen Beschluss der Mitgliederversammlung des LSB Brandenburg gab, wonach eine Stasi-Überprüfung für LSB-Mitarbeiter mehrheitlich abgelehnt wurde. Insofern habe es in den vergangenen zwei Jahrzehnten überhaupt keine Stasi-Prüfungen gegeben. Von einer Stasi-Klausel im Arbeitsvertrag wisse er nichts.

Auch Staffa sagt selbst, dass er sich bis zum Jahr 2013 noch nie einer Stasi-Überprüfung habe unterziehen müssen. Bei seiner Einstellung im LSB 2008 wurde er lediglich mündlich befragt, ob er in der DDR für die Stasi gearbeitet habe. Dabei habe Staffa, so sagt sein Vorgesetzter Andreas Gerlach, lediglich erklärt, dass damals Anwerbeversuche der Stasi und einige Treffgespräche mit dem DDR-Geheimdienst stattgefunden hätten. Mehr nicht. Zu einer Verpflichtung und Mitarbeit bei der Stasi sei es nicht gekommen. Woraufhin für Hauptgeschäftsführer Gerlach der Fall allen Ernstes und ohne Aktenprüfung erledigt war.

Der LSB und auch Staffa selbst haben nun laut eigener Aussage im Februar Anträge auf Akteneinsicht bei der Stasiunterlagenbehörde in Berlin gestellt.

Der Imageschaden in Sachen Glaubwürdigkeit und Transparenz beim LSB Brandenburg ist jedenfalls jetzt schon groß genug.

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