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StartseiteCampus & KarriereDer steinige Weg zur Fashion Week18.01.2013

Der steinige Weg zur Fashion Week

Wie junge Modedesigner in die Branche kommen

Für Nachwuchsdesigner ist es oft schwer, Fuß in der Modebranche zu fassen. Allein die "Miete" auf der Berliner Fashion Week soll rund 30.000 Euro betragen und kann zum Teil nur durch gewonnene Förderpreise finanziert werden. Das gilt auch für die Kollektionskosten - häufig liegen sie bei einer Viertelmillion.

Von Sarah Tschernigow

Auf der Fashion Week in Berlin muss das Publikum von der neuen Kollektion eines Designers überzeugt werden.  (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)
Auf der Fashion Week in Berlin muss das Publikum von der neuen Kollektion eines Designers überzeugt werden. (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)

"Ich bin ziemlich nervös, aber auch echt zufrieden. Es gibt noch eine Million Dinge, die zu tun sind. Es muss noch viel abgeändert und angepasst werden. Viel Arbeit."

Nachwuchsdesigner Leandro Cano im Stress: Kleider kürzen, abstecken, zurechtzupfen, letzte Besprechungen mit den Stylisten. Er hat seine erste Modekollektion fertig und darf sie auf der Fashion Week zeigen – weil er einen Förderpreis gewonnen hat: den Designer for Tomorrow Award von Peek und Cloppenburg. Ein Jahr wird er gefördert mit Geld, Modereisen und einer eigenen Show. Sie könnte sein Einstieg in den internationalen Markt werden.

"Nicht nur in Spanien, auch generell ist es schwer, als Modedesigner Fuß zu fassen. Es gibt viele gute Leute. Deshalb ist die Möglichkeit, die ich mit dem Preis bekommen habe, wirklich beeindruckend."

Wie auch sonst sollte der 29-jährige Spanier, der noch recht frisch von der Modeschule kommt, so einen Auftritt finanzieren? Allein die "Miete" vor Ort soll rund 30.000 Euro betragen, von den Kollektionskosten ganz zu schweigen, sie liegen oft bei einer Viertelmillion.

"Es ist die größte Chance meines bisherigen Lebens, meine Arbeit zu präsentieren. Das Beste wäre, wenn die Show gefällt, dass sie einfach gut wird. Und das Schlimmste … ja … Ich bin einfach total zufrieden, so wie es jetzt ist. Es gibt nichts Schlimmes, das passieren kann."

Nach der Show wird neuer Nachwuchs gesucht, und Leandro muss den Weg alleine weitergehen. Der Einstieg in die Modebranche kann aber auch ohne Förderpreis gelingen. Bestes Beispiel dafür ist Kilian Kerner. Der 32-Jährige ist schon zum zehnten Mal bei der Fashion Week. Seine Shows sind ausgebucht, Promis tragen seine Kleider. Dank großer Investoren im Rücken kann er im Grunde machen, was er will. Vor acht Jahren war das noch anders.

"Ich hatte keine Ahnung von Mode. Ich wusste gerade mal, dass es so was wie Chanel gibt. Mehr wusste ich nicht. Ich hab alte Sachen in Ein-Euro-Shops gekauft und die bearbeitet. Das waren die ersten Kilian Kerner-Sachen."

Kilian Kerner hat nicht einmal Mode studiert. Er hatte einfach Talent und Glück: Stand eines Tages mit selbst gebasteltem T-Shirt bei einem Nena-Konzert in der ersten Reihe. Die Sängerin wollte prompt auch so ein Teil haben. Später auf einer Party wurde er auf seine coolen Klamotten angesprochen und gefragt, ob er nicht an einer Show der Kette "Miss Sixty" mitarbeiten möchte.

"Ich wusste nicht mal, wer Miss Sixty war, ehrlich gesagt. Bin dann dahin gekommen, und mir wurde schlecht, weil das vor 1.500 Leuten war. Aber ich hab es dann irgendwie gemacht und dann haben vier Shops aus Berlin gleich die Sachen mit ins Programm genommen. Das war total absurd."

Der Designer ist das beste Beispiel dafür, dass es keinen klaren Weg zum Modedesigner gibt. Es hat auch viel mit Zufall zu tun, mit Kontakten. Denn selbst Agenturen, die Designer vermitteln, wollen von blutigen Anfängern erstmal nichts wissen.

"Was nützt dir eine Agency in New York, du selber sitzt aber in Recklinghausen?"

Sagt einer der größten nationalen Designer, Michael Michalsky.

"Ich finde es absolut bewundernswert, aber auch kamikazehaft, wenn Leute direkt aus der Schule kommen und sich selbstständig machen."

Er selbst, der "neue deutsche Modepapst", wie ihn die Vogue einmal nannte, hat es anders geschafft und sich in großen Unternehmen hochgearbeitet: Adidas und Levis. Das rät er auch dem Nachwuchs.

"Weil man da viele Abläufe lernt. Hier gibt es ein Product Management, hier gibt’s Design, hier gibt’s Leute, die kümmern sich um die Entwicklung der Produkte, hier gibt’s ein Sales-Team. Das sind alles Sachen, die wichtig sind, wenn man mal ein Unternehmen haben möchte."

Vor allem Michalskys guter Geschäftssinn machte ihn erfolgreich. Er sagt, wenn es mit dem eigenen Label nicht geklappt hätte, wäre er eben in den großen Modehäusern aufgestiegen. Eine Perspektive, die Nachwuchsdesigner auch im Kopf behalten sollten.

"Viele junge Leute träumen davon, in der Modebranche zu arbeiten, ohne zu wissen, wie viel harte Arbeit das ist. Und ohne auch zu wissen, dass es nur funktioniert, wenn man wirklich brennt, das liebt und atmet."

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