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StartseiteSport am Wochenende"Hanning ist ein Kontrollfetischist" 28.01.2018

Deutscher Handball-Bund"Hanning ist ein Kontrollfetischist"

Im Deutschen Handball-Bund herrscht nach dem Aus bei der EM Chaos. Medienberichten zufolge soll es während des Turniers zum Eklat zwischen Mannschaft und Trainer gekommen sein. Handball-Experte Erik Eggers hält es für möglich, dass DHB-Vizepräsident Bob Hanning diese Info selbst an die Presse gegeben hat, um Trainer Christian Prokop loszuwerden.

Erik Eggers im Gespräch mit Astrid Rawohl

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Christian Prokop, Trainer der Handball-Nationalmannschaft, und DHB-Vizepräsident Bob Hanning bei einer Pressekonferenz. (imago sportfotodienst)
Will Bob Hanning Trainer Christian Prokop loswerden? (imago sportfotodienst)
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Er traue den Spielern nicht zu, dass sie Informationen an die Presse weitergeben, um dem Trainer zu schaden, sagte Eggers. Auch Sportvorstand Axel Kromer sei zu defensiv für ein solches Verhalten. Es sei jedoch eine "theoretische Option", dass Bob Hanning die Info selbst durchgesteckt habe, um Prokop "sturmreif zu schießen" und zum Rücktritt zu bewegen. Angesichts des "guten Verhältnisses einiger Leute vom DHB mit der Bild-Zeitung" sei diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen.

Zudem habe Hanning sich im ZDF-Sportstudio von Prokop distanziert, etwa bei der Entscheidung über den Einsatz von Finn Lemke. Er habe die Schuld alleine Prokop zugeschoben, dabei würden auch Kromer und Hanning in solche Prozesse einbezogen, meint Eggers. Hanning sei ein "Kontrollfetischist", der alles über die Vorgänge im Nationalteam wissen wolle. Deswegen sei es undenkbar, dass Nominierungen von Spielern ohne sein Zutun entschieden würden.

Prokop "total überfordert"

Eggers kritisierte Hannings Präsenz beim Nationalteam. Man könne infrage stellen, ob es sinnvoll sei, dass Hanning "immer in der Kabine rumspringe" und auch an den Mannschaftssitzungen teilnehme. "Das ist eine ungewöhnliche Konstellation". 

Eggers hält Trainer Prokop stellenweise für "total überfordert". Dass erfahrene Spieler wie Julius Kühn, Steffen Fäth und Finn Lemke nicht zum Einsatz kamen, habe die Mannschaft verstört, meint Eggers. Es sei ein "gravierender Fehler" gewesen, die Struktur der Mannschaft so durcheinander zu bringen.

Mit Blick auf die Trainerentscheidung sagte Eggers, er rechnet damit, dass auch die Bundesliga Druck machen werde. Sie habe ein Interesse daran, dass die kommende WM gut laufe.

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