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StartseiteKultur heuteDer drohende Verfall21.03.2013

Der drohende Verfall

LVR-Konservatorin Andrea Pufke zu den geplanten Kürzungen in der Denkmalpflege in NRW

Der Aachener Dom, Zeche Zollverein, aber auch alte Bauernhäuser und Kirchengebäude: Die geplanten Kürzungen in der Denkmalpflege träfen vor allem private Denkmaleigentümer, aber auch mittelständische Handwerksbetriebe, kritisiert Andrea Pufke vom Landschaftsverband Rheinland.

Andrea Pufke im Gespräch mit Karin Fischer

Aachener Dom (AP)
Aachener Dom (AP)

Karin Fischer: Der Denkmalschutz hat es schwer. Nicht nur, weil historisch gewachsene Innenstädte mit kleinteiliger Struktur durch moderne Einkaufszentren "belebt" werden sollen, wie zum Beispiel in der kleinen ostdeutschen Stadt Bautzen. Und nicht nur, weil man in Deutschland immer mehr auf Privatleute angewiesen ist, um die vielen historischen Wohnhäuser, Höfe und sogar Schlösser, die es gibt, zu restaurieren oder auch nur annähernd vor dem Verfall zu retten. Jetzt ist bekannt geworden, dass das Land Nordrhein-Westfalen die Mittel für den Denkmalschutz im Haushalt 2014 stark reduziert, von zehn auf nur noch 3,4 Millionen Euro, und sich ab 2015 ganz vom Denkmalschutz verabschieden will.

Ab da sollen die Mittel nur noch in Form von Darlehen gewährt werden. Schon jetzt gibt es heftige Proteste vom Städte- und Gemeindebund und von Denkmalschützern, und Kulturstaatsminister Bernd Neumann nannte die geplante Kürzung bei der Denkmalpflege Anfang der Woche eine "kulturpolitische Bankrotterklärung". - Die Frage ging vor der Sendung an Andrea Pufke, die Leiterin des Fachamtes für Denkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland: Frau Pufke, was bedeutet dieser Beschluss konkret?

Andrea Pufke: Also momentan müssen wir erst einmal sagen, dass ja noch kein Haushaltsbeschluss gefasst worden ist. Aber allein die Prognose der starken Mittelkürzung heißt konkret: eine schlechte Signalwirkung für die Denkmaleigentümer, weil es uns in der Arbeit immer weniger gelingen wird, plausibel zu machen, dass Denkmäler zu erhalten sind. Eine staatliche finanzielle Förderung hat bislang doch bewirkt, dass Denkmaleigentümer für einen gewissen Mehraufwand, den sie bei der Instandsetzung ihres Objektes auf sich nehmen müssen, auch ausgeglichen bekommen.

Fischer: Vom Aachener Dom bis zur Zeche Zollverein reichen die herausragenden denkmalgeschützten Stätten im Rheinland. Vielleicht können Sie ein paar Beispiele nennen, denn Gebäude, die, wenn Geld fehlt, bedroht wären, sind ja häufig die weniger spektakulären Objekte.

Pufke: Ja, das ist richtig. In der Regel trifft es den privaten Denkmaleigentümer, der ein normales Bürgerhaus, ein bäuerliches Wohnhaus auf dem Lande besitzt und ganz normal Instandsetzungsarbeiten, Umbauarbeiten an seinem Objekt macht, und da sind vielfach in den letzten Jahren Denkmalmittel des Landes hingeflossen, wie gesagt als Anreizfinanzierung, teilweise sogar auch erst, um eine Kreditwürdigkeit der Denkmaleigentümer herzustellen, um die Gesamtmaßnahme zu finanzieren. Also in erster Linie wird es wirklich private Denkmaleigentümer mit den kleinen normalen Wohngebäuden treffen. Aber wir müssen auch sagen: Es trifft natürlich auch ganz stark die Kirchen. Soweit wir gehört haben, ist da auch die Kürzung der Landesmittel geplant für kirchliche Bauten, und das wird die Kirchengemeinden, die ohnehin mittlerweile am Tropf hängen, auch ganz arg betreffen.

Fischer: "Beispiellos in der Geschichte der Bundesrepublik" sei diese geplante Mittelkürzung, schreibt ein Kollege in der "Welt" und verweist auf die Situation in Baden-Württemberg, wo es möglich war, eine ganz andere politische Entscheidung zu fällen, nämlich für den Denkmalschutz mit jährlich 24 Millionen Euro und für zusätzliche Investitionen des Landes in eigene Liegenschaften von rund 20 Millionen Euro. Nun ist Baden-Württemberg nicht ganz so klamm wie NRW, aber macht das schon den ganzen Unterschied?

Pufke: Ja auf der einen Seite ist es natürlich wirklich ein Unterschied erst mal in finanzieller Hinsicht. Aber man fragt sich natürlich schon auch, wie viel Wert dem Denkmalschutz da noch beigemessen wird. Denkmalschutz und Denkmalpflege liegen im öffentlichen Interesse und bislang war es so, dass dieses öffentliche Interesse eben auch durch die öffentliche Hand unterstützt wurde. Wenn diese Förderung nun sehr stark zurückgezogen wird, oder umgewandelt wird auf eine Darlehensbasis, die aus unserer Sicht weniger effektiv ist, stellt man sich in der Tat die Frage, ob damit vielleicht auch noch was anderes verbunden ist. Aber das sind jetzt auch erst mal nur Spekulationen.

Fischer: Es hat ja starke Kürzungen im NRW-Kulturhaushalt auch schon 2013 gegeben, ein Hinweis natürlich darauf, dass die Länder ebenso wie Städte und Gemeinden heftig sparen müssen. Das Geld fehlt überall. Was sind Ihre besten Argumente, es in den Denkmalschutz fließen zu lassen?

Pufke: Es sind eigentlich auch wirtschaftliche Argumente. Wir kennen seit Jahren einige Untersuchungen von Wohnungsunternehmen, die belegen, dass jeder öffentlich investierte Euro weitere Finanzierungen oder Maßnahmen von zehn bis zwölf Euro nach sich ziehen. Und wenn man bedenkt, dass diese Maßnahmen im Bereich der Denkmalpflege hauptsächlich im klein- und mittelständischen Gewerbe angesiedelt sind, also einen ganz starken und spezialisierten Handwerks- und Gewerbebereich betreffen, so kann man sich dann auch vorstellen, dass natürlich durch die Umsatzsteuer, die dort gezahlt wird, auch wieder Rückgewinnungen in den Landeshaushalt fließen. Also allein aus dieser Sicht müsste es im Interesse im Grunde auch des Landes sein, genau diese kleinen und mittelständischen Gewerbebetriebe zu unterstützen.

Fischer: Dank an Andrea Pufke, Landeskonservatorin beim Landschaftsverband Rheinland mit Sitz in der Abtei Brauweiler.


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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