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StartseiteLyrixDie »lyrix«-Gewinner im Januar 201328.03.2013

Die »lyrix«-Gewinner im Januar 2013

"Was glaubst denn du?" Was heißt Glaube heute, in unserer Gesellschaft und für euch? Sagt ein regelmäßiger Kirchgang etwas über den Glauben aus? Und hat Glaube zwingend etwas mit Religion zu tun? Das haben wir euch im Januar gefragt.

Jesus am Kreuz (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)
Jesus am Kreuz (Stock.XCHNG / Robert Aichinger)

Im ersten Monat des »lyrix«-Jahres 2013 waren wir mit dem Thema Glaube zu Gast im Braunschweigischen Landesmuseum. Dort kann ein besonders gut erhaltenes Reliquiendepot besichtigt werden. Im Mittelalter spielten Reliquien, also Körperteile oder Gegenstände aus dem Besitz eines verstorbenen Heiligen, eine zentrale Bedeutung im christlichen Glauben. Man erhoffte sich von ihnen Heilung oder Schutz. Mit Bezug auf dieses Exponat und den Gedicht "Sonntag" von Nora Bossong haben wir euch gefragt: Was glaubt ihr?

In euren Texten geht es nicht nur um den religiösen Glauben. Auch der Glaube an Freundschaft, Vertrauen und Liebe steht in vielen Gedichten, die wir erhalten haben, an zentraler Stelle.

Wir präsentieren die ersten fünf Monatsgewinner 2013. Wir glauben an euch!


Herr Mozart

Dies irae
Dies illa
Tag des Zornes
Tag der Sünden
starker Glaube
große Angst
Herr Mozart
stoßen Sie
die Pforten
zur Hölle auf?
Wissen Sie
- schon -
was ich
- noch -
glauben soll?
Soll - ich -
glauben,
was ich sehe?
was ich fühle?
was ich sage?
was ich höre?
Herr Mozart
ich weiß -
ich glaube
an ihre Musik!
Glaube ich
an das
gesprochene Wort?
Es könnte
eine Lüge sein?
Und - wenn es
- doch -
die Wahrheit ist?
Herr Mozart
ich sehe
Ihre Noten
- und -
ich glaube
an ein Leben
vor dem Tod.

(Lara-Sophie-Eugenie Cronhardt-Lück-Giessen aus Pirmasens, Immanuel Kant Gymnasium, Klasse 6, Muttersprache Deutsch)




Schlucke Quecksilber mein Kind,
Wenn du groß bist werden deine Tränen glänzen.
Denn es versilbert sich alles hinterher
rammte die Zeit zuckergold in die Titanic.
Sang der Männerchor bis er Tränen in den Augen hatte
Silbernes Salzwasser in Sängeraugen.
Quecksilber mein Kind,
Quecksilber und du wirst strahlen.
Denn es versilbert sich alles hinterher.
Wird dein Name aufgesticktes Gold auf Marmor sein.
Einfach schlucken mein Kind,
wer schön sein will muss leiden.
Trink, mein Kind, trink
und deine Wunden werden zu Schmetterlingen vernarben
Wer schön sein will muss leiden
Schmetterlinge wo dein Blut wieder fließt
Golden auf Marmor.
Irgendwann wird man es romantisch finden,
dass am Ende alle starben.
Denn es versilbert sich alles hinterher
Werden wir singen
während wir Shakespeare verbrennen.
Quecksilber ist die Neue Liebe mein Kind.
Wenn du groß bist werden deine Tränen glänzen.

(Johanna Fugmann aus Memmelsdorf, Klasse 10, Presentation College Tuam - Auslandsjahr, Muttersprache Deutsch)



Jugendliches Credo

Woran soll ich denn bitte glauben?
Die Jugend von heute glaubt nicht
Sie verkommt
Ist
Gesichtslos, zukunftslos
Und wartet darauf wachgeküsst zu werden
Während der Prinz
Geldscheine zählend die Stirn runzelt
Die Jugend von heute glaubt,
Dass die Erde keine Scheibe ist
Dass der Mensch böse ist
Und daran,
Dass sie einst ein Verband Einzelliger war
Die Jugend von heute versteht nicht Warum
80 Millionen Deutsche
Einen Nadelbaum in das Wohnzimmer stellen
Und ihn limettaverhangen besingen
Sie ist dabei zu entschlüsseln
Warum Herr Lamenta so entschlossen
Den Zustand der Jugend lamentiert

(Helena Kieß aus Dresden, Evangelisches Kreuzgymnasium Dresden, Klasse 11, Muttersprache Deutsch)





Glaube an mich

Glaube ist wie eine Säule
die meine Hoffnung trägt
die meine Stärke hält
die mir den Halt im Leben gibt.

Glaube ist wie ein Dach
das mich vor dem Regen schützt
das mich von der Trauer abschirmt
das mir den Schutz im Leben gibt.

Glaube ist wie ein Boden
der mich festhält und fasst
der mich in die Wirklichkeit zurückholt
der mir die Beherrschung im Leben gibt.

Glaube ist wie ein Fenster
das mir ein Blick nach außen gibt
das mir ein Bild im Freien zeigt
das mir die Freiheit im Leben gibt.

Glaube ist wie eine Wand
die mich wie eine Lehne stützt
die mich abfängt wenn ich falle
die mir die Sicherheit im Leben gibt.

Glaube ist wie ein Haus
das mir die Wärme spendet
das mir die Sicherheit schenkt
das mir das Wichtige im Leben gibt.

(Sonja Liu aus Wuppertal, Gymnasium Sedanstraße, Muttersprache: Chinesisch)




vaterunser (2)

SMS und
Urknall und
Kondensstreifen
Erdbeben Kirchensteuer
Gott in
Überlandleitungen

vaterunser (3)

dass es wieder Montag war
ich glaubte ans Internet oder
an die Kopfschmerztablette vielleicht
sah Gott mir durch die
Webcam zu, als ich
schlafen ging

vaterunser (4)

Mittelstreifen wieder
eine Ausfahrt vorbei wir
suchen immer suchen
noch fahren weiter eine
Tankfüllung lang suchen wir
Gott

(Ansgar Riedißer aus Renningen, Klasse 9, Gymnasium Renningen, Muttersprache Deutsch)

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