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Seit 18:40 Uhr Hintergrund
StartseiteFirmenporträtDer Rohstoff-Multi Glencore28.09.2012

Der Rohstoff-Multi Glencore

Teil 1 der Reihe "Schweizer Riesen"

Glencore ist bereits der größte Rohstoffhändler der Welt. Doch das reicht Big Boss Ivan Glasenberg nicht: Derzeit versucht er durch die Fusion mit dem Bergbauriesen Xstrata einen der größten Rohstoffgiganten der Welt zu schaffen. Zusammen brächten es die beiden Konzerne auf eine Marktkapitalisierung von 90 Milliarden Dollar.

Von Hans-Jürgen Maurus

Hauptquartier des Schweizer Rohstoff-Konzerns Glencore in Baar (EPA/URS FLUEELER)
Hauptquartier des Schweizer Rohstoff-Konzerns Glencore in Baar (EPA/URS FLUEELER)

Glencore ist nicht nur der größte Rohstoffhändler der Welt, Big Boss Ivan Glasenberg versucht mit einer 35-Milliarden-Dollar-Megafusion mit dem Bergbauriesen Xstrata einen der größten Rohstoffgiganten der Welt zu schaffen. Zusammen brächten es die beiden Konzerne auf eine Marktkapitalisierung von 90 Milliarden Dollar. Im ersten Halbjahr 2012 schaffte allein Glencore mit 55.000 Beschäftigten einen Umsatz von mehr als 100 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 2,3 Milliarden. 2011 waren es 186 Milliarden Dollar Umsatz und eine Eigenkapitalrendite von satten 38 Prozent. Seit dem Börsengang wurden die zehn wichtigsten Manager über Nacht zu Milliardären. Ivan Glasenberg auf die Frage, ob sich durch den Börsengang seine Ziele verändern würden:

"Die langfristigen Ziele orientieren sich an den bisherigen erzielten Erträgen, die sehr gut waren. Wir wollen wachsen, den Shareholder-Value verbessern und wir wollen den Erfolg des Unternehmens sicherstellen."

Und das heißt Wachstum für Glasenberg, siehe Xstrata Fusion. Dass sich einige Großaktionäre querlegen, hat mit dem Preis zu tun. Pokerface Glasenberg hat jetzt nachgebessert und damit die Chancen des Deals vergrößert. Doch noch ist nichts entschieden.

Glencore ist aus dem Imperium des legendären Schweizer Ölhändlers Marc Rich entstanden. Rich ist eine der schillerndsten Figuren des Landes, war mit Spionen und Diktatoren befreundet und wurde 2001 von Bill Clinton begnadigt, nachdem ihm die US Behörden Steuerhinterziehung und Falschaussagen vorgeworfen hatten. Korruption und Geldwäsche sind typisch für die Rohstoffbranche, meint der Basler Strafrechtsprofessor Mark Pieth:

"Oft ist Korruption ein Thema, und schließlich spielt dann auch Geldwäscherei eine ganz wichtige Rolle. Insgesamt stellt sich für mich die Frage, ob die Schweiz eigentlich nicht merkt, dass sie einen Regulierungsbedarf hätte."

Glasenberg und seine Kompagnons werden noch heute als die Rich Boys bezeichnet. Sie arbeiten mit denselben Methoden wie ihr Lehrmeister, operieren in Staaten, wo sich andere nicht hintrauen, beschäftigen dubiose Mittelsmänner, hofieren Diktatoren und arbeiten am Rande der Gesetze. Beispiel: der Oil for Food-Skandal mit dem irakischen Diktator Saddam Hussein, so Urs Rybi, Autor des Buches Rohstoff:

"Die Schweiz spielte bei Oil for Food eine zentrale Rolle. Der Untersuchungsbericht der unabhängigen Untersuchungskommission der UNO zeigt, dass Schweizer Ölhändler, wenn man die Zahlen auswertet, rund 20 Prozent der illegalen Zahlungen leisteten. Ganz besonders wichtig waren dabei der größte Ölhändler weltweit auch mit Sitz in Genf - das ist Vitol - und die Firma Glencore."

Rybi hat auch die Entwicklung von Glencore untersucht:

"Glencore hat sich von einer reinen Handelsgesellschaft zu einer großen Konzernorganisation entwickelt, die immer mehr auch selber in die Produktion geht, das heißt, es werden selber Minen betrieben, zum Beispiel im Kongo. Es werden Kupferschmelzwerke selber gehalten, zum Beispiel in Sambia. Und das führt dazu, dass Glencore heute nicht mehr eine reine Handelsgesellschaft ist, sondern die Hälfte seiner Gewinne bereits in der Produktion, vor allem im Bergbau gewinnt."

Glencore baut ähnlich wie der russische Riese Gazprom eine vertikale Struktur auf, um alle Stufen im Rohstoffhandel kontrollieren zu können, das bedeutet auch Marktmacht, so UNCTAD Chefökonom Heiner Flassbeck:

"Die Rohstoffhändler sind natürlich eine große mächtige Gruppe, weil der Handel selbst ist nicht so leicht zu durchschauen. Es hat eine eigene Sprache, eine Geheimsprache. Man hat Mechanismen aufgebaut, die in der Tat relativ komplex sind. Wenn Regierungen sich damit befassen, müssen sie auch auf dieses Wissen zurückgreifen."

Doch Rohstoffhändler spekulieren mit eigenen Trading Desks mit vertraulich en Informationen, die nicht jeder hat, so der Basler Prof. Mark Pieth:

"Auf der anderen Seite haben wir aber auch Probleme, die mit dem Handelsplatz verbunden sind. Also die sog. Traders, die Preise in die Höhe treiben, mit Preisen spekulieren, die dazu führen, dass sich Leute in der Dritten Welt, die fossilen Kraftstoffe nicht mehr leisten können."

Besonders bei Lebensmittelspekulation ist dies problematisch, so UNCTAD Direktor Heiner Flassbeck:

"Da ist es 2008 auch schon sehr konkret geworden. Am Anfang dieses Jahres hatten wir auch wieder Probleme. Wenn natürlich über solche Finanzprodukte die Preise von Weizen und anderen Grundnahrungsmitteln hochgetrieben werden, dann ist das in der Tat nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern ein humanitäres Problem ein moralisches Problem, weil Leute in Unterernährung geraten oder hungern oder gar sterben. Also das kann man einfach nicht zulassen. Es muss eine wesentlich stärkere Kontrolle dieser Märkte passieren. Man muss eingreifen in diese Märkte. Es muss Interventionen in diese Märkte geben ohne diesen Preisbewegungen die Spitze zu nehmen. Man kann nicht immer auf eine globale Rezession warten, bis diese ganzen Spekulationen in sich zusammenbrechen."

Glencore expandiert auch im Agrarbereich. Den kanadischen Getreidekonzern Viterra hat sich der Zuger Konzern erst kürzlich für rund fünf Milliarden Euro geschnappt. Die Expansion geht weiter.

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